Botanische Regeln und Nomenklatur

Botanische Regeln und Nomenklatur

Den Überblick behalten?

Inhaltsverzeichnis

Geändert der 11. Januar 2026  durch Olivier 8 min.

Botanik: faszinierende Vielfalt. Für Einsteiger sind Regeln und Namen rätselhaft. Was sind Kultivar, Nativar, Unterart? Ratgeber zur botanischen Nomenklatur.

Schwierigkeit

Woher stammt die standardisierte botanische Nomenklatur?

Die botanische Nomenklatur hat eine lange Geschichte, doch die meisten modernen Regeln und Konventionen gehen auf die Veröffentlichung von Carl Linnés (Carl von Linné) „Species Plantarum“ im Jahr 1753 zurück. Linné war ein schwedischer Naturforscher. Dieses Werk führte das binominale Nomenklatursystem ein, das heute weltweit in der Biologie verwendet wird.

Das binominale System gibt jeder Art einen eindeutigen wissenschaftlichen Namen, der aus zwei Teilen besteht: dem Namen der Gattung, den sie mit anderen verwandten Arten teilt, und dem Artnamen oder spezifischen Epitheton, das für jede Art einzigartig ist. Bei der menschlichen Art, Homo sapiens, ist beispielsweise „Homo“ die Gattung und „sapiens“ das spezifische Epitheton. Die Namen beruhen meist auf dem Lateinischen oder Griechischen, können aber auch aus anderen Sprachen abgeleitet sein.

Die botanische Nomenklatur wird durch den Internationalen Code der Nomenklatur für Algen, Pilze und Pflanzen (ICN) geregelt. Für andere Organismengruppen gibt es ebenfalls ähnliche Regelwerke, etwa den Internationalen Code der zoologischen Nomenklatur (ICZN) für Tiere.

Die Codes werden im Laufe der Zeit weiterentwickelt, um neue Entdeckungen und wissenschaftliche Fortschritte zu berücksichtigen. Mit dem Aufkommen der Molekularbiologie gewannen beispielsweise Klassifikationen auf Grundlage genetischer Verwandtschaftsverhältnisse zunehmend an Bedeutung, was mitunter zu Änderungen in der Nomenklatur führte.

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Carl Linnaeus (1707–1778), der Erfinder des binominalen Systems

Offizielle Nomenklatur: Warum so wichtig?

Diese Nomenklatur ist in der Botanik (aber auch in der übrigen Biologie) aus mehreren Gründen unverzichtbar:

  • Kommunikation: Wenn Wissenschaftler auf der ganzen Welt dieselbe Bezeichnung für eine bestimmte Pflanze verwenden, erleichtert dies die Kommunikation und den Austausch von Informationen. Dies ist besonders in der wissenschaftlichen Forschung wichtig, da Ergebnisse reproduzierbar und für ein internationales Publikum zugänglich sein müssen.
  • Präzision: Das binominale Nomenklatursystem ermöglicht eine eindeutige und präzise Bestimmung jeder Art. So wird Verwechslung vermieden, die durch die Verwendung von Trivialnamen entstehen kann, da diese je nach Region variieren und für mehrere verschiedene Arten verwendet werden können. In Bereichen wie Landwirtschaft, Gartenbau, Forstwirtschaft und Pharmakologie ist die genaue Bestimmung der Arten unverzichtbar. So kann die Kenntnis der richtigen Pflanzenart für die Lebensmittelproduktion, Medizin und Materialherstellung sowie für viele andere Bereiche der menschlichen Gesellschaft entscheidend sein.
  • Klassifizierung: Die botanische Nomenklatur spiegelt oft die evolutionären Verwandtschaftsverhältnisse zwischen Pflanzen wider. Pflanzen derselben Gattung sind enger miteinander verwandt als mit Pflanzen anderer Gattungen. Diese Ordnung hilft Wissenschaftlern, die Evolutionsgeschichte der Pflanzen zu verstehen und anhand ihrer Klassifizierung Eigenschaften noch nicht untersuchter Pflanzen vorherzusagen.
  • Erhaltung: Die botanische Nomenklatur trägt auch zum Artenschutz bei. Ein weltweit anerkanntes System zur Bestimmung von Pflanzen ermöglicht eine bessere grenzüberschreitende Koordination von Maßnahmen zum Schutz gefährdeter Arten.

Nota bene: In der Botanik gibt es bislang keine standardisierten deutschen Pflanzennamen, anders als beispielsweise in der Ornithologie. Französische Pflanzennamen können daher volkstümlich oder gemeinsprachlich sein (in einer bestimmten Sprache, auf nationaler oder lokaler Ebene oder sogar in einem Dialekt gebräuchliche Namen) oder allgemeinsprachlich (eine Übertragung des lateinischen oder eines volkstümlichen Namens). Obwohl diese Namen oft zu Verwechslungen führen, sind sie weiterhin weit verbreitet und für das ethnolinguistische Erbe von großer Bedeutung. Schließlich sprechen auch wir von einer Gänseblümchenblüte („die zu Ostern blüht“) und nicht vom Blütenstand eines Gänseblümchens.

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Eine lateinische Bezeichnung, die weltweit verstanden wird

Pflanzen benennen: So geht’s

Die Benennung von Pflanzen folgt dem System der binären Nomenklatur, das im 18. Jahrhundert von Carl Linnaeus standardisiert wurde. Jede Pflanze hat einen eindeutigen wissenschaftlichen Namen aus zwei Teilen:

  1. Der Gattungsname: Dies ist der erste Teil des Namens und wird immer großgeschrieben. Im Fall von „Rosa chinensis“ ist „Rosa“ beispielsweise der Gattungsname, den alle Rosen gemeinsam haben.
  2. Das spezifische Epitheton: Dies ist der zweite Teil des Namens und wird immer kleingeschrieben. Im Beispiel „Rosa chinensis“ ist „chinensis“ das spezifische Epitheton. Es weist darauf hin, dass diese Rosen-Art aus China stammt.

Zusammen bilden diese beiden Begriffe den wissenschaftlichen Namen der Art, der zur Unterscheidung vom umgebenden Text meist kursiv geschrieben wird. Manchmal wird ein dritter Name ergänzt, um eine Unterart, Varietät oder Form zu bezeichnen.

Wichtig ist, dass diese Namen häufig auf dem Lateinischen oder Griechischen beruhen. Sie können sich aber auch auf Personen, Orte, Pflanzeneigenschaften oder nahezu alles beziehen, was der Entdecker der Pflanze würdigen möchte.

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Die Autorenangabe

In der botanischen Nomenklatur wird der Name des Botanikers oder einer Gruppe von Botanikern, der beziehungsweise die eine Pflanze erstmals beschrieben hat, häufig abgekürzt (seltener auch vollständig) an den wissenschaftlichen Pflanzennamen angefügt. Dies wird als Autorenangabe bezeichnet. Im Namen „Stiel-Eiche L.“ ist „L.“ beispielsweise die Abkürzung für „Linnaeus“, den Botaniker, der diese Art erstmals beschrieben hat.

Wichtig ist, dass die Autorenangabe nach dem Internationalen Code der Nomenklatur für Algen, Pilze und Pflanzen (ICN) kein offizieller Bestandteil des wissenschaftlichen Pflanzennamens ist. Sie wird jedoch häufig ergänzt, um zusätzliche Informationen zu liefern. Wird der Name einer Art geändert, etwa weil sie einer neuen Gattung zugeordnet wird, kann auch die Autorenangabe angepasst werden, um die Person zu nennen, die diese Änderung vorgenommen hat.

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Sorte, Unterart, Kultivar: Was ist was?

Unterart

Eine Unterart ist ein taxonomischer Rang in der Botanik, der zwischen Art und Varietät steht. Als übergeordnete Einheit gegenüber der Varietät bezeichnet eine Unterart Pflanzengruppen innerhalb einer Art, die sich durch bestimmte Merkmale und ein eigenes geografisches Verbreitungsgebiet unterscheiden, sich aber untereinander kreuzen können.

Diese Untergruppen sind meist an bestimmte Umweltbedingungen angepasst oder geografisch von anderen Gruppen innerhalb der Art isoliert. Dadurch haben sich deutliche Unterschiede in ihrer Morphologie oder ihrem Verhalten entwickelt.

Der Name der Unterart wird immer kleingeschrieben und durch „subsp.“ (kurz auch „ssp.“) eingeleitet, das zwischen dem Artnamen und dem Namen der Unterart steht. Zum Beispiel ist bei „Helichrysum italicum subsp. microphyllum“ (Italienische Strohblume oder Italienische Strohblume) Helichrysum italicum der Artname und microphyllum der Name der Unterart.

Die Grenzen zwischen Varietät, Unterart und Art sind oft fließend und unter Botanikern und Biologen umstritten. Klassifikationen können sich mit der Zeit und dem wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt ändern.

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Varietät

In der Botanik ist eine „Varietät“ ein taxonomischer Rang unterhalb der Art. Sie bezeichnet Pflanzenpopulationen innerhalb einer Art, die sich in geringfügigen, aber konstanten Merkmalen vom typischen Erscheinungsbild der Art unterscheiden. Diese Unterschiede können Farbe, Form, Größe oder andere morphologische Merkmale betreffen. Solche Populationen kommen meist natürlich vor und können sich mit anderen Varietäten derselben Art kreuzen.

Der Name der Varietät wird immer kleingeschrieben und durch „var.“ eingeleitet, das zwischen dem Artnamen und dem Namen der Varietät steht. Nimmt man zum Beispiel Weißkohl, handelt es sich um eine Varietät von Brassica oleracea (Kohl) und die Bezeichnung lautet: Brassica oleracea var. capitata.

Wichtig: Der Begriff „Varietät“ hat in der Botanik eine spezielle technische Bedeutung. Er darf nicht mit der üblichen Verwendung des Begriffs im Gartenbau oder in der Landwirtschaft verwechselt werden, wo er oft gleichbedeutend mit „Kultivar“ für Varianten einer Pflanze verwendet wird, die zur Erhaltung bestimmter Merkmale klonal vermehrt werden.

Kultivar

Ein „Kultivar“ bezeichnet in Botanik und Gartenbau eine Pflanze, die aufgrund erwünschter Merkmale ausgewählt wurde, die bei der Vermehrung erhalten bleiben. Der Begriff „Kultivar“ ist eine Kurzform von „cultivated variety“ (Kulturvarietät).

Ein Kultivar kann aus vielen Gründen ausgewählt werden, etwa wegen einer bestimmten Größe, Blütenfarbe, Krankheitsresistenz, Toleranz gegenüber bestimmten Umweltbedingungen oder eines hohen Ertrags. Sobald eine Pflanze als Kultivar ausgewählt wurde, wird sie meist klonal (durch Stecklingsvermehrung, Pfropfung, Teilung usw.) statt über Samen vermehrt, damit die Nachkommen die erwünschten Merkmale der Mutterpflanze behalten.

In der Nomenklatur wird der Name eines Kultivars meist kleingeschrieben, in einfache Anführungszeichen gesetzt und nach dem wissenschaftlichen Artnamen angegeben. Zum Beispiel ist Acer palmatum ‚Atropurpureum‘ ein Kultivar des Fächer-Ahorns mit roten Blättern.

Wichtig ist, dass Kultivare meist durch menschliche Arbeit im Gartenbau und in der Landwirtschaft entstanden sind, während taxonomische Ränge wie Art, Unterart und Varietät in der Regel für Pflanzengruppen verwendet werden, die sich in der Natur auf natürliche Weise differenziert haben.

Schon gewusst?: „Nativar“ ist ein relativ neuer Begriff im Gartenbau. Er bezeichnet einen Kultivar, der von einer indigenen oder heimischen Pflanze abstammt. Diese Pflanzen werden oft wegen erwünschter Eigenschaften wie einer schönen Blüte, buntem Laub oder einer hohen Krankheitsresistenz ausgewählt und vermehrt. Zugleich behalten sie viele Merkmale ihrer heimischen Wildformen bei, zum Beispiel die Quercus robur ‚Fastigiata‘. In der Nomenklatur werden Nativare meist wie andere Kultivare bezeichnet: Der Kultivarname steht kleingeschrieben in einfachen Anführungszeichen nach dem wissenschaftlichen Artnamen. Beachten Sie jedoch, dass der Begriff „Nativar“ weniger standardisiert und anerkannt ist als Begriffe wie „Art“ oder „Kultivar“ und daher nicht von allen Botanikern oder Gärtnern gleich verwendet oder anerkannt wird.

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Der Sonderfall der Hybriden

In der Botanik ist ein Hybrid das Ergebnis der Kreuzung zweier Pflanzen verschiedener Arten oder Gattungen. Die Benennung von Hybriden folgt je nach Hybridtyp bestimmten Regeln und Konventionen.

  1. Artkreuzungen: Diese Hybriden entstehen durch die Kreuzung zweier verschiedener Arten derselben Gattung. Der Name des Hybriden wird meist aus dem Gattungsnamen und einem hybriden Artepitheton gebildet, häufig „x hybrida“. Zum Beispiel ist Petunia × hybrida ein Hybrid verschiedener Petunia-Arten. Manchmal werden die Namen der beiden Elternarten zu einem Artepitheton verbunden.
  2. Gattungskreuzungen: Diese Hybriden entstehen durch die Kreuzung zweier Pflanzen verschiedener Gattungen. Der Name des Hybriden ist eine Mischung aus den Namen der beiden Elterngattungen. Zum Beispiel ist Fatshedera (x) lizei eine Kreuzung aus Fatsia und Hedera (Efeu).
  3. Gartenbauliche Hybriden: Diese Hybriden werden häufig im Gartenbau erzeugt. Sie können wie andere Kultivare benannt werden, mit einem Kultivarnamen nach dem wissenschaftlichen Namen der Art oder des Hybriden, meist in einfachen Anführungszeichen. Zum Beispiel ist Rosa × hybrida ‚Peace‘ (Synonym von ‚Madame A. Meilland‘ und ‚Gloria Dei‘), eine Edelrose, ein bestimmter Kultivar eines Rosenhybriden.

Da versteht man nur Bahnhof ...

Die Endung des spezifischen Epithetons (des zweiten Bestandteils des Binominalnamens) wird in der Botanik meist durch das grammatische Geschlecht des Gattungsnamens (des ersten Bestandteils) gemäß den Regeln der lateinischen Grammatik bestimmt.

Im Lateinischen gibt es drei grammatische Geschlechter: Maskulinum, Femininum und Neutrum. Für jedes gelten unterschiedliche Adjektivendungen, die häufig bei spezifischen Epitheta verwendet werden. So kann ein femininer Gattungsname wie „Rosa“ (Rose) das spezifische Epitheton „gallica“ (aus Frankreich) tragen: Rosa gallica (Essig-Rose). Dasselbe gilt für Geum coccinum, Leymus arenarius oder Cercis canadensis.

Aber …

Allerdings ist es wichtig zu beachten, dass nicht alle Artnamen dieser Regel strikt folgen (zum Beispiel Stachys byzantina oder Cornus sanguinea). Viele spezifische Epitheta sind Eigennamen, Ortsnamen oder aus dem Griechischen abgeleitete Wörter und entsprechen möglicherweise nicht den Regeln der lateinischen Deklination. Bei „Quercus robur“ (Stiel-Eiche) beispielsweise verändert sich „robur“ unabhängig vom Geschlecht von „Quercus“ nicht.

Außerdem sind manche spezifischen Epitheta nicht oder nur unvollständig latinisiert – entweder aus historischer Tradition oder weil sie erst eingeführt wurden, nachdem die lateinische Nomenklatur standardisiert worden war.

Gewiss, aber weiter …

In der Botanik deutet eine Endung auf „ii“ oder „iae“ in einem Artnamen meist darauf hin, dass die Art nach einer Person benannt wurde. Diese Namenskonvention dient häufig dazu, den Entdecker der Art, einen bekannten Botaniker oder manchmal eine andere bedeutende Person zu ehren.

Endet ein Artname auf „ii“ oder „i“, bedeutet dies meist, dass die Art zu Ehren eines Mannes benannt wurde. So wurde die Art „Abies magnifica var. shastensis“ zu Ehren von D. E. Shasta in die einfachere Bezeichnung „Abies shastensis“ umbenannt.

Endet ein Artname auf „iae“, bedeutet dies meist, dass die Art zu Ehren einer Frau oder einer Familie benannt wurde. Beispielsweise ist „Rosa banksiae“ eine Rosenart, die nach Lady Banks, der Ehefrau des Botanikers Sir Joseph Banks, benannt wurde.

All diese Artnamen gelten als „unveränderlich“ und behalten ihre ursprüngliche Form, unabhängig von der Endung des Gattungsnamens.

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Rosa banksiae und Viburnum plicatum Mariesii

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