Welch ein herrlicher Anblick ist eine Jungfernrebe, die sich im Herbst in leuchtendem Rot und Purpur färbt! Sie eignet sich ideal, um eine Fassade oder eine unansehnliche Mauer zu begrünen oder unter einer Pergola oder einem Gartenpavillon Schatten zu spenden. Die Jungfernrebe wächst jedoch sehr schnell und kann dadurch rasch überhandnehmen. Oft wird sie mit schönen großbürgerlichen Landhäusern in Verbindung gebracht. Die Jungfernrebe klettert, rankt und haftet dank ihrer Haftscheiben senkrecht. Diese Kletterpflanzen aus zwei verschiedenen Gattungen, Parthenocissus und Ampelopsis, verbergen und bedecken einen alten Baumstamm, einen schmucklosen Maschendrahtzaun oder ein unansehnliches Element wie einen Tank oder eine Zisterne. Sie bieten außerdem zahlreichen Tieren einen Lebensraum und schaffen damit ein echtes Ökosystem: Eidechsen, Insekten und Vögel finden hier Unterschlupf und Nahrung. Die Jungfernrebe kann zudem eine spürbare Wärmeschutzbarriere gegen Hitze bilden!
Allerdings kann sie sich sehr stark ausbreiten. Ein Rückschnitt ist daher unerlässlich. Manchmal sind sogar mehrere Rückschnitte nötig. Ich erkläre Ihnen, wann, wie und warum Sie eine Jungfernrebe schneiden sollten.
Warum sollte man die Jungfernrebe schneiden?
Grundsätzlich benötigt die Jungfernrebe keinen Rückschnitt, um sich zu entwickeln! Einige Sorten können innerhalb weniger Jahre 10 bis 15 Meter, bei besonders starkwüchsigen Sorten sogar 20 Meter erreichen. Das bedeutet, dass sie sehr schnell alle Flächen erobert, die ihre Haftscheiben erreichen. Die rankenden Triebe der Jungfernrebe können sich im Allgemeinen pro Saison um 2 bis 3 Meter verlängern. Dafür benötigen sie kaum Unterstützung, da ihre haftenden oder nicht haftenden Ranken ausreichen, um sich festzuhalten.
Dieses rasante Wachstum hat jedoch auch eine Kehrseite! Die Jungfernrebe kann überhandnehmen. Sie verstopft die Dachrinnen und Fallrohre von Häusern, sodass Regenwasser nicht mehr richtig abfließen kann. Außerdem können sich die windenden Triebe unter Dachziegel schieben und diese anheben, wodurch Lecks entstehen. Schließlich haften die Haftscheiben an Fensterläden und Jalousien, während die Triebe Fenster ohne Rückschnitt schnell zuwuchern können.
Mehrere Haftsysteme
Die beiden Arten der Jungfernrebe unterscheiden sich durch ihre Haftsysteme:
- Die verschiedenen Sorten von Parthenocissus quinquefolia und die meisten Ampelopsis bilden Ranken. Sie benötigen deshalb ein Rankgitter oder zumindest eine raue Oberfläche. An einer glatten Mauer haften sie nicht.
- Die Dreilappige Jungfernrebe (Parthenocissus tricuspidata) und die Chinesische Jungfernrebe (Parthenocissus henryana) bilden Haftscheiben. Damit können sie ohne Hilfe senkrechte Flächen erklimmen.
- Die Zier-Wein (Vitis coignetiae) besitzt große Blätter und einfache Ranken. Zum Klettern benötigt er eine Rankhilfe.

Parthenocissus tricuspidata
Wann sollte man die Jungfernrebe schneiden?
Um das Wachstum der Jungfernrebe zu begrenzen, sind zwei bis drei Rückschnitte pro Jahr erforderlich:
- Am Ende des Winters, Ende Februar oder Anfang März, da die Vegetation noch nicht wieder eingesetzt hat und die Triebe besser sichtbar sind. Dadurch wird der Rückschnitt einfacher und Sie begrenzen zugleich das Wachstum dieser schönen Kletterpflanze.
- Im Sommer, zwischen Mai und Juli, um die Verzweigung zu pflegen.
- Gegebenenfalls ein letzter Rückschnitt im September, damit Sie im Winter Ruhe haben.
Wie schneidet man die Jungfernrebe?
Benötigte Werkzeuge
- Eine Gartenschere
- Eine Gartenschere mit langen Schneiden
- Ein Paar weicher Handschuhe
- Eine Leiter
- Ein Sack oder eine Tonne für den Grünschnitt
Die Schneidwerkzeuge müssen perfekt scharf sowie vor allem mit 90-prozentigem Alkohol gereinigt und desinfiziert werden, damit sich Krankheiten nicht von einer Pflanze auf die nächste übertragen.
Der Auslichtungs- und Formschnitt
Diesen Rückschnitt führen Sie am Ende des Winters während der Winterruhe der Jungfernrebe durch. Da die Triebe dann kahl sind, lässt sich die Pflanze leichter schneiden. Schneiden Sie jedoch nicht an einem Frost-, Regen- oder Schneetag.
- Beginnen Sie oben an der Fassade. Kürzen Sie mit der Gartenschere die Triebe unter dem Dach und den Dachrinnen sowie rund um Fenster und Türen auf eine Länge von 20 bis 30 cm. Schneiden Sie nur die Seitentriebe ab, damit die Haupttriebe erhalten bleiben. Nutzen Sie die Gelegenheit, um Triebe von der Wand wegzuziehen. Sie brauchen einige Wochen, bevor sie sich mithilfe neuer Haftscheiben wieder an der senkrechten Fläche befestigen.
- Anschließend schneiden Sie die Wedel der Jungfernrebe mit der Gartenschere mit langen Schneiden zurück. Lassen Sie dabei eine Dicke von 15 bis 20 cm stehen.

Der Pflegeschnitt
Diesen Rückschnitt führen Sie im Sommer von Mai bis Juli durch, wenn das Laub gut entwickelt ist. Dadurch können Sie das Laub auslichten, das Wachstum und die Wuchskraft begrenzen und die Ausbreitung kontrollieren. Außerdem können Sie dabei tote oder beschädigte Triebe entfernen.
Auch hier schneiden Sie das Laub mit der Gartenschere mit langen Schneiden kräftig zurück.
Diesen Pflegeschnitt können Sie im September wiederholen, um der Jungfernrebe wieder eine ansprechende Form zu geben. So haben Sie den ganzen Winter über Ruhe.
Führen Sie diese beiden Rückschnitte nicht an einem Tag mit großer Hitze durch.
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