Flechten an Bäumen: Grund zur Sorge?
Nein, überhaupt nicht!
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Keine Sorge: Flechten sind keine Baumparasiten. Sie nutzen Bäume nur als Halt. Entfernen unnötig: Flechten sind wichtig für Natur und Luftqualität.
Was ist Flechte?
Flechten – genauer gesagt gibt es fast 20.000 beschriebene Arten (und jedes Jahr werden Hunderte weitere entdeckt!) – sind symbiotische Organismen aus einem „Algenanteil“ (seltener auch einem Cyanobakterium) und einem „Pilzanteil“.
Der Pilzanteil macht etwa 90 % der Flechte aus: Er gibt der Flechte ihre Struktur und Form und schützt die Alge vor der Außenwelt. Der Pilz versorgt die Alge mit Wasser und Mineralsalzen, die sie zum Überleben braucht. Außerdem übernimmt der Pilz die Fortpflanzung. Deshalb ordnen Wissenschaftler Flechten dem Reich der Fungi, also der Pilze, zu.
Der Algenanteil wiederum ernährt das symbiotische Duo durch Photosynthese. So trägt die Alge mit den nötigen Zuckern zum Wachstum des Pilzes bei.
Letztlich profitieren beide Partner davon. Deshalb spricht man von einer symbiotischen Lebensgemeinschaft.
Hinweis: Verwechseln Sie Flechten nicht mit Moosen! Die Moose oder Bryophyten sind ursprüngliche Pflanzen und gehören zum Pflanzenreich. Moose betreiben Photosynthese, besitzen aber weder spezialisierte Gewebe für den Transport von Nährstoffen und Wasser noch echte Wurzeln. Wie die Flechte sind Moose für den Baum, auf dem sie wachsen, jedoch keineswegs schädlich.

Flechten treten in sehr unterschiedlichen Formen und Farben auf
Flechten an Bäumen: Ist das schlimm?
Ganz und gar nicht! Im Gegenteil! Das bedeutet lediglich, dass die Natur in Ihrem Garten intakt ist.
Flechten sind keine Parasiten. Sie nutzen die Rinde von Bäumen und Sträuchern ausschließlich, um sich daran festzuhalten – so wie sich manche Flechten beispielsweise auf Beton oder Gestein ansiedeln. Flechten siedeln sich bevorzugt an alten Stämmen oder älteren Zweigen an: ganz einfach, weil diese kaum noch oder gar nicht mehr wachsen. So entstand der Irrglaube, Flechten würden Bäume absterben lassen. Das stimmt nicht. Sie begleiten den Baum lediglich in seinem letzten Lebensabschnitt. Außerdem siedeln sich Flechten aus demselben Grund auf langsam wachsenden Gehölzen an.
Hinweis: Wenn Sie dennoch etwas Flechte vom Stamm eines Baumes entfernen möchten, um beispielsweise im Winter seine schöne Rinde sichtbar zu machen, verwenden Sie Bürsten aus Reishalmen oder mit harten Kunststoffborsten. Verzichten Sie auf Metallbürsten, die bei zu starkem Druck die Rinde beschädigen!

Flechten erscheinen an alten Bäumen
Flechten in der Natur: ihre Rolle
Wie jedes Lebewesen hat auch die Flechte ihren Platz in der Natur und somit in Ihrem Garten. Zudem ist sie für die Biodiversität sehr nützlich.
- Unterschlupf für Tiere und einige Pilze: Das wird Flechten häufig vorgeworfen. Flechten bieten einer Vielzahl von Insekten und Pilzen Unterschlupf, die teilweise Krankheiten bei Gartenpflanzen verursachen können. Ein Garten ist jedoch kein keimfreies Labor! Die in den Flechten lebenden Insekten werden ohnehin von insektenfressenden Vögeln (Meisen, Rotkehlchen, Grasmücken …), anderen Insekten und Spinnen gefressen. Die Pilze wiederum stellen kein Problem dar, wenn Ihre Bäume gesund sind und in einem passenden Boden und an einem geeigneten Standort wachsen. Beunruhigen wir uns im Garten also nicht wegen jeder Kleinigkeit und lassen wir der Natur ihren Lauf!;
- Nahrung: Flechten dienen Rentieren und Karibus als Nahrung (letztere sind in unseren Gärten allerdings eher selten …). Vor allem sind Flechten die ausschließliche Nahrung mehrerer Raupen von Nachtfalterarten, die früher als „Flechtenbären“ bezeichnet wurden, etwa von Catocala nupta;
- Erster Bestandteil eines Bodens: Als Pedogenese bezeichnet man die natürlichen Prozesse, die zur Bildung eines Bodens führen. Die Ansiedlung von Flechten ist der erste Schritt zur Bodenbildung, wenn man vom Ausgangspunkt Gestein ausgeht. Die Flechte wächst auf einem Gestein (dabei handelt es sich nicht um dieselben Arten wie bei den auf Baumrinde wachsenden Flechten), stirbt teilweise ab und zersetzt sich langsam. Außerdem verwittert sie bereits zu Lebzeiten mithilfe ihrer Flechtensäuren einen Teil des Gesteins. Dadurch können sich weitere Lebewesen ansiedeln: Moose und erste Farne, die sich später ebenfalls zersetzen und eine Art Blumenerde bilden, in der sich höhere Pflanzen ansiedeln können. So entsteht nach und nach ein Boden;
- Bioindikatoren: Flechten sind gegen fast alles widerstandsfähig (Hitze, Trockenheit, Kälte …), außer gegen Umweltverschmutzung, insbesondere durch Schwefeldioxid. Daher deuten zahlreiche Flechten – vor allem, wenn Sie das Glück haben, mehrere verschiedene Arten an Ihren Bäumen und Mauern zu entdecken – auf eine gute Luftqualität bei Ihnen hin.
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