Berggarten gestalten
Pflanzenwahl für raues Klima: unsere Tipps
Inhaltsverzeichnis
Gebirgsgarten anlegen: Winterharte Pflanzen trotzen extremem Klima. Tipps für ein robustes, ganzjährig schönes Beet in rauen Lagen.
Was bedeutet montanes Klima?
Das montane Klima ist per Definition ein Klima mit kalten Wintern sowie kühlen, feuchten Sommern. Es herrscht in Regionen mit großen Temperaturunterschieden, die weit vom Meer entfernt sind, dessen ausgleichende Wirkung fehlt, und in denen starke Winde auftreten. In Frankreich zählen dazu die alpinen Gebirge im Osten des Landes, einige höher gelegene Gebiete des Zentralmassivs und der Pyrenäenrand. Ebenfalls dazu gehören die höher gelegenen Bergregionen des Jura und der Vogesen. Neben den großen Temperaturunterschieden zeichnet sich dieses „kalte“ Klima im Gegensatz zu anderen Regionen durch hohe sommerliche Niederschläge aus.
Für die Gestaltung eines Gartens in einem kontinental geprägten Klima sind vor allem Winterhärte und intensive Sommersonne entscheidend. Die Winterhärte einer Art wird anhand von Winterhärtezonen bestimmt. Diese beruhen auf den im Winter gemessenen Tiefsttemperaturen, die Sie manchmal anstelle genauer Temperaturangaben finden. Frankreich umfasst neun Zonen; das Gebirgsklima betrifft die Zonen 5, 6 und 7. Dazu zählen alle Gebirgsregionen des Landes, in denen die winterlichen Tiefsttemperaturen zwischen -15 °C und -26 °C liegen.

Oben: Ansichten des botanischen Gartens der Alpen in Genf (Fotos: G. Vellut), unten: der botanische Garten am Col du Lautaret (Foto: G. Baviere)
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Gärten mit kalten Wintern und relativ warmen Sommern erleben tatsächlich viel längere Winter, kürzere Sommer und Herbste, kältere Winde und starke Frostperioden. Sommergewitter sind oft heftiger als anderswo. Der Frühling beginnt im Bergklima später, außerdem muss man mit Schnee rechnen, der in dieser Höhenlage regelmäßig fällt.
Die kürzeren Frühlinge beeinflussen direkt die Pflanzenauswahl: Entscheidend sind Pflanzen mit spätem Austrieb, um Knospenfrost zu vermeiden, der insbesondere die gesamte Obsternte gefährden kann.
Kältere Winde sind bei der Winterhärte der Pflanzen zu berücksichtigen; manche Pflanzen mit zu schwacher Verzweigung sollten vermieden werden.
Schnee ist dagegen keine echte Belastung, wenn Sie die Pflanzen geschickt auswählen: Er wirkt sogar isolierend gegen Frost und hält die Temperatur bei 0 °C oder +1 °C. Sie sollten jedoch Sträucher und Bäume wählen, die dem Gewicht des Schnees standhalten, um Bruch zu vermeiden. Nadelgehölze sind daher ideal, da sie sich unter der Schneelast lediglich biegen.
Gärtnern im kalten Klima: wichtige Tipps
In Gärten, die monatelang unter Schnee liegen, starken Winden und wiederholten Minusgraden ausgesetzt sind, müssen Ihre Pflanzen winterhart sein – auch im Flachland. Einen ganzen Garten kann man schließlich nicht mit einer Abdeckung schützen!
Fürs Gärtnern im montanen Klima mit nur sechs Monaten Gartenzeit sind einige Vorsichtsmaßnahmen unerlässlich:
- Pflanzzeit: Pflanzen Sie im Frühjahr statt im Herbst, damit sich die Pflanzen gut etablieren.
- Der Boden muss gut drainiert sein, damit die Wurzeln nicht monatelang in Staunässe leiden.
- Rückschnitt: Wegen Spätfrösten schneiden Sie Rosen und sommerblühende Sträucher in höheren Lagen deutlich später als anderswo, meist im Mai.
- Setzen Sie auch auf Einjährige mit kurzer Vegetationszeit – ideal für raues Klima!
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8 Sträucher: sehr winterhart und frostfestGartenstil für raues Klima
Die Wahl eines Gartenstils für die Berge ist einfach: Robuste, kälteverträgliche Pflanzen, die dem Klima standhalten, geben ihn vor. Meist entsteht ganz natürlich ein alpiner Garten. Dieser Gartenstil bewegt sich zwischen Natur-, Stein- und sogar Bauerngarten und umfasst meist höhenbedingte Unterschiede im Gelände, die verschiedene Bereiche miteinander verbinden. In offenen Gärten sollten Sie die umgebende Landschaft möglichst gut einbeziehen!
In niedrigeren Lagen gibt es weniger Höhenunterschiede, sodass Sie eine noch größere Pflanzenvielfalt integrieren und Ihre eigene Gartenstimmung schaffen können. Natürlich können Sie auch andere Gartenstile ausprobieren, doch in Landschaften mit Relief ist nichts schöner als indigene Blüten, die mit der Landschaft verschmelzen, Kiefernwald-Atmosphäre, Steingärten und Gärten mit Englischer Heide.
Bei der Gestaltung ist lokaler Naturstein, meist unbearbeitet und in großen Blöcken für Steinaufschüttungen, ein prägendes Element – etwa für einen Trockenen Bachlauf. Auch Holz für Zäune und Dekorationen spielt eine wichtige Rolle. Wasser in Form eines kleinen Bachs ist ein weiteres Thema, das Sie vielseitig nutzen können. Legen Sie geschwungene Wege an, die dem oft unebenen Gelände folgen.

Ein Garten in Annecy mit Palmen dank der niedrigen Höhenlage. Rechts mischt sich Wolfsmilch mit Nadelgehölzen im Vogesenwald des Jardin Albert Kahn (Foto: E. Westerveld). Unten eine Darstellung des Vogesenwaldes, ebenfalls im Jardin Albert Kahn (Foto: A. Poskanzer)
Welche Pflanzen für montanes Klima?
Ein erster wichtiger Rat: Orientieren Sie sich vor allem an natürlichen Landschaften und versuchen Sie, die wilde Schönheit dieser majestätischen, einzigartigen Natur in Ihrem Garten nachzubilden! Schauen Sie sich auch die Gärten Ihrer Nachbarn an: Sie zeigen Ihnen, welche Pflanzen in einem weniger ungünstigen Boden als gedacht gut gedeihen. Mit indigenen Pflanzen sowie Sträuchern und Stauden, die -20 °C, ja sogar -25 °C vertragen, ersparen Sie sich wiederholte Misserfolge und aufwendigen Winterschutz:
- Bäume: Schaffen Sie Waldszenen: Bevorzugen Sie heimische Arten und setzen Sie mehrheitlich auf Nadelgehölze. Für Kontrast und Farbe sorgen unterschiedliche Grüntöne (Abies, Fichten mit dunkelgrünem Laub und im April leuchtend hellen Jungtrieben, bläuliche Picea glauca …). Wählen Sie auch Bäume mit attraktiver Herbstfärbung, etwa die Europäische Lärche, ein im Herbst besonders schöner sommergrüner Nadelbaum, von dem es auch klein bleibende Sorten gibt. Einige Laubbäume sorgen nach dem Sommer für goldene Farbtöne (Hainbuchen, Rotbuchen, Birken, Haseln). Die Quitte ist ein sehr schöner, spät blühender Zierbaum. Da der Herbst kurz ist, bevorzugen Sie sommergrüne Bäume mit auffälliger Rinde (Birken, Prunus, Acer griseum, Parrotia persica …), an denen Sie viele Monate Freude haben. In großen Gärten ergänzen Sie Eichen und Weiden sowie überall immergrüne Gehölze wie die Stechpalme (Ilex).
→ Lesen Sie auch Bäume für Bergregionen: 6 geeignete Arten!

Weißrindige Himalaya-Birke, Picea glauca ‚Rainbow’s End‘, Herbstlaub der Lärche, panaschierte Stechpalme
- Sträucher: Die Auswahl an sehr winterharten Sträuchern ist viel größer als gedacht. Viele stammen aus Asien oder dem Himalaya, darunter Sträucher für saure Erde wie Rhododendren und Azaleen, Magnolien und Hamamelis … Zählen Sie auch auf die unübertroffene Robustheit sommergrüner Ziersträucher aus Amerika: Felsenbirnen, Physocarpus, Kalmia und Calycanthus. Syringa (Flieder), Strauch-Pfingstrosen, Schneeball, Sambucus und Hydrangea bilden ab dem Frühjahr herrliche Blütensträucher. Zwerg- und kriechende Nadelgehölze eignen sich perfekt für Steingärten, und die immergrüne Stechpalme ist eine Bereicherung für jeden Garten. Einige winterblühende Sträucher wie Chimonanthus praecox oder Zierquitten werden an eine sonnige Mauer gepflanzt, damit die Knospen keinen Schaden nehmen. Unter den Kletterpflanzen sind Wilder Wein und Geißblatt einfach großartig, und Clematis alpina ist äußerst robust!
Setzen Sie außerdem einige Sträucher aus Bergregionen wie Daphne cneorum und Salix hastata. Verwenden Sie schließlich reichlich Wildrosen, immergrüne Pfaffenhütchen und zahlreiche Heiden (Erica oder Calluna).
→ Sehen Sie sich unsere Auswahl an sehr winterharten, frostunempfindlichen Sträuchern an sowie Alexandras Empfehlungen zu 6 immergrünen Sträuchern für einen Berggarten und Welche Sträucher für eine Hecke in Bergregionen?
- Stauden
Zahlreiche Alpenstauden wachsen natürlicherweise in großer Höhe und erfreuen uns auf Wanderungen. In einem Berggarten fühlen sie sich sehr wohl. Ihr wildes Aussehen bringt eine natürliche Note ein und lässt den Garten gewachsen wirken. Zu den schönsten Pflanzen der alpinen Flora mit leuchtenden gelben, orangefarbenen, intensiv blauen und rosafarbenen Blüten zählen: Epilobium angustifolium (Schmalblättriges Weidenröschen), die Alpen-Aster, das berühmte Alpen-Edelweiß und Enziane, Eryngium (Mannstreu), Alpen-Hahnenfuß, Anemone alpina, Veronica alpina, Primula vialii delavayi …
→ Mehr erfahren Sie in unseren Ratgebern 9 Stauden für einen alpinen Steingarten und Alpenstauden

Epilobium angustifolium, Alpen-Edelweiß, Primula vialii (Foto: V. Douce), Aster alpinus, Enziane
- In jedem Garten eignen sich Stauden mit natürlicher Wuchsform, etwa Blaue Rasselblumen, Duftnesseln, Calamintha, Fingerhut, Blutweiderich, Aruncus, Physostegia, Platycodon und Japan-Herbst-Anemonen für das Saisonende. Einige einjährige Pflanzen sind ebenfalls für sommerliche Beete nützlich, etwa der prächtige Isländische Mohn. Winterharte Zwiebelpflanzen bringen im Frühjahr Frische und Zartheit: Lloydia serotina, Scilla bifolia, Narcissus poeticus, Armeria alpina (1600 bis 2500 m) usw. (siehe auch Bergblumen: 7 Zwiebelpflanzen für den Garten)
- Im Unterholz: Farne, Schlangenwurz, Steinbrech, Fingerhut, Meconopsis grandis (prächtiger Scheinmohn), Bergenien …
- Im sonnigen Steingarten: Zwergkoniferen durchbrechen die Gleichförmigkeit niedriger Alpenstauden (Juniperus horizontalis, Picea ‚Nidiformis‘, Pinus mugo ‚Mughus‘) ebenso wie Heiden. Graue, behaarte oder dicke, wachsartige Blätter sind zugleich sonnen- und kälteverträglich: zahlreiche Sedum und Sempervivum (Hauswurz), Dianthus alpinus, Anemone alpina (Küchenschelle), Artemisia und Fingersträucher mit niedriger oder ausgebreiteter Wuchsform. Lesen Sie auch: 7 goldene Koniferen für den Steingarten

Pinus mugo ‚Mughus‘ (Foto: M. Bolin), Dianthus alpinus, Sedum spurium, Heide, Potentilla ‚Lemon Meringue‘
- Im schattigen Steingarten: Steinbrech, Hepatica nobilis, Adiantum pedatum, Epimedium … Vermeiden Sie großblättrige Pflanzen, deren Blätter bei heftigen Sommergewittern Schaden nehmen können.
- Gräser: Sie sind unverzichtbar. Wählen Sie hohe, immergrüne Arten, die Struktur verleihen. Mit Schnee bedeckt, verschönern sie den Garten. Bevorzugen Sie Sorten mit besonders stabilen Halmen: Miscanthus, Calamagrostis x acutiflora.
- Und exotische Pflanzen? Es mag unpassend erscheinen, in einem kalten Klima exotische Pflanzen zu setzen, verbindet man sie doch mit warmen Regionen. In den trockenen Gebieten der Erde sind sie jedoch starken Nachtfrösten ausgesetzt. Unter 500 m Höhe, an einem sonnigen Standort, in drainierendem Boden, am oberen Teil eines Hangs und zwischen schützenden Felsen passen sich einige Kakteen bei Ihnen gut an Schnee an, etwa Opuntia (bis -25 °C). Yucca, Echinocereus und Agave neomexicana widerstehen in trockenem Boden Temperaturen von -15 °C bis -20 °C.

Eine Opuntie im botanischen Alpengarten Genf (Foto: G. Vellut)
Im Gemüse- und Obstgarten
In kaltem Klima müssen Sie von November bis Mai mit Frost rechnen. Ihnen bleibt weniger Zeit zum Säen, Pikieren und Pflanzen: Nutzen Sie Folientunnel, Frühbeete oder Gewächshäuser, um ein paar Grad … und Wochen zu gewinnen!
Wählen Sie im Obstgarten frostharte Sorten, vor allem solche mit später Blüte und schnellem Fruchtansatz: Kultur-Apfel (‚Astrakan‘, ‚Belle de Boskoop‘, ‚Golden Delicious‘), Birnbaum (‚Beurré Hardy‘, ‚Guyot‘), Pflaumenbaum (‚Thames Cross‘), Hasel (‚Merveille de Bollwiller‘). Auch die spät im Mai blühende Quitte ist empfehlenswert (Cydonia oblonga ‚Aromatnaya‘). Bei den Beerensträuchern sind Johannisbeere und Himbeere sehr winterhart; auch Heidelbeeren als Bergpflanzen sind bestens geeignet.
Viele Kräuter sind ebenfalls vollkommen winterhart – nutzen Sie das: Thymus serpyllum, Salvia officinalis, Borago officinalis, Schnittlauch, Minze …
Bedenken Sie außerdem: Im Gemüse- und Obstgarten ist die lange Sonnenscheindauer im Sommer ein großer Vorteil für Ihre Ernte. Die winterliche Kälte bewahrt Sie zudem vor Krankheiten und Parasiten – der Plage jedes Gärtners.
→Lesetipp: Gemüsegarten in Ostfrankreich: Welches Gemüse anbauen?, Wie legt man einen Gemüsegarten im Gebirge an?, 11 besonders winterharte Obstgehölze und 5 Blattgemüse für den Gemüsegarten im Gebirge

Rosmarin und Ziergräser, Botanischer Garten Genf (Foto: G. Vellut)
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Lesen Sie auch unsere Tipps zum Anlegen eines Beets in einem windigen Garten.
Frankreich besitzt wunderschöne Alpengärten. Hier einige Ideen für erfrischende Ausflüge im Sommer, überall im Land: Höhengarten Haut Chitelet (Elsass, auf über 1200 m Höhe), Botanischer Alpengarten Tourmalet (Hautes-Pyrénées), Botanischer Alpengarten Lautaret (Hautes-Alpes, auf 2100 m Höhe) … und für Pariser mit Sehnsucht nach den Vogesenwäldern der Albert-Kahn-Garten sowie der Alpengarten im Jardin des Plantes.
Bücher, die Sie für Ihre Gartengestaltung griffbereit haben sollten:
- Alpenblumen, 400 Arten. Xaver FINKELZELLER. 2012. Verlag Ulmer
- Berchigranges. Joëlle und Gilles LE SCANFF-MAYER. 2008. Verlag Ulmer
- Berggärten und Gemüsegärten. Igerbault Snezana. 2012. Verlag Rouergue
Begleiten Sie Alexandra auf einem Ausflug in den Garten Haut Chitelet, in den Botanischen Garten von Grenoble und in den Botanischen Alpengarten Lautaret!
Dodecatheon redolens im Botanischen Garten Lautaret
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