Ob im Gemüse- oder Ziergarten: Für den Anbau von Pflanzen ist lockere Erde wichtig. In einem solchen Boden können die Wurzeln leicht vordringen und die für ihr Wachstum notwendigen Nährstoffe und das Wasser aufnehmen. Ein harter, verdichteter und wasserundurchlässiger Boden führt dagegen unweigerlich zu einem schwachen und kümmerlichen Wachstum. Bei längeren Regenperioden kann es sogar zu Wurzelstress durch Sauerstoffmangel kommen. Wir wissen, dass Wurzeln bevorzugt lockere Erde erschließen und harte Erdballen umwachsen können. Wenn das Auflockern der Erde für ein optimales Pflanzenwachstum unerlässlich ist, muss man sie deshalb wirklich umgraben?

Die Erde umgraben oder nicht – eine Frage der Generationen …

Auch heute noch sehen wir in Städten und auf dem Land Gemüsebeete, die nach dem Anbaumodell der Nachkriegszeit bewirtschaftet werden. Die beiden Leitmotive: Produktivität und Sauberkeit! Sauberkeit durch die Bekämpfung von Unkraut sowie durch akkurat ausgerichtete Gemüsebeete und Wege nach französischem Vorbild. Produktivität durch den Einsatz von Mist und Mineraldüngern. In einem solchen Garten wird der Boden mit einer Motorhacke oder, wenn die Fläche klein genug ist, mit dem Spaten vorbereitet. Die Erde gilt dabei als bloße Grundlage für den Anbau, wird umgegraben und die Bodenfauna wird ignoriert. Immerhin hat der Einsatz von Mist dazu beigetragen, die Böden mit Humus anzureichern.

Das oft verkannte Bodenleben

Doch die Erde lebt. Sie ist weit mehr als eine bloße Grundlage für den Anbau und enthält zahlreiche Organismen.

Die sichtbare Bodenfauna umfasst Hunderte Arten von Insekten, Milben, Krebstieren (Asseln) und Regenwürmern. Sie lässt sich in drei Gruppen einteilen:

  1. Die endogäische Bodenfauna lebt in den obersten Zentimetern des Bodens. Dazu gehören unter anderem mittelgroße Regenwürmer. Sie graben waagerechte Gänge und ernähren sich unter anderem von abgestorbenen Wurzeln.
  2. Die epigäische Bodenfauna lebt an der Oberfläche in der Streu aus Pflanzenresten. Dazu gehören rote Regenwürmer und viele andere Tiere wie Springschwänze, Asseln, Tausendfüßer und Nematoden.
  3. Die anezische Bodenfauna besteht aus großen Regenwürmern und macht 80 % des Gesamtgewichts der Regenwürmer aus. Diese Tiere graben lange, senkrechte und dauerhafte Gänge. Sie kommen zum Fressen an die Oberfläche und verteilen die organische Substanz verdaut als Wurmlosung an der Oberfläche und entlang ihres gesamten Gangprofils.

Wurmlosung von Regenwürmern

Die Auswirkungen des Umgrabens

Beim Umgraben werden der Lebensraum und die Gänge der Bodentiere teilweise zerstört, ebenso die Regenwürmer selbst. Die epigäische Bodenfauna wird vollständig vernichtet und vergraben, die Gänge der endogäischen Regenwürmer werden zerstört. Die Gänge der anezischen Regenwürmer reichen unter die Pflugsohle. Beim Umgraben werden sie durchtrennt und ermöglichen keinen Zugang mehr zur Bodenoberfläche, sondern nur noch bis zu der im Ackerbau sogenannten „Pflugsohle“. Anezische und endogäische Regenwürmer benötigen zwei bis fünf Jahre, um ihren Lebensraum nach dem Pflügen wiederherzustellen. Wenn Sie den Boden jedes Jahr umgraben, geben Sie ihnen keine Chance, ihre Gänge neu anzulegen.

Betrachten wir nun die Bodenoberfläche und die nicht sichtbaren Organismen: die Mikroorganismen. Die oberste Bodenschicht ist besonders humusreich und beherbergt eine intensive biologische Aktivität. Ein einziges Gramm gewöhnlichen Humus enthält Millionen von Bakterien, Hefen, Algen und Pilzen. Diese Mikroorganismen haben ganz spezielle Bedürfnisse. Algen benötigen zum Beispiel Licht, während aerobe Bakterien auf eine ausreichende Sauerstoffversorgung angewiesen sind. Beim Umgraben werden die Mikroorganismen von ihren notwendigen Lebensbedingungen abgeschnitten und sterben ab.

Auch die Arbeit des Umgrabens selbst sollten Sie berücksichtigen: Das Umgraben mit dem Spaten ist anstrengend, mühsam und schlecht für den Rücken. Der Einsatz einer Motorhacke verursacht Kosten für Gerät und Kraftstoff. Umgegrabene Erde begünstigt außerdem das erneute Aufkommen von Unkraut. Sie müssen häufiger gießen, hacken und jäten, weil die Bodenstruktur instabil wird. Schon ein einfacher Regen kann zu einer Verschlämmung der Bodenoberfläche führen. Das Wasser fließt oberirdisch ab und dringt nicht mehr in die Erde ein. In der Landwirtschaft führt dies zur Auswaschung von Nährstoffen und zur Verschmutzung von Gewässern.

Ob auf dem Feld oder im Garten: Das Pflügen zerstört das Bodenleben. Mit geeigneten Geräten, etwa der Grabegabel, können Sie den Boden auflockern, ohne ihn zu wenden.

Wie können Sie die Erde auflockern, ohne sie umzugraben?

Sie haben es verstanden: Das Umgraben der Erde ist eine schädliche Praxis. Für den Anbau von Gemüse und anderen Pflanzen brauchen Sie jedoch einen lockeren Boden. Dafür müssen Sie ihn lediglich tiefgründig lockern. Dafür gibt es in der Regel zwei Methoden:

  • Bewirtschaften Sie den Garten mit einer dauerhaften Bodenbedeckung: Mulch und organisches Material, angebaute Pflanzen, Gründüngung, spontane Vegetation, Kompost … (lesen Sie dazu: „Mulchen: Warum und wie?“ und „Gründüngung: Warum und wie?“)
  • Lockern Sie die Erde nur bei Bedarf und mit geeigneten Werkzeugen wie Grabegabel oder Broadfork, ohne sie zu wenden.

Eine dauerhafte und natürliche Bodenbedeckung ahmt die Natur nach. Im Wald fallen die Blätter zu Boden und bilden eine Streu, die sich allmählich zersetzt und das Bodenleben ernährt! Auch im Garten fördert diese Methode das Bodenleben und die natürliche Belüftung durch die Bodenfauna.

Bevor sich ein Boden von selbst lockert, müssen Sie jedoch einige Monate oder sogar mehrere Jahre Geduld haben. Ein Boden mit wenig Bodenleben lässt sich nicht von heute auf morgen in einen fruchtbaren und gut gelockerten Boden verwandeln. Auch die ursprüngliche Bodenart spielt eine Rolle. In den ersten Jahren müssen Sie den Boden weiterhin von Hand tiefgründig lockern, ohne ihn umzugraben. In einem kleinen Garten von etwa 10 m² genügt eine einfache Grabegabel. Für ein größeres Gemüsebeet eignet sich eine Broadfork.

Wie verwenden Sie eine Broadfork? Stechen Sie die Zinken der Broadfork oder der Grabegabel in die Erde. Ziehen Sie die Griffe anschließend zu sich heran, um die Erde anzuheben. Stellen Sie die Griffe danach wieder senkrecht. Arbeiten Sie dabei immer rückwärts. Es wäre unsinnig, auf Boden zu treten, den Sie gerade erst gelockert haben! Die Erde wird auf diese Weise gelockert, ohne gewendet zu werden. Falls nötig, zerkleinern Sie anschließend die Erdballen mit einer Harke und ebnen die Fläche vor der Aussaat oder dem Pflanzen.

Fazit: Seien Sie faul, delegieren Sie die Bodenarbeit und ernähren Sie Ihre Helfer!

Vermeiden Sie also das Umgraben der Erde. Vertrauen Sie auf das Bodenleben und versorgen Sie es regelmäßig mit Nahrung. So fördern Sie seine Arbeit und die natürliche Lockerung des Bodens. Die Bodenfauna übernimmt das Pflügen anstelle des Gärtners. Sie müssen sie lediglich unterstützen. Bei Bedarf können Sie den Boden gelegentlich mit geeigneten Geräten wie einer Broadfork lockern. Im Laufe der Jahre werden Sie diese immer seltener benötigen.