Wenn Sie leidenschaftlich gerne gärtnern und nach neuen Möglichkeiten suchen, den verfügbaren Platz optimal zu nutzen und zugleich schmackhafte Früchte zu ernten, sollten Sie die Erziehung eines Obstbaums zum Kordon kennenlernen. Diese traditionelle Methode stammt aus der französischen und britischen Obstbaukultur. Sie ermöglicht Ihnen einen höheren Ertrag und verleiht Ihrem Garten zugleich eine besondere dekorative Note. Schärfen Sie also Ihre Gartenschere und ziehen Sie Ihre Handschuhe an. Wir tauchen nun in die faszinierende Welt der Kordon-Erziehung ein!

Was ist die sogenannte Kordonform?

Der Erziehungsschnitt zum Kordon wurde speziell für Obstbäume entwickelt, insbesondere für Apfelbäume und Birnbäume oder auch für Weinreben (Kordon-Schnitt nach Royat). Diese Methode eignet sich ideal, um in kleinen Gärten möglichst viele Früchte zu ernten. Sie ermöglicht es, das vertikale und horizontale Wachstum des Baums zu steuern. Durch einen gezielten Rückschnitt erhält der Baum eine lineare, horizontale Form, die einem „Kordon“ ähnelt. Daher stammt der Name dieser Erziehungsform.

Die Kordon-Erziehung bietet Ihnen mehrere Vorteile. Zunächst fördert diese Methode eine bessere Luftzirkulation und eine stärkere Sonneneinstrahlung. Beides schafft optimale Bedingungen für die Entwicklung der Früchte. Außerdem erleichtert sie die Pflege und die Ernte erheblich, da die Früchte besser erreichbar sind. Sie ist auch eine clevere Lösung für beengte Bereiche wie Terrassen oder Balkone. Dort reicht der Platz für groß werdende Bäume oft nicht aus.

Allerdings erfordert die Kordon-Erziehung eine sorgfältige Pflege und gute Kenntnisse im Rückschnitt von Obstbäumen. Ein falscher Schnitt kann zu einem unausgewogenen Wachstum führen oder sogar die Gesundheit des Baums beeinträchtigen. Befolgen Sie deshalb die bewährten Regeln des Obstbaumschnitts. Lassen Sie sich bei Bedarf von Experten beraten, die Ihre individuelle Situation berücksichtigen können.

Die verschiedenen Kordonformen

Die Kordon-Erziehung bietet mehrere Varianten, die sich an die besonderen Bedingungen jedes Gartens anpassen lassen. Zu den häufigsten Formen gehören der einfache Kordon und der Doppel-Kordon.

Der einfache Kordon besteht aus einem einzigen Haupttrieb, der sich horizontal ausbreitet. Häufig wird er an einem Spalier oder einer anderen Konstruktion befestigt. Diese Form eignet sich besonders für sehr schmale Gärten oder für die Erziehung von Obstbäumen an einer Mauer. Der einfache Kordon lässt sich außerdem leichter pflegen, da weniger Rückschnitt und weniger Zweigerziehung erforderlich sind. Der gesamte Baum erhält mehr Sonne, wodurch die Früchte schneller reifen können.

Obstbaum zum einfachen Kordon erziehen
Einfacher Kordon

Dagegen besitzt der Doppel-Kordon einen Mitteltrieb, aus dem sich zwei waagerechte Hauptzweige entwickeln. Dank der größeren Zahl an Fruchtknospen ermöglicht diese Form einen etwas höheren Ertrag. Sie benötigt jedoch mehr Platz und eine sorgfältigere Pflege, damit beide Arme gleichmäßig wachsen. Auch beim Rückschnitt ist besondere Sorgfalt erforderlich. Andernfalls kann einer der beiden Arme stärker wachsen als der andere und den Baum aus dem Gleichgewicht bringen.

Obstbaum zum Doppel-Kordon erziehen
Doppel-Kordon

Es gibt weitere Varianten der Kordon-Erziehung, die sich für unterschiedliche Platzverhältnisse und Anforderungen eignen. Beim schrägen Kordon, auch geneigter Kordon genannt, wird der Haupttrieb in einem bestimmten Winkel statt vollständig waagerecht erzogen. Diese Methode fördert die Fruchtbildung entlang des Triebs besonders gut, da sie eine natürlichere Wuchsform des Baums nachahmt.

Eine weitere interessante Variante ist der Spiralkordon. Dabei wird der Haupttrieb spiralförmig um eine Stütze geführt. Diese Methode kommt häufig bei Weinreben zum Einsatz, lässt sich aber auch auf bestimmte Obstbäume anwenden. Sie nutzt den verfügbaren Raum in der Höhe sehr effizient. Das kann in Gärten mit begrenzter Beetfläche besonders vorteilhaft sein.

Welche Obstbäume lassen sich als Kordon erziehen?

Die Kordon-Erziehung eignet sich besonders gut für bestimmte Obstbäume. Apfelbäume und Birnbäume werden für diese Erziehungsform am häufigsten gewählt. Auch andere Obstbäume lassen sich erfolgreich als Kordon erziehen. Dazu gehören Kirschbäume, Pflaumenbäume, Aprikosenbäume, Pfirsichbäume, Mandelbäume und sogar bestimmte Zitrusfrüchte. Auch Fruchtsträucher wie Johannisbeere und Schwarze Johannisbeere können als Kordon erzogen werden, auch wenn dies weniger verbreitet ist. Nicht zuletzt eignet sich auch die Weinrebe sehr gut für diese Erziehungsform.

Jeder Obstbaum hat eigene Bedürfnisse und Eigenschaften. Diese beeinflussen, wie er auf die Kordon-Erziehung reagiert. Schnell wachsende Apfelbäume müssen beispielsweise häufiger geschnitten werden, damit sie ihre gewünschte Form behalten. Birnbäume wachsen meist langsamer und benötigen daher weniger Eingriffe.

Auch die Wahl der Unterlage ist sehr wichtig, da sich manche Unterlagen besser für ein kontrolliertes Wachstum eignen als andere. Schwach wachsende Unterlagen sind für Kordonformen besonders geeignet. Sie erleichtern es, die Größe des Baums zu begrenzen. Außerdem fördern sie einen früheren Ertrag. Das ist ein großer Vorteil, wenn Sie möglichst bald Früchte ernten möchten. Für Apfelbäume werden Unterlagen wie M9 oder M26 häufig für die Kordon-Erziehung empfohlen. Bei Birnbäumen ist Quitte C wegen ihres schwachen Wachstums und ihrer guten Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Bodenverhältnisse eine beliebte Wahl.

Kordon-Erziehung beim Apfelbaum: einen Apfelbaum als Kordon erziehen

Wie erzieht man einen Obstbaum als Kordon?

Apfelbaum als einfacher Kordon

Entfernen Sie nach der Pflanzung die meisten Seitentriebe und lassen Sie nur einen Haupttrieb stehen. Befestigen Sie diesen an einer stabilen waagerechten Stütze, zum Beispiel an einem zwischen zwei Pfosten gespannten Draht oder an einem Spalier. Der Haupttrieb soll waagerecht statt in die Höhe wachsen. Befestigen Sie ihn sicher, aber nicht zu fest, damit er nicht beschädigt wird.

Führen Sie den Rückschnitt am besten am Ende des Winters durch, wenn der Baum in Dormanz ist. Entfernen Sie die Seitentriebe, die sich entlang des Haupttriebs entwickeln, und lassen Sie nur die Fruchtknospen stehen. Diese Knospen bilden in der folgenden Saison Früchte. Entfernen Sie außerdem alle aufrecht wachsenden Triebe. So konzentriert der Baum seine Energie auf die Fruchtbildung statt auf das Höhenwachstum.

Apfelbaum als Doppel-Kordon

Lassen Sie bei der Pflanzung etwa einen Meter Abstand zwischen den Bäumen, wenn Sie mehrere Doppel-Kordons anlegen möchten. Entfernen Sie nach der Pflanzung alle Seitentriebe und lassen Sie nur den Haupttrieb stehen. Lassen Sie diesen im ersten Jahr senkrecht wachsen und stützen Sie ihn mit einem stabilen Pfahl.

Wählen Sie im Winter, wenn der Baum in Dormanz ist, zwei gegenständige Zweige nahe der Spitze des Haupttriebs aus, die später die beiden Kordonarme bilden. Schneiden Sie alle anderen Zweige zurück, damit die Pflanze ihre Energie in diese beiden Arme lenkt. Befestigen Sie die ausgewählten Zweige anschließend an einer waagerechten Stütze, zum Beispiel an einem Draht oder einem Spalier. So können sie sich zu beiden Seiten des Haupttriebs horizontal weiterentwickeln.

Apfelbaum als schräger Kordon

Schneiden Sie nach der Pflanzung alle Seitentriebe zurück und lassen Sie nur den Haupttrieb stehen. Befestigen Sie ihn mit weichen, aber stabilen Bindematerialien an der geneigten Stütze. Befestigen Sie den Haupttrieb während des weiteren Wachstums nach und nach entlang der Stütze. Folgen Sie dabei dem vorgesehenen Neigungswinkel.

Obstbaum-Kordons erziehen
Apfelbäume als schräge Kordons (© aitoff – Pixabay)

Pflege eines Obstbaums als Kordon

Neben der üblichen Pflege eines Obstbaums wie Gießen, Düngen und Pflanzenschutz ist der Rückschnitt ein entscheidender Bestandteil der Kordonpflege. Führen Sie ihn während der Dormanz durch, bei Apfel- und Birnbäumen beispielsweise am Ende des Winters. Entfernen Sie alle aufrecht wachsenden Triebe und Zweige, die der Hauptachse Nährstoffe entziehen könnten. Schneiden Sie auch die Seitentriebe zurück. Lassen Sie nur die Fruchtknospen stehen, um die Fruchtbildung zu fördern.

Kontrollieren Sie außerdem regelmäßig die Bindungen und das Stützsystem des Baums. Beides muss stabil und intakt sein, damit es das Wachstum des Baums und das Gewicht der Früchte sicher trägt.

Benötigtes Material

  • Gartenschere: zum Schneiden der Zweige und Seitentriebe.
  • Baumsäge: für größere Schnitte oder zum Entfernen dickerer Zweige.
  • Stützpfahl: zur Unterstützung des Haupttriebs während der ersten Wachstumsphasen.
  • Draht oder Spalier: als waagerechte Stütze, um das Wachstum des Baums zu lenken.
  • Weiche Bindematerialien: zum Befestigen des Haupttriebs und der Zweige an der Stütze, ohne sie zu beschädigen.
  • Gartenhandschuhe: zum Schutz Ihrer Hände beim Rückschnitt und bei anderen Arbeiten.
  • Maßband oder Lineal: zum Messen der Abstände bei der Pflanzung, insbesondere wenn Sie mehrere Bäume als Kordon pflanzen.
  • Pflanzenetiketten: zum Kennzeichnen der Sorten und zum Notieren der Pflegemaßnahmen für die einzelnen Bäume.