Fingerwurz: Pflanzen, Pflege & Kultur
Inhaltsverzeichnis
Fingerwurz kurz erklärt
- Fingerwurz sind wunderschöne Orchideen mit rosa oder purpurroten Blüten in dichten Ähren
- Ihre außergewöhnliche Blüte zeigt violett oder purpur gemusterte Blütenblätter
- Die Blätter sind oft dekorativ braunpurpur gefleckt
- Sie verleihen dem Garten einen natürlichen, wilden Stil!
- Pflanzen Sie sie in halbschattige Steingärten, Wiesen oder ans Teichufer
- Sie sind sehr winterhart und vertragen Temperaturen bis etwa -20 °C
Wort unserer Expertin
Dactylorhiza sind winterharte Orchideen mit Knollenwurzeln. Tipps zu Standort, Pflege und Arten wie Dactylorhiza maculata und Dactylorhiza fuchsii.
Botanisch
Steckbrief
- Lateinischer Name Dactylorhiza sp.
- Gebräuchlicher Name Knabenkraut, Fingerwurz
- Blüte April bis Juli
- Höhe 30 bis 50 cm
- Exposition Sonne oder Halbschatten
- Art des Bodens frisch bis feucht, eher sauer
- Winterhärte sehr gut, zwischen – 20 und – 25 °C
Dactylorhiza sind sehr schöne Erdorchideen mit Knollen, zu denen etwa 80 Arten gehören. Ihr großes Verbreitungsgebiet umfasst die gemäßigten Regionen der Nordhalbkugel: Man findet sie in Europa, Asien, Nordafrika und Nordamerika. Etwa 20 Arten kommen in Frankreich wild vor, vor allem in Feuchtgebieten und auf saurem Boden, etwa auf feuchten Wiesen, in Sümpfen, Torfmooren und Gräben. Sie können jedoch auch auf trockeneren, kalkhaltigen Böden vorkommen. Mitunter findet man sie an Wegrändern, auf Böschungen und am Waldrand. Einige Arten wachsen auf Bergweiden, zum Beispiel das Holunder-Fingerwurz, Dactylorhiza sambucina. Dactylorhiza sind ausgesprochen winterhart und vertragen Temperaturen von etwa – 20 bis – 25 °C, teilweise sogar darunter. Sie können daher auch in Regionen mit kaltem Klima kultiviert werden.
Der Name Dactylorhiza stammt aus dem Griechischen: daktylos bedeutet Finger und rhiza Wurzel. Die Orchidee besitzt fingerförmige Knollen, deren Gestalt an Finger erinnert.

Dactylorhiza maculata: botanische Illustration
Die verschiedenen Dactylorhiza-Arten kreuzen sich leicht miteinander. Daher sind die Grenzen zwischen den Arten fließend, es gibt zahlreiche Unterarten, und die Blüten können innerhalb einer Art je nach Bodenbeschaffenheit, Kreuzungen oder genetischen Variationen unterschiedliche Farbtöne annehmen. Das erschwert ihre Bestimmung.
Dactylorhiza blühen meist zwischen April und Juli. Dann entfalten sie aufrechte, dichte Trauben in kegelförmiger oder zylindrischer Form, die aus zahlreichen kleinen Blüten bestehen. Diese öffnen sich nach und nach vom unteren bis zum oberen Ende des Blütenstands. Jede Traube umfasst meist 25 bis 50 Blüten und ist 5 bis 15 cm lang. Sie sitzen an einem steifen, kräftigen und robusten Blütenstiel, der 30 bis 60 cm hoch wird. Wie alle Orchideenblüten besitzen sie eine komplexe Form und Struktur. Sie bestehen aus einem großen, leicht dreilappigen unteren Blütenblatt, der Lippe, sowie zwei nach oben gerichteten, zusammenneigenden Blütenblättern, die den Helm bilden. Die Lippe ist meist mit violetten oder purpurfarbenen Mustern verziert, was der Blüte zusätzliche Details und Kontraste verleiht. Diese Blütenblätter werden von drei Kelchblättern umgeben, von denen zwei seitlich stehen und aufrecht sind. Die Blüte besitzt außerdem einen Sporn, eine Verlängerung der Lippe, der den Nektar enthält, von dem sich bestäubende Insekten ernähren. Staubblätter und Stempel sind miteinander verwachsen und bilden eine zentrale Säule, das Gynostemium. Die Pollenkörner sind zu sogenannten Pollinien in Säcken zusammengefasst.
Die Blüten von Dactylorhiza sind meist purpurrot, rosa oder malvenfarben, können je nach Art aber auch rot, weiß oder gelb sein, bei Dactylorhiza viridis sogar grün. Mitunter blüht eine Art in verschiedenen Farben: So blüht das Holunder-Fingerwurz, Dactylorhiza sambucina, in freier Natur purpurrot oder blassgelb. Beide Formen können am selben Standort vorkommen.

Die Blüte von Dactylorhiza majalis (Foto: Bjorn S.), Dactylorhiza maculata, Dactylorhiza praetermissa (Foto: Hans Hillewaert) und Dactylorhiza fuchsii (Foto: Bernd Haynold)
Dactylorhiza besitzen lanzettliche, grüne Blätter, die wie bei Dactylorhiza maculata manchmal hübsch purpurfarben gefleckt sind. Sie werden 10 bis 20 cm lang und sind eher dick und fleischig. Die oberen Blätter am Stängel sind kleiner als die grundständigen Blätter.
Nach der Blüte vergilbt das Laub im Sommer allmählich und vertrocknet, anschließend geht die Pflanze in Dormanz. Die Blätter dürfen nicht abgeschnitten werden, bevor sie vollständig vertrocknet sind, da die Pflanze mit ihrer Hilfe ihre Reserven auffüllt und in der Knolle speichert. So kann sie im folgenden Frühjahr erneut wachsen und blühen.
Dactylorhiza besitzen verdickte, fingerförmige Knollen. Sie speichern Wasser und Mineralstoffe, damit die Pflanzen Trockenheit überstehen und dank dieser Reserven im Boden überwintern können.
Nach der Blüte bildet Dactylorhiza Kapseln mit zahlreichen winzigen Samen. Diese sind so klein, dass sie wie Staub aussehen, und werden leicht vom Wind verbreitet. So kann die Pflanze neue Gebiete besiedeln. Anders als die meisten Samen enthalten sie keine Nährstoffreserven und müssen sich bei der Keimung mit einem Pilz verbinden, der sie mit den für ihr Wachstum nötigen Nährstoffen versorgt. Daher ist die Aussaat von Orchideen besonders schwierig.

Das Laub von Dactylorhiza maculata (Foto: Enrico Blasutto), ihre Früchte (Kapseln mit den Samen) und ihre fingerförmigen Knollen
Lesen Sie auch
Winterharte Orchideen für den GartenDie wichtigsten Knabenkraut-Arten
Dactylorhiza maculata - Knabenkraut
- Blütezeit Juni für August
- Höhe bei Reife 50 cm
Dactylorhiza majalis - Knabenkraut
- Blütezeit Juni, Juli
- Höhe bei Reife 30 cm
Dactylorhiza fuchsii - Knabenkraut
- Blütezeit Juni für August
- Höhe bei Reife 45 cm
Dactylorhiza praetermissa - Knabenkraut
- Blütezeit Juni für August
- Höhe bei Reife 50 cm
Dactylorhiza foliosa - Knabenkraut
- Blütezeit Juli, August
- Höhe bei Reife 60 cm
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Pflanzung
Wo pflanzen?
Fingerwurz gedeiht in Sonne oder Halbschatten. Meist bevorzugt sie Morgensonne und in den heißesten Nachmittagsstunden etwas Schatten. Der Boden sollte leicht, luftig und nicht zu verdichtet sein. Fingerwurz bevorzugt frische bis feuchte, eher saure Böden (wie Gefleckte Fingerwurz, Übersehene Fingerwurz, Dactylorhiza purpurella …), wobei dies je nach Art variiert: Die Fuchs Fingerwurz wächst auf kalkhaltigen, drainierenden und eher trockenen Böden.
Im Garten kultivieren Sie Fingerwurz im Steingarten, in der Blumenwiese, am Beetrand oder im Unterholz für schattenliebende Sorten. Da einige Arten spontan im Gebirge wachsen, lassen sie sich in einen Steingarten mit Alpenpflanzen integrieren. Weil Fingerwurz meist feuchte bis sumpfige Böden bevorzugt, eignet sie sich auch bestens für die Uferzone eines Teichs. Für diesen Standort empfehlen wir besonders die Übersehene Fingerwurz.
Wann pflanzen?
Wir empfehlen, Fingerwurz im Herbst, im September oder Oktober, oder früh im Frühjahr zu pflanzen, solange sie noch in Dormanz ist.
Wie pflanzen?
- Wenn Sie den idealen Standort gewählt haben, heben Sie ein Pflanzloch aus, das zwei- bis dreimal so groß wie der Wurzelballen ist.
- Mischen Sie 1/3 Blumenerde, 1/3 gut verrotteten Kompost und 1/3 groben Sand unter die Pflanzerde, um für Drainage zu sorgen. Diese ist besonders wichtig, wenn Sie die Fuchs Fingerwurz kultivieren. Für säureliebende Arten können Sie etwas Moorbeeterde hinzufügen.
- Pflanzen Sie die Fingerwurz vorsichtig, da ihre Wurzeln empfindlich sind, und geben Sie das Substrat aus dem Topf zurück in das Pflanzloch, da es den Symbiosepilz enthält, den die Fingerwurz für ihre Entwicklung benötigt. Setzen Sie die Fingerwurz mittig ins Pflanzloch und achten Sie darauf, den Hals nicht zu bedecken.
- Füllen Sie das Pflanzloch rundherum mit Substrat auf und drücken Sie es leicht an.
- Gießen Sie reichlich.
- Sie können eine Schicht organischen Mulch (Laub, Stroh, Häckselgut …) ausbringen.
Gießen Sie in den Wochen nach der Pflanzung weiter, bis die Pflanze gut eingewurzelt ist.

Gefleckte Fingerwurz
Lesen Sie auch
Gartenorchideen: pflanzen und pflegenPflege
Die meisten Fingerwurz-Arten bevorzugen frische bis feuchte Böden. Im Frühjahr und Sommer können Sie bei ausbleibendem Regen ein- bis zweimal pro Woche gießen und die Erde zwischen den Wassergaben kurz abtrocknen lassen. Verwenden Sie vorzugsweise Regenwasser, da Leitungswasser zu kalkhaltig sein kann. Eine Mulchschicht hält den Boden länger frisch und hemmt zugleich das Unkrautwachstum. Im Herbst und Winter, wenn die Pflanze in Dormanz ist, nicht gießen, da zu viel Feuchtigkeit die Knollen zum Faulen bringen kann.
Nach der Blüte im Hoch- oder Spätsommer vergilbt das Blattwerk und trocknet ein. Warten Sie, bis es vollständig trocken ist, bevor Sie den Blütenstiel und die Blätter abschneiden.
Ist die Fingerwurz einmal im Garten eingewachsen, möchte sie nicht gestört werden: Wenn sie gut gedeiht, sollten Sie sie nicht umpflanzen.
Schnecken fressen manchmal an den Blättern und jungen Trieben. Sie können Ihre Fingerwurz mit einer Schneckenfalle oder Schneckenkorn schützen. Weitere Tipps und Informationen finden Sie in unserem Ratgeber „Schnecken: 7 wirksame und natürliche Bekämpfungsmethoden“.
Vermehrung
Fingerwurz vermehrt man durch Teilung der Horste, denn die Aussaat ist wie bei allen Orchideen schwierig und erfordert besondere Bedingungen, insbesondere die Verbindung mit einem Symbiosepilz.
Horstteilung
Die Teilung erfolgt im Spätwinter, etwa im März, wenn die Pflanze noch in Dormanz ist.
- Wählen Sie einen Fingerwurz-Horst aus und graben Sie ihn vorsichtig aus. Stechen Sie dabei großzügig um den Horst herum, damit die Knollen nicht beschädigt werden.
- Entfernen Sie überschüssige Erde rund um die Wurzeln, sodass diese freiliegen.
- Teilen Sie den Horst in mehrere Teilstücke. Entfernen Sie abgestorbene Blätter und vertrocknete Wurzeln, falls vorhanden.
- Pflanzen Sie die Teilstücke sofort wieder ein, im Topf oder ins Beet.
- Gießen Sie reichlich.
Verband
Die zarte Blüte der Fingerwurzen fügt sich leicht in einen naturnahen Garten ein. Kombinieren Sie sie mit luftigen Blüten, etwa von Lychnis flos-cuculi, Akeleien und Sanguisorba menziesii. Diese bildet kleine, dunkelrot- bis purpurfarbene Blütenähren, die an Bürsten erinnern. Auch die Lerchensporn-Sorte ‘Craigton Blue’ sowie weitere Orchideen wie Bletilla striata lassen sich gut integrieren. Je nach Sorte zeigen sie hübsche rosa oder weiße Blüten. Pflanzen Sie zwischen diese prächtigen Blüher einige Stauden mit dekorativem Laub, um den Garten üppig und naturnah zu gestalten, etwa Funkien oder Farne.

Aquilegia vulgaris ‚Blue Barlow‘, Dactylorhiza maculata, Bletilla striata ‚Alba‘, Lychnis flos-cuculi ‚White Robin‘, Hosta ‚Clifford’s Forest Fire‘ und Sanguisorba menziesii
An den Ufern eines Teichs können Sie Dactylorhiza praetermissa oder Dactylorhiza majalis mit Farnen wie Matteuccia struthiopteris, Thelypteris palustris oder Königsfarnen pflanzen. Denken Sie auch an das üppige Laub von Phragmites australis und Phalaris arundinacea ‘Picta’ mit panaschiertem Laub. Für eine originelle Note sorgen die gewellten Halme von Juncus effusus ‘Spiralis’. Mit ihrem üppigen Laub schaffen diese Pflanzen einen grünen, sehr naturnahen Rahmen, der die Blüte der Orchideen perfekt zur Geltung bringt. Dazu passen Iris pseudacorus und Kurzkronige Trollblumen mit ihrer leuchtenden Frühlingsblüte, Sumpf-Wolfsmilch mit säuerlich grünem Flor sowie Etagen-Primeln. Entdecken Sie die prächtige, edle weiße Blüte des Bitterklees, Menyanthes trifoliata.
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Menyanthes trifoliata, Dactylorhiza praetermissa, Primula japonica ‚Alba‘, Euphorbia palustris ‚Walenburg’s Glory‘, Iris pseudacorus und Epipactis gigantea
Nützliche Ressourcen
- Entdecken Sie unser Sortiment an Fingerwurz und unser gesamtes Sortiment an Gartenorchideen
- Unser ausführliches Merkblatt: „Gartenorchideen: Pflanzen, Kultivieren und Pflegen“
- Lesen Sie auch Oliviers Ratgeber: „Winterharte Orchideen für den Garten“
- Die Website der Fédération France Orchidées
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