Wenn es ein Thema gibt, das Fragen aufwirft und begeistert, dann ist es die Permakultur. Überzeugen Sie sich selbst: In Frankreich wird dieser Begriff durchschnittlich 49.500-mal pro Monat bei Google eingegeben, während der Suchbegriff „Gemüsegarten“ nur 14.800 Suchanfragen verzeichnet.
Wie lässt sich diese Begeisterung erklären? Liegt es daran, dass die Permakultur tatsächlich revolutionär ist und die Welt retten wird? Oder liegt es eher daran, dass es auf die Frage „Was ist Permakultur?“ eine Vielzahl mehr oder weniger präziser Antworten gibt?
Ich muss Ihnen sagen, dass ich mir heute Morgen in den Finger beiße, weil ich mich freiwillig für dieses nebulöse Thema gemeldet habe. Aber nun sind wir schon dabei, also legen wir los … 😉
Was ist Permakultur?
Fragen Sie doch einmal Wikipedia. Dort finden Sie folgende Antwort: „Permakultur ist eine systemische und ganzheitliche Methode zur Gestaltung von Systemen, zum Beispiel menschlicher Siedlungen und landwirtschaftlicher Systeme. Sie kann jedoch auf jedes beliebige System angewendet werden. Dabei orientiert sie sich an der natürlichen Ökologie (Biomimikry) und an der Tradition“
Damit sind Sie jetzt sicher viel schlauer, oder?
Um es einfach zu halten, schlage ich Ihnen die Definition der Ferme du Bec Hellouin vor, einem Vorbild auf diesem Gebiet: Bei der Permakultur oder „dauerhaften Landwirtschaft“ geht es darum, sich an der Natur zu orientieren, um unsere Bedürfnisse zu decken, ohne den Planeten zu schädigen.
Die Ethik und die großen Prinzipien
Die Ethik nimmt in der Permakultur einen wichtigen Platz ein. Sie beruht auf drei grundlegenden Prinzipien, die von ihren Begründern, Bill Mollison und David Holmgren, formuliert wurden: Sorgen Sie für die Erde, sorgen Sie für die Menschen und teilen Sie gerecht.
Bei dieser Methode betrachten Sie den Garten als Ganzes. Sie berücksichtigen dabei sowohl die vorhandenen Gegebenheiten als auch die Wechselwirkungen zwischen allen Elementen: Pflanzen, Tiere und Menschen. So können Sie schrittweise autonomer werden, indem Sie überall dort, wo es möglich ist, essbare Pflanzen anbauen. Gleichzeitig sparen Sie natürliche Ressourcen und Zeit.
Wie sieht Permakultur in der Praxis aus?
In der Permakultur gibt es eine große Bandbreite an Methoden. Sie betrachtet den Garten als ein System, in dem alles eng miteinander verbunden ist. Deshalb müssen Sie Ihre Techniken immer wieder an die Entwicklung Ihres Gartens anpassen. Von den zahlreichen Methoden erscheinen mir drei besonders wichtig:
Die Planung oder das „Design“
Damit ein permakulturelles System funktioniert, ist die Planung entscheidend. Sie hilft Ihnen, die einzelnen Bereiche zu ordnen und miteinander zu verbinden. Dabei bezieht sie auch das Wohngebäude ein und stützt sich auf eine sorgfältige Beobachtung der vorhandenen Gegebenheiten und der Natur. Diese Planung bildet den Ausgangspunkt. Sie soll den Garten jedoch nicht unveränderlich festlegen. Der Garten wird sich im Laufe seiner Entwicklung und durch Experimente weiter verändern.

Beispiel für ein Design – Quelle: permaculture.org.uk via Pinterest
Der respektvolle Umgang mit dem Boden
Die Bodenbearbeitung nach traditionellen Methoden spielt in der Permakultur kaum eine Rolle. Statt den Boden mit dem Traktor tief zu pflügen, widmen Sie den Lebewesen, die ihn bewohnen und zur Humusbildung beitragen, besondere Aufmerksamkeit. Wie im Biogarten spielt auch die Mulchschicht in der Permakultur eine wichtige Rolle. Sie verringert den Unkrautaufwuchs und den Wasserbedarf, schützt den Boden und erhält seine Fruchtbarkeit. Im eigentlichen Sinn gibt es keinen Abfall: Alles ist eine Ressource!
Der Anbau auf Hügelbeeten
Zu den bekanntesten Methoden gehören Hügelbeete. Sie sind typisch für die Permakultur. Es gibt zahlreiche Varianten, darunter mit Holz gefüllte Hügelbeete, Schichtbeete und sogar Lasagnebeete. Hügelbeete sind wegen ihrer ergonomischen Gestaltung beliebt und ermöglichen auf kleiner Fläche reiche Ernten. Sie gelten als selbstfruchtbar und pflegeleicht und sind langlebig. Nach dem Anlegen benötigen sie keine weitere Bodenbearbeitung. Zwar sind Hügelbeete nicht überall notwendig, doch in geschädigten Böden und überall dort, wo die Bodentiefe nicht ausreicht, können sie eine hervorragende Lösung sein.

Beispiel für ein „Hugelkultur“-Hügelbeet – Quelle: Fermes d'Avenir
Unter den zahlreichen Beispielen für erfolgreiche permakulturelle Projekte möchte ich Ihnen die Bücher von Joseph CHAUFFREY empfehlen. In der Normandie erntet er jährlich fast 300 kg Obst und Gemüse in seinem 150 m2 großen Garten. Davon dienen nur 25 m2 dem Gemüseanbau.
Die Schattenseiten der Permakultur: Vorsicht vor Gurus!
Die Permakultur wird nicht nur als Methode für den Garten- oder Gemüseanbau, sondern manchmal auch als Philosophie dargestellt. Genau darin liegt gelegentlich das Problem. Denn zwischen Philosophie und Religion liegt manchmal nur ein kleiner Schritt. Dieser kann schnell getan sein, begleitet von einer ganzen Reihe teils abwegiger und mehr oder weniger offener Ansichten.
Auch die Permakultur scheint dem Gesetz von Angebot und Nachfrage nicht zu entgehen. Während Kurse zum naturnahen oder biologischen Gärtnern eher selten sind, ist das Angebot an Permakulturkursen in den vergangenen Jahren geradezu explodiert. Neben seriösen Einrichtungen gibt es inzwischen zahlreiche E-Books und Onlinekurse von zweifelhafter Qualität. Wie Sie sich sicher denken können, werden diese Kenntnisse nicht kostenlos vermittelt. Die Preise können leicht mehrere Hundert Euro erreichen. Lassen Sie sich nicht täuschen: In wenigen Stunden wird niemand zum Permakultur-Experten!
Ich hoffe, Sie haben nun einen kurzen Überblick über die Permakultur erhalten. Wenn Sie Methoden ausprobiert haben oder bereits überzeugt sind, berichten Sie uns gerne von Ihren Erfahrungen!
Weitere Informationen:
- „Der Permakultur-Ratgeber für den Garten“ – Carine Mayo – Editions Terre Vivante
- „Das Wesen der Permakultur“ – eine Zusammenfassung der Konzepte und Prinzipien von David Holmgren (kostenlose PDF)
- „Permakultur – Die Erde heilen, die Menschen ernähren“ von Perrine und Charles HERVE-GRUYER – Editions Acte Sud
Websites zum Thema Permakultur:
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