Echte Mispel: Pflanzen, Pflege und Ernte
Inhaltsverzeichnis
Echte Mispel kurz erklärt
- Die Echte Mispel (Mespilus germanica) ist ein besonders winterharter Obstbaum, der im November und Dezember Mispeln trägt.
- Die zur Familie der Rosengewächse gehörende Echte Mispel darf nicht mit der Japanischen Wollmispel (Eriobotrya japonica) verwechselt werden, einem weiteren Obstbaum für mediterrane Regionen.
- Mit ihrer gedrungenen Wuchsform und gewundenen Zweigen wird die Echte Mispel nie höher als 6 Meter.
- Ihre cremeweiße Blüte duftet und erinnert an die des Weißdorns (Crataegus), ist jedoch größer.
- Die Echte Mispel stellt wenig Ansprüche an den Boden, sofern dieser durchlässig und nährstoffreich ist.
Das Wort unserer Expertin
Echte Mispel: seltenes Obst, das erst teigig süß schmeckt. Winterharter Strauch mit Herbstfärbung, ideal für Hecken und Vögel.
Beschreibung und Botanik
Steckbrief
- Lateinischer Name Mespilus germanica
- Familie Rosengewächse
- Gebräuchlicher Name Echte Mispel, Deutsche Mispel, Echte Mispel, Elier, Alcheminier
- Blüte im Frühling
- Höhe 3 bis 6 Meter
- Exposition sonnig oder Halbschatten
- Art des Bodens gewöhnlich, durchlässig
- Winterhärte bis -20 °C
Die Echte Mispel gehört wie zahlreiche andere Obstbäume, etwa der Kultur-Apfel, der Birnbaum, der Pflaumenbaum oder der Kirschbaum, zur großen Familie der Rosengewächse. Im Gegensatz zu ihren Verwandten gibt es von ihr jedoch nur eine einzige Art sowie einige Kultivare mit mehr oder weniger großen oder früh reifenden Früchten.

Botanische Tafel
Ursprünglich stammt die Echte Mispel aus Kleinasien und Südosteuropa, aus einem Gebiet, das die Karpaten, den Kaukasus, die Krim, die Türkei, den Iran und Griechenland umfasst. Heute ist sie in ganz Europa, auch in den nördlichsten Regionen, weitgehend eingebürgert. Man findet sie noch in wilden Hecken unserer Landschaft, auch wenn die Früchte bei den Verbrauchern etwas in Vergessenheit geraten sind. Dabei wurde die Mispel im Westen vor einigen Jahrhunderten häufig verzehrt. Sie gelangte um 200 v. Chr. während der Makedonischen Kriege nach Rom. Auch die Capitulare de Villis Karls des Großen empfahl sie als Kulturbaum für die Gärten des Reiches. Im Mittelalter wurde die Echte Mispel wegen des guten Geschmacks ihrer Früchte, aber auch wegen der heilenden Eigenschaften ihrer Knospen, Früchte, Samen und Blätter häufig angebaut. Ihr Holz war wegen seiner Härte und der feinen Maserung begehrt und wurde zur Herstellung von Spazierstöcken und Drechselarbeiten verwendet.
Der Begriff mespilus stammt vom griechischen mespilos, das sich aus „mesos“ für „halb“ und „pillos“ für „Ball“ zusammensetzt. Diese etymologische Herkunft spielt direkt auf die Form der Mispeln an, die am oberen Ende abgeflacht sind.
Zunächst ist außerdem wichtig zu erwähnen, dass die Echte Mispel nichts mit der Japanischen Wollmispel (Eriobotrya japonica) zu tun hat. Diese trägt rundliche, orangegelbe Früchte und stammt aus den warmgemäßigten Regionen Asiens. Die Japanische Wollmispel gedeiht in südlichen Regionen, wo die Winter eine gute Fruchtbildung ermöglichen, während die Echte Mispel in den kältesten Regionen bis in 2.000 Meter Höhe wächst. Mespilus germanica ist schließlich bis -20 °C winterhart.
Es handelt sich um einen 3 bis 6 Meter hohen Strauch oder kleinen Baum mit eher langsamem Wachstum. Er besitzt eine breit ausladende, ausgebreitete Wuchsform mit rundlicher Krone. Sein knorriger, 15 bis 20 cm dicker Stamm trägt knotige, dornige Zweige, die sich bis auf 8 Meter Breite ausdehnen können. Mit zunehmendem Wachstum bekommt die graubraune Rinde des Stammes Risse, durch die eine neue, stärker orangefarbene Rinde sichtbar wird.
Das sommergrüne, dunkelgrüne Laub nimmt im Herbst schöne rote, orangefarbene oder braune Töne an, bevor es im Winter abfällt. Die Mispeln bleiben dagegen bis November oder Dezember an den kahlen Zweigen hängen. Ein Fruchtbehang an einem kahlen Geäst, der im winterlichen Garten besonders dekorativ wirkt!
Die Echte Mispel trägt ganzrandige, längliche, wechselständige, lanzettliche und auffallend große Blätter. Die kurz gestielten Blätter haben leicht gewellte Ränder. Auf der Oberseite sind sie filzig behaart, auf der Unterseite eher weißlich. Die Mittelader ist deutlich ausgeprägt und heller.
Anfang Mai bis Juni erscheinen die Blüten. Sie duften und öffnen sich in Weiß, das zwischen Creme und Zartrosa changieren kann. Die 3 bis 5 cm großen Blüten stehen einzeln und endständig. Wie die Blätter sind sie sehr kurz gestielt. Die Blüten der Echten Mispel bilden einen Kelch mit 5 blattartigen Lappen und besitzen 5 Blütenblätter, 5 Kelchblätter und 30 Staubblätter. Sie erinnern an Weißdornblüten, sind jedoch deutlich größer.

Je nach Sorte sind die Blüten der Echten Mispel weiß oder rosa
Anschließend entwickeln sich aus den Blüten die Früchte. Anfangs sind sie dunkelgrün bis braun, bei der Reife werden sie kupferbraun.
Die eiförmigen, leicht kreiselförmigen Mispeln sind fleischig und erreichen einen Durchmesser von 2,5 cm. An der Spitze sind sie gestutzt und genabelt, wobei die aufrecht stehenden Kelchlappen wie eine Krone wirken. Ihre Epidermis ist leicht flaumig behaart. Die Mispeln sind erst nach dem Frost essbar. Der Frost baut das Fruchtfleisch ab, das dadurch einen besonderen, feinen, zugleich süßen und säuerlichen Geschmack erhält und an braunes Mus erinnert. Manche behaupten, das Fruchtfleisch müsse „verrottet“ sein, bevor man es essen könne. Der Begriff „teigig“ ist jedoch passender – besonders, wenn man Sie vom Anpflanzen einer Echten Mispel überzeugen möchte! Ohne diesen wohltuenden Frost sind die Mispeln adstringierend und ungenießbar. Sie werden daher im teigigen Zustand geerntet, damit sich ihre ganze geschmackliche Komplexität entfalten kann. Allerdings sollten Sie sich beeilen, denn Vögel lieben diese fleischigen Drupen, die in manchen Regionen „Hundehintern“ genannt werden.

Bei der Reife wechseln die Mispeln ihre Farbe von Grünbraun zu Kupfer
Jede Mispel enthält fünf Samen.
Die selbstfruchtbare Echte Mispel benötigt keinen weiteren Mispelbaum, um Früchte zu tragen.
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Adstringierende FrüchteVerschiedene Sorten der Echten Mispel
Rund um die Wildform von Mespilus germanica, werden noch mehrere alte Kultivare angeboten. So trägt Mespilus germanica ‚Nottingham‘ schmackhafte Früchte von guter Größe mit angenehm süßsäuerlichem Aroma. Die Blüte ist rosa, der Wuchs leicht dornig.
‚Bredase Reus‘ ist besonders wüchsig, ‚Large Russian‘ bildet sehr große Früchte. Die alte englische Sorte ‚Royal‘ überzeugt mit einer kompakten Wuchsform.
Unsere Favoriten
[produkt sku=“95982″ blog_description=“Die Wildform der Echten Mispel mit ansehnlich großen Früchten und schöner weißer Blüte“ template=“listing1″ /]
[produkt sku=“78168″ blog_description=“Die aus Holland stammende Echte Mispel ‚Westerveld‘ blüht spät, Ende Mai. Ihre cremefarbenen Mispeln sind größer und erscheinen reichlich.“ template=“listing1″ /]
[produkt sku=“15293″ blog_description=“Eine früh blühende Echte Mispel mit Blüte im April. Sie bildet sehr große Früchte, die in der Wintersonne glänzen. Eine dekorative Echte Mispel“ template=“listing1″ /]
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Echte Mispel pflanzen
Wo pflanzen?
Der Echten Mispel stellt der Boden kaum Ansprüche. Ist der Boden gut durchlässig, eignet er sich perfekt für die Echte Mispel. In kalkhaltigem oder lehmigem Boden wächst sie jedoch schlechter. Nach dem Anwachsen lässt sie sich ungern verpflanzen. Wählen Sie daher gleich einen endgültigen Standort.
Der Standort sollte sonnig bis halbschattig sein. Sonne fördert eine reiche Fruchtbildung und schöne Herbstfarben. Außerdem muss die empfindliche Blüte der Echten Mispel vor starkem Wind geschützt werden.
Wann pflanzen?
Die Echte Mispel wird im Herbst gepflanzt, besonders als wurzelnackte Pflanze.
Wie pflanzen?
Ob im Wurzelballen oder wurzelnackt: Die Echte Mispel wird immer gleich gepflanzt:
- Ein 30 cm tiefes und breites Pflanzloch ausheben
- Den Boden lockern und Blumenerde oder gut verrotteten Kompost einarbeiten
- Die Echte Mispel einsetzen und den Hals auf Bodenhöhe ausrichten
- Einen Pfahl zur Stabilisierung des Baums anbringen
- Das Loch mit Aushub füllen und festtreten
- Reichlich gießen
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Echte Mispel: Im ersten Jahr gießen. Rückschnitt optional, alle 5 Jahre im Winter. Im Frühjahr reifen Kompost ausbringen.
Krankheiten und Parasiten der Echten Mispel
Die Echte Mispel ist ein Obstbaum, der von denselben Krankheiten wie andere Obstbäume befallen werden kann. Dazu gehört vor allem der gefürchtete Feuerbrand, eine schwere Krankheit, an der der Baum innerhalb weniger Monate absterben kann. Die Krankheit ist daran zu erkennen, dass sie Blätter und Zweige wie verbrannt aussehen lässt. Eine Behandlung gibt es nicht. Die einzige Möglichkeit besteht darin, den Baum nach Meldung bei der Gemeinde zu fällen und zu verbrennen. Vorbeugung ist daher entscheidend: Bekämpfen Sie Blattläuse als Überträger und vermeiden Sie Verletzungen, etwa durch wiederholten Rückschnitt oder abgebrochene Zweige.
Auch die Monilia-Krankheit an Obstbäumen kann die Echte Mispel befallen. Diese Pilzkrankheit lässt die Früchte am Baum faulen und mumifizieren. Eine Behandlung mit einem Fungizid auf Basis von Bordeauxbrühe zum Zeitpunkt des Austriebs ist wirksam.
LAuch Mehltau befällt die Echte Mispel. Erkennbar ist er am weißen Belag auf den Blättern oder an braunen Flecken auf den Mispeln. Bekämpfen lässt sich Mehltau mit Spritzungen aus Kuhmilch oder Schwefel. Auch hier ist Vorbeugung unerlässlich. Virginie D. gibt Ihnen wertvolle Tipps zur Vorbeugung gegen Mehltau.
Außerdem wird die Echte Mispel häufig von Blattläusen oder Schildläusen befallen. Den Baum gründlich abzubrausen, ist eine erste Möglichkeit, die Schädlinge loszuwerden.
→ Mehr über Krankheiten und Schädlinge der Echten Mispel erfahren Sie im Ratgeber von Pascale
Mispeln ernten und lagern
Mispeln werden nach den ersten Frösten, also im November oder Dezember, geerntet. Die Kälte beschleunigt nämlich das Weichwerden der Früchte, die dadurch sehr weich werden. Durch die Kälte werden die Gerbstoffe in Zucker umgewandelt. Das Fruchtfleisch erhält dann die Konsistenz eines Pürees. Vögel erkennen den richtigen Zeitpunkt meist sofort und stürzen sich mit weit geöffnetem Schnabel auf die Früchte.

Mispeln werden nach den ersten Frösten geerntet.
Bei der Ernte ist Vorsicht geboten, denn die Schale ist dünn und das Fruchtfleisch weich. Schon leichter Fingerdruck lässt die Früchte platzen. Nach der Ernte müssen die Mispeln in einem kühlen, frostfreien Raum gelagert werden. Am besten legt man sie auf eine Strohschicht, um sie zu schützen. So sind sie 2 bis 4 Wochen haltbar.
Sie können Mispeln auch im Oktober vor dem Weichwerden pflücken. Dann werden sie in einem kühlen Raum gelagert, wo sie vollständig nachreifen.
→ Mehr dazu in unserer Anleitung: Mispeln ernten und lagern?
Vermehrung der Echten Mispel
Echte Mispel: Pfropfung auf Weißdorn (Crataegus) nur für Profis. Sicherer: Samenaussaat im Oktober – langsam, unsicher und nicht sortenecht.
Echte Mispel kombinieren?
Mit seiner breit ausladenden Wuchsform und der knorrigen Verzweigung eignet sich die Echte Mispel ideal als Solitär inmitten eines Rasens. Ihre großen weißen oder rosafarbenen Frühlingsblüten kommen dort ebenso schön zur Geltung wie die kupferfarbenen Blätter im Herbst.
Mespilus germanica lässt sich auch in eine frei wachsende, naturnahe und fruchttragende Hecke pflanzen, zum Beispiel zusammen mit einer Hasel, einem Holunder oder einem Bocksdorn. Pflanzen Sie die Sträucher mit einem Abstand von 1 bis 1,20 m. Eine versetzte Pflanzung sorgt für eine schöne Dichte.

Die Echte Mispel kann als Solitär oder zusammen mit Bocksdorn, Hasel und Holunder in eine fruchttragende Hecke gepflanzt werden
Die Echte Mispel findet auch am Rand eines Obstgartens ihren Platz und schützt empfindlichere Obstbäume vor Frost. Sie ist sehr winterhart und kann kalten Wind abhalten.
Was tun mit Mispeln?
Mispeln roh oder verarbeitet genießen, passend zu Fleisch und Käse. Kerne mit Blausäure nicht essen. Blätter helfen bei Halsweh.
Schon gewusst?
Was ist eine Makila? Der baskische Wanderstock aus Echte-Mispelholz dient dank Stahlspitze auch der Verteidigung. Es ist fest und biegsam.
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