Blattwespen: Alles über diese falschen Raupen
Besser kennenlernen, Pflanzen schützen
Inhaltsverzeichnis
Raupen richten im Garten Schaden an. Doch nicht jede Raupe ist eine Schmetterlingslarve: Erfahren Sie mehr über Blattwespen, Larven und Bekämpfung.
Was ist eine Blattwespe?
Blattwespen gehören zu den Hautflüglern und zur Unterfamilie der Pflanzenwespen. Der Begriff „Blattwespen“ ist ein volkstümlicher Name für verschiedene Fliegenarten. Da Blattwespen tatsächlich Fliegen sind, die sich als Wespen ausgeben – nur ohne Wespentaille! Ihr Hinterleib ist ungeteilt und nicht gestielt. Mit ihrer geringen Größe von etwa 1 cm fallen diese eher unscheinbaren Fliegen kaum auf. Dafür zeigen sie auffällige Farben, oft Gelb und Schwarz oder ein kräftiges Grün. Man findet sie an verschiedenen Doldenblütlern, die sie gern besuchen. Erwachsene Tiere sind also kaum zu fürchten.

Blattwespen der Johannisbeere bei der Paarung
Gefährlicher für unseren Garten sind dagegen die Larven. Während die ausgewachsenen Tiere Wespen ähneln, erinnern die Larven an Schmetterlingsraupen – ohne welche zu sein. Diese Scheinraupen unterscheiden sich von echten Raupen durch zwei zusätzliche Paare von Bauchbeinen sowie ihren kugeligen, punktierten Kopf mit nur einem einfachen Auge auf jeder Seite (Raupen haben mehrere). Die einfarbigen Larven sind blassgrün, weißlich oder bräunlich gefärbt. Viele können sich bei Gefahr S-förmig einrollen und zu Boden fallen lassen. Blattwespenlarven leben meist in Kolonien.
Zum Schutz vor Fressfeinden entwickeln diese Larven raffinierte Strategien: Sie spinnen Gespinste, rollen Fiederblättchen ein, fertigen aus Blättern „Zigarren“ oder leben in Gallen. Manche minieren das Laub.
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Um diese schädlichen Larven besser zu bekämpfen, ist es wichtig, ihren Lebenszyklus zu kennen.
- Die adulten Tiere erscheinen je nach Klima zwischen April und Juni
- Nach der Paarung legen die Weibchen sehr schnell ihre Eier ab. Sie besitzen einen Legebohrer mit sägeblattartigen Klappen, mit dem sie die Pflanzen einschneiden und ihre Eier darin ablegen. Ein Weibchen kann bis zu 300 Eier legen
- Nach einigen Tagen schlüpfen die Larven und ernähren sich 10 bis 15 Tage lang direkt von ihrer Wirtspflanze. Diese sehr gefräßigen Afterraupen wachsen besonders schnell

Blattwespen nehmen eine S-förmige Haltung ein, um Fressfeinde abzuschrecken
- Dann kommt es zur Verpuppung: entweder in einem zähen Kokon, der flach im Boden liegt, oder in einem holzigen, weichen Zweig
- Eine zweite Generation erscheint zwischen Juli und August und der Zyklus beginnt von vorn
- Eine dritte Generation kann zu Beginn des Herbstes auftreten
- Anschließend überwintern die Larven als Puppen im Boden und bleiben dort den ganzen Winter.
Verschiedene Blattwespenarten und ihre Schäden
Adulte und Larven der Blattwespen kommen in allen Lebensräumen vor – von Gärten bis zu Feldern, von Wäldern bis zu Gebüschen. Meist bevorzugen sie kühle, feuchte Standorte.
Teilweiser oder vollständiger Blattverlust
Während die harmlosen adulten Tiere nur Nektar sammeln oder ein Sonnenbad nehmen, sind die Larven wahre Zerstörer. Zumal sie relativ zahlreich abgelegt werden. Die auf oder unter dem Laub lebenden Larven schneiden, durchbohren und fressen die Blätter präzise vom Rand her auf. Sie sitzen dicht aneinandergereiht, teils in instabilen Positionen. Sie sind so gefräßig, dass manchmal nur das Blattskelett übrig bleibt. Diese Afterraupen lassen sich daher mit Spitzenklöpplerinnen vergleichen.
Dieser teilweise oder vollständige Blattverlust schwächt die befallenen Pflanzen erheblich: Sie stellen ihr Wachstum ein und sterben bei starkem Befall gelegentlich ab. Sind nur wenige Larven vorhanden, bleiben die Schäden dagegen auf die Optik beschränkt.
Blattwespen mit speziellen Wirtspflanzen
Insgesamt gibt es vierzehn verschiedene Blattwespenfamilien, zwölf davon kommen in unserer Region vor. Sie befallen alle Arten von Pflanzen: von Obstbäumen und anderen Bäumen über Stauden, Sträucher und Rosen bis hin zu Gemüse wie Kohlgewächsen (Kohl, Rübe, Rettich, Raps, Brauner Senf …)
- Rosen-Blattwespe (Arge pagana): Das erwachsene Tier hat einen schwarzen Kopf, Brust und Beine sowie einen gelben Hinterleib. Die Larven sind blassgrün mit schwarzen Punkten und fressen junge Rosenblätter. Die Eier werden in zwei parallelen Reihen an einem jungen Trieb abgelegt.
- Johannisbeerblattwespe (Nematus ribesii): Das Weibchen ist schwarz-gelb, das Männchen schwarz. Die Larven sind gelbgrün mit schwarzen, warzenartigen Punkten. Sie durchbohren und fressen die Blätter.
- Birkenblattwespe (Craesus septentrionalis): Die weißlichen bis blassgrünen Larven mit schwarzen Punkten fressen auch Blätter von Erle, Esche, Hasel, Hainbuche, Espe und Ahorn …
- Schleimige Blattwespe (Caliroa cerasi): Die schwarzen Larven ähneln kleinen, schleimigen Nacktschnecken. Sie bevorzugen Blätter von Kirschbaum, Birnbaum und Pflaumenbaum.
- Rübenblattwespe (Athalia rosae): Die adulten Tiere sind orange, die Larven dunkelbraun. Sie entwickeln sich auf Raps, Rübe und Brauner Senf …
- Hoplocampa-Arten (Hoplocampa spp): Sie befallen vor allem Obstbäume, insbesondere Birn- und Apfelbäume.
- Wollige Blattwespe (Eriocampa ovata): Die adulten Tiere sind schwarz mit roten Partien, die Larven weiß. Sie bevorzugen Blätter von Grau-Erle und Schwarz-Erle sowie von Ulme und Hasel.
- Kiefern-Gespinstblattwespe (Diprion pini): Die adulten Tiere sind schwarz und orangegelb gefleckt, die cremeweißen Larven mit schwarzen Haaren bedeckt. Sie fressen die Nadeln verschiedener Kiefernarten.
- Rote Kiefernblattwespe (Neodipirion sertifer): Sie ist ebenfalls ein bedeutender Schädling der Nadeln von Wald-Kiefer (Pinus sylvestris) und Japanischer Kiefer (Pinus densiflora).

Verschiedene Arten von Blattwespenlarven
Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit!
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Sind die erwachsenen Blattwespen und ihre Eier nur schwer zu entdecken, lassen sich die Larven leichter erkennen – schon aufgrund ihrer Anzahl, aber auch wegen ihrer Fähigkeit, sich zur Abschreckung von Fressfeinden S-förmig aufzurichten. Keine Sorge: Diese falschen Raupen sind überhaupt nicht brennend, anders als etwa die Raupen des Pinienprozessionsspinners.
Um sie loszuwerden, stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Zunächst können Sie die Larven an erreichbaren Pflanzen einfach von Hand absammeln. Anschließend ertränken Sie sie in einer Seifenlösung. Möglicherweise müssen Sie diese Maßnahme mehrmals wiederholen. Entfernen Sie außerdem Zweige, deren Blätter von den Larven abgefressen wurden.

Sind die Pflanzen erreichbar, lassen sich die nicht brennenden Larven von Hand absammeln
Sie können auch auf zahlreiche Nützlinge setzen, die in Ihrem Garten leben. So werden Blattwespen auf natürliche Weise von kleinen Schlupfwespen reguliert, die ihre Larven parasitieren. Auch für Gartenvögel macht es kaum einen Unterschied, ob es sich um eine echte Schmetterlingsraupe oder eine falsche Blattwespenraupe handelt. Insektenfressende Vögel werden sie genüsslich verspeisen, besonders während der Brutzeit, wenn die Nestlinge hungrig sind. Auch Spitzmäuse sind gefürchtete Fressfeinde der Larven, wenn diese zur Verpuppung auf den Boden fallen. Um diese Nützlingsfauna zu fördern, stellen Sie mehr Futterstellen und Nistkästen auf oder lassen Sie an verschiedenen Stellen im Garten einige Holzstapel liegen.
Um vorbeugend tätig zu werden, empfehlen wir außerdem, den Boden am Fuß befallener Bäume, Sträucher, Rosen und Stauden zu hacken, damit die Puppen freigelegt werden. Sie werden durch die Kälte abgetötet oder von Vögeln und – falls vorhanden – von Ihren Hühnern gefressen.
Bei starkem Befall ist eine Behandlung möglich. Bacillus thuringiensis (Bt) ist wirkungslos, da es sich bei diesen Larven nicht um Raupen handelt. Dagegen wirkt Pyrethrum ebenso wie eine einfache Lösung aus Schmierseife. Auch natürliche Mittel sollten sparsam eingesetzt werden, da sie nicht besonders selektiv wirken.
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