Es ist leichter, als man denkt, Aussaaten von Gemüse oder Blumen zu vermasseln. Selbst die Besten unter uns lassen sich jedes Jahr aufs Neue überraschen. Befolgen Sie unsere Tipps, und schon bald können auch Sie damit prahlen, Ihre Aussaaten erfolgreich misslingen zu lassen!

Lektion Nr. 1: Wenn Ihre Aussaat misslingen soll, säen Sie irgendwann!

Die Aussaatprofis werden es Ihnen bestätigen: Wenn es für jede Gemüse- und Zierpflanze einen Aussaatkalender gibt, dann hat das seinen Grund! Tatsächlich hat jeder Samen einen passenden Aussaatzeitraum, der sich über mehrere Wochen erstreckt. Die Saatgut-Ayatollahs berücksichtigen die passende Temperatur und Luft- sowie Substratfeuchtigkeit und sogar eine optimale Sonnenscheindauer. Wenn Sie sich aber nicht mit all diesen verrückten Faktoren herumschlagen oder Ihre Zeit damit verschwenden möchten, jedes Saatguttütchen zu prüfen und sich den Termin im Kalender zu notieren, damit Sie den richtigen Zeitpunkt nicht verpassen, dann folgen Sie einfach Ihren Wünschen oder Ihrem Instinkt. Säen Sie Ihre Samen also zu jeder beliebigen Jahreszeit: bei glühender Hitze, wenn es friert oder völlig außerhalb der Saison. So können Sie sicher sein, dass Ihre Aussaat misslingt.

  • Starten Sie eine zu frühe Aussaat und stellen Sie sie außerdem in einen überheizten Raum! Dann können Sie beobachten, wie Ihre Keimlinge wegen des Lichtmangels unverhältnismäßig lange Triebe entwickeln. Als guter Samariter bleibt Ihnen anschließend nur noch eine Rettungsaktion. Erwarten Sie jedoch kein Wunder. Bei einer sehr frühen Aussaat stehen außerdem zahlreiche Anzuchttöpfe und Pflanzentöpfe im Haus, die Sie noch nicht ins Gemüsebeet setzen können, weil es dort noch zu kalt ist. Berücksichtigen Sie Ihre Klimazone nicht! Wenn Sie direkt ins Freiland säen, brauchen Sie viel Geduld, denn wahrscheinlich werden Sie niemals Triebe sprießen sehen.
  • Starten Sie eine zu späte Aussaat: Dadurch beeinträchtigen Sie den Ertrag oder die Blüte. Wenn Sie zum Beispiel Erbsen nicht mögen, säen Sie sie im Sommer. Dann wird nichts daraus, und Sie haben eine gute Ausrede, sie nicht zu essen. Oder säen Sie Tomaten im Juli. Dann können Sie sicher sein, dass Sie vor der Rückkehr der Kälte im Herbst keine ernten werden. Manche Salate werden schließlich früh im Frühjahr gesät, weil sie bei warmem Wetter sofort in Blüte und anschließend in Samen schießen.

Sie haben es verstanden: Wer den Aussaatkalender nicht berücksichtigt, sorgt fast garantiert für einen Misserfolg!

Aussaaten misslingen lassen, Aussaaten erfolgreich durchführen
Säen Sie Salat mitten im Sommer … lange werden die Pflanzen nicht schön aussehen

Lektion Nr. 2: Wenn Ihre Aussaat misslingen soll, säen Sie irgendwie!

Es gibt mehrere Methoden, die erfolgreiche Aussaatgärtner empfehlen werden: breitwürfig, in Reihen oder in Horsten. Dabei halten Sie je nach Samengröße die passende Saattiefe ein (diese ist auf den Saatguttütchen angegeben). Je nach Samenart eignet sich die eine oder andere Methode besser: Große Samen säen Sie in Horsten in Töpfe, feine Samen in weit auseinanderliegenden Reihen in eine Saatschale. Wenn Sie jedoch eine rebellische Ader haben, säen Sie einfach hier einen Samen und dort einen anderen. Oder leeren Sie Ihr Tütchen gleich nach dem Zufallsprinzip aus. Das reicht fürs Erste. Hier einige Tipps, damit Ihre Aussaat misslingt:

  • Bei anspruchsvollen Samen mit unsicherer Keimung säen Sie aus Sparsamkeit lediglich einen Samen pro Anzuchttopf statt zwei bis fünf Samen. „Weniger ist mehr“: Wenn der Samen nicht keimt, haben Sie eben Pech gehabt.
  • Bei feinen Samen streuen die besonders bösartigen Gärtner eine dicke Schicht Blumenerde darüber. Die Keimlinge werden dann niemals das Licht sehen und sterben, bevor sie die Oberfläche erreichen. Säen Sie zum Beispiel Möhrensamen in eine schöne, 30 cm tiefe Furche. Schließlich wachsen ihre Wurzeln in die Tiefe!
  • Wenn Sie von Natur aus ein Wettbewerbstyp sind, säen Sie besonders dicht! Dann können Sie mitverfolgen, wie Ihre Keimlinge um Licht und Nährstoffe kämpfen. Diese jungen Pflanzen werden schließlich entweder schnell an einem dünnen Trieb in die Höhe schießen oder vor sich hin kümmern. Ohne Ausdünnen sterben sie ab. Wegen der großen Zahl an Keimlingen wird das Ausdünnen allerdings kompliziert. Kennen Sie das Sprichwort: Dichte Aussaat, kleine Ernte?
  • Vergessen Sie das Einweichen bestimmter Samen wie Petersilie, Gartenwicke oder Cobaea über Nacht in Wasser mit Zimmertemperatur. Schließlich können sie nicht schwimmen!
Aussaaten misslingen lassen, Aussaaten erfolgreich durchführen
Sparen, sparen … nur ein Samen, und dann heißt es Daumen drücken

Lektion Nr. 3: Wenn Ihre Aussaat misslingen soll, ignorieren Sie die Temperatur!

In praktischen Gartenratgebern heißt es, dass je nach Saatgutart eine Mindesttemperatur nötig ist, damit die Keimung beginnt. Rettich und Salat keimen bei 5 bis 10 °C sehr gut, während Tomaten, Auberginen und Paprika eine ideale Keimtemperatur von 20 °C benötigen. Kurz gesagt: Wenn es zu kalt ist, geschieht nichts. Im besten Fall braucht der Samen länger zum Keimen. Häufig verfault er jedoch in der kalten, feuchten Erde. Ohne Bodenwärme also keine Keimung. Damit Ihre Aussaat besonders gründlich misslingt:

  • Säen Sie Ihr wärmeliebendes Gemüse im Februar in ein ungeheiztes Gewächshaus.
  • Aussaaten brauchen Wärme. Säen Sie also und stellen Sie Ihre Saatschale direkt auf die Heizung. Ein Hitzeschock ist garantiert!
  • Das Wetter ist schön und die Sonne scheint? Stellen Sie Ihre Aussaat ohne Akklimatisierung direkt in die pralle Sonne. So können Sie hübsche Sonnenbrände an Ihren Keimlingen bewundern.
  • Öffnen Sie die Frühbeetfenster auf keinen Fall! Lüften ist unnötig, Ihre Aussaat könnte sich erkälten.
  • Es ist Frühling … legen Sie los! Säen Sie ins Freiland, besonders wenn Sie einen schweren, lehmigen Boden haben, der sich im Frühjahr nur langsam erwärmt.
  • Bitte sehr, das gibt es gratis dazu: Pflanzen Sie Ihre Gemüsepflanzen vor den Eisheiligen aus. Dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Frost sie erledigt.
Aussaaten misslingen lassen, Aussaaten erfolgreich durchführen
Pflanzen Sie viel zu früh aus, wenn der Boden noch nicht warm genug ist

Lektion Nr. 4: Lassen Sie Ihre Aussaat verdursten oder ertränken Sie sie!

Hier liegt wahrscheinlich die größte Schwierigkeit bei der Aussaat, besonders im Haus: die Kontrolle der Feuchtigkeit. Keimlinge brauchen sehr genau dosierte Wassermengen: nicht zu viel, aber genug zum Überleben. Die Profis für das Gießen von Aussaaten lassen den Boden ihrer Saatschalen und Anzuchttöpfe in einer mit Wasser gefüllten Schale vollsaugen oder verwenden eine Sprühflasche. Im Garten gießen sie mit der Brause des Gießers als feinen Regen. Wenn Sie Ihre Aussaat ohne viel Aufhebens zum Absterben bringen möchten:

  • Vergessen Sie Ihre Aussaat in irgendeiner Ecke. Das Substrat trocknet sehr schnell aus, die Samen keimen nicht, und falls es einige wagen, mit einem Keimblatt aufzutauchen, werden sie anschließend den Rest bekommen.
  • Oder bieten Sie ihnen die stinkende Atmosphäre eines fauligen Sumpfes. Dann haben Sie bald eine Pilzkrankheitsmesse, zum Beispiel mit Umfallkrankheit.
Aussaaten misslingen lassen, Aussaaten erfolgreich durchführen
Ein kräftiger Schwall frischen Wassers, damit alles ordentlich überschwemmt wird

Lektion Nr. 5: Verwenden Sie das falsche Substrat!

Das passende Substrat für eine gute Keimung und ein kräftiges Wachstum der Keimlinge muss fein und sehr gut durchlässig sein. Es muss Gase und Wasser leicht hindurchlassen. Die Blumenerde „für Aussaat und Stecklinge“ ist natürlich die beste Lösung. Im Freiland legen besonders sorgfältige Gärtner für feines Saatgut wie Salat oder Möhren gern ein Saatbeet aus fein zerkrümelter Erde, Blumenerde oder gut gereiftem Kompost an. Damit Ihre Aussaat im Haus misslingt:

  • Nichts eignet sich besser als ein alter, trockener oder verschimmelter Sack Blumenerde.
  • Oder nehmen Sie schwere Gartenerde voller Steine, die schlecht drainiert und von Parasiten wimmelt.

So können Sie sicher sein, dass das Ergebnis nahe am völligen Nichts liegt.

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Ein Sieb? Wofür war das noch gleich gut?

Lektion Nr. 6: Wenn Ihre Aussaat misslingen soll, säen Sie im Dunkeln!

Erinnern Sie sich? Schon in der Schule lernen wir von klein auf, dass eine Pflanze Licht braucht, um Photosynthese zu betreiben. Wenn Sie nicht gut aufgepasst haben, machen Sie einfach den Versuch:

  • Säen Sie in einem dunklen Raum. Die Keimlinge werden dem Licht entgegenwachsen und immer länger werden – an dünnen Stängeln, die bald unter ihrem eigenen Gewicht umknicken. Die Aussaat schießt in die Höhe. Im Haus wird dieses Phänomen durch die Wärme verstärkt. Das Gleiche kann passieren, wenn die Samen zu dicht gesät wurden. 
  • Sie haben keinen Platz mehr, um Ihre jungen Aussaaten unterzubringen? Stellen Sie sie einfach in den Keller oder in den dunkelsten Raum Ihres Hauses. So stehen sie Ihnen nicht mehr im Weg, und Sie werden sie schnell vergessen. Die Dunkelheit verhindert außerdem, dass Sie ihnen beim Sterben zusehen müssen.

Als Bonus: Beschriften Sie nichts!

Denken Sie daran, nichts aufzuschreiben und nichts zu beschriften, damit Ihnen später keine Unannehmlichkeiten entstehen. Das ist zwar keine echte Methode, um Aussaaten misslingen zu lassen, aber eine fantastische Möglichkeit, alles durcheinanderzubringen. Nichts sieht einem jungen Tomatenpflänzchen ähnlicher als ein anderes junges Tomatenpflänzchen – nur eben von einer anderen Sorte.

  • Säen Sie überall drauflos und vergessen Sie die Etiketten. Danach werden Sie viel zu lachen haben.
  • Schreiben Sie mit einer Tinte, die beim kleinsten Tropfen Wasser verschwindet! Schließlich können Sie Ihre jungen Keimlinge sicher auseinanderhalten. So viel Aufwand ist doch nicht nötig.

Und falls Sie am Ende doch Lust bekommen, Ihre Aussaaten erfolgreich durchzuführen, lesen Sie unseren Artikel: Gärtnern für Anfänger: In 7 einfachen Schritten erfolgreich aussäen