Muss man Bäume grundsätzlich stützen?“ Das ist eine gute Frage! Seit jeher schien die Antwort eindeutig zu sein: Man pflanzt einen Baum. Man bringt eine Stütze an. Fertig. Nach neuesten Erkenntnissen brauchen Bäume eine solche Stütze jedoch nicht immer. Schlimmer noch: Manche Fachleute sind sogar der Ansicht, dass sich nicht gestützte Bäume besser entwickeln als ihre mit einer Krücke versehenen Artgenossen.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Die ersten haben jedoch mit dem Gärtner selbst zu tun …

Achtung beim Stützen Ihrer Bäume!

Beim Stützen kommt es auf die richtige Vorgehensweise und das passende Material an! Hier sind die wichtigsten Fehler, die Sie vermeiden sollten:

  • Die Stütze wird wie ein Rammbock durch den Wurzelballen oder direkt in die Wurzeln getrieben: Wenn Sie einen jungen Baum stützen, vermeiden Sie Verletzungen der Wurzeln. Bringen Sie die Stütze deutlich außerhalb des Wurzelballens an! Am einfachsten ist es, die Stütze oder Stützen vor dem Pflanzen des Baumes aufzustellen. 
  • Es werden Bänder verwendet, die die Rinde des jungen Baumes verletzen können: Verwenden Sie nach Möglichkeit nur natürliche oder für die Rinde „weiche“ Materialien!  Es gibt dafür geeignete Systeme. Auch Gummi, etwa alte Fahrradschläuche, ist eine hervorragende Lösung. Verzichten Sie unbedingt auf Draht oder andere starre Materialien und ziehen Sie die Bänder nicht zu fest an! Der Baum muss gehalten, darf aber nicht eingeschnürt werden. Lockern und verschieben Sie die Bänder daher während des Wachstums gelegentlich. 
  • Die Stütze wird nicht entfernt: Im ersten Jahr nach dem Einrichten meines Gartens habe ich persönlich Dutzende alter Stützen von Bäumen und Sträuchern entfernt, die dort seit Jahrzehnten vergessen worden waren. Außerdem handelte es sich um alte, verrostete Eisenstangen, die mit Kunststoffschnur befestigt waren … Vergessen Sie niemals, die Stütze spätestens ein Jahr nach dem Aufstellen zu entfernen! Wenn Sie länger warten, können Sie die Wurzeln des Baumes verletzen. 

Eine Stütze ist nicht immer sinnvoll

Neuere Studien haben gezeigt, dass es einem Baum manchmal schadet, wenn er kurz nach dem Pflanzen zu fest fixiert wird. Denn junge Bäume müssen sich im Wind ein wenig bewegen können. So entwickeln sie ein sehr kräftiges Wurzelsystem mit Wurzeln, die tiefer im Boden verankert werden.

Außerdem bildet der Baum einen dickeren und widerstandsfähigeren Stamm gegen verschiedene äußere Einflüsse. Schon in jungen Jahren entwickelt er außerdem mehr Zweige. Auch das zeigt, dass eine Stütze nicht zwingend erforderlich ist – ganz im Gegenteil.

Wenn Sie auf eine Stütze verzichten möchten, müssen Sie den Baum richtig pflanzen! Setzen Sie den Wurzelballen oder die Wurzeln gut auf dem Grund des ausgehobenen Pflanzlochs ab. Treten Sie den Boden anschließend sorgfältig fest. Wenn Sie dies beachten, wird sich Ihr Baum im Wind nicht zu stark bewegen. Selbst wenn er im ersten Jahr ein wenig schief wirkt, wird er sich später wahrscheinlich wieder aufrichten.

Wann eine Stütze jedoch notwendig sein kann

Seien wir ehrlich: Unter besonderen Umständen kann eine Stütze notwendig sein:

  • Wenn das Grundstück ein Gefälle aufweist, das an das Plateau de Beille oder den Col d'Aubisque erinnert: Eine gute Stütze sorgt dafür, dass der Baum unabhängig vom Gefälle gerade wächst. 
  • Wenn Ihr Garten so stark vom Wind heimgesucht wird, dass auch der Gärtner gestützt werden müsste.
  • Wenn Sie einen großen Baum mit einem im Verhältnis zu seinen Zweigen kleinen Wurzelsystem pflanzen. Das ist besonders bei Bäumen mit nackten Wurzeln der Fall. Ohne Stütze wäre Ihr Baum dann wie ein Mensch mit einem großen Kopf und kleinen Füßen. Schon beim kleinsten Windstoß würde er umfallen! 
  • Wenn die „Krone“ bereits hoch an einem sehr dünnen, zu dünnen Stamm sitzt : Hier kommt es auf den Einzelfall an. Manchmal erkennen Sie schnell, dass Ihr junger Baum ohne Stütze beim ersten starken Windstoß entzwei brechen wird. Das kann durchaus erwünscht sein, wenn Sie eine Rebe erziehen möchten. Achten Sie beim Kauf immer darauf, dass der Baum gut ausgewogen ist.

Ollis kleiner Tipp: Wenn Sie geduldig, sparsam oder wie ich beides sind, können Sie auch sehr junge Bäume pflanzen. Sie sind natürlich beim Kauf günstiger, aber das ist nicht ihre einzige Stärke. Das Pflanzen ist für einen Baum eine traumatische Erfahrung, besonders wenn er aus einem Einschlag in der Baumschule herausgenommen wurde. Wird er bereits in jungen Jahren gepflanzt, hat er bessere Chancen, sich davon zu erholen. Außerdem haben junge Bäume kein Problem mit einem Wurzelring, wie er bei Pflanzen in Containern vorkommen kann. Sie sind zudem weniger empfindlich gegenüber Witterungseinflüssen und besser im Boden verankert. Schließlich lassen sich kleine, einjährige Bäume leichter pflanzen und transportieren als ein großes, fünfjähriges Exemplar. Letztlich glaubt man, mit dem Pflanzen bereits großer Bäume Zeit zu gewinnen. Doch junge Bäume, die gleichzeitig gepflanzt werden, holen ihre größeren Artgenossen bei Höhe und Umfang schnell ein. Dabei sind sie beim Anwachsen weniger anspruchsvoll.

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Entdecken Sie Ollis Tipps – oder besser gesagt seinen Artikel „Wie Sie das Pflanzen Ihrer Bäume in 5 Lektionen garantiert falsch machen“.