Hier sehen Sie zwei Stauden, die sich umarmen – spontan eingefangen im späten Frühjahr. Die pflaumenrosa Blüten des Mohns 'Patty's Plum' harmonieren perfekt mit dem dunklen Laub des Bronze-Fenchels. Die Farben passen wunderbar zusammen, während das zarte, luftige Laub des Fenchels einen reizvollen Kontrast zu den schweren, symmetrischen Blüten des Orientalischen Mohns bildet. Hier ist eine ebenso ästhetische wie kontrastreiche Szene zu sehen, wie sie viele Gärtnerinnen und Gärtner zu gestalten wissen. Doch so schön sie auch ist, diese Kombination ist dem Zufall zu verdanken … oder besser gesagt einem „kontrollierten Zufall“. Ich erkläre Ihnen, was dahintersteckt:

Frühlingsszene mit Mohn 'Patty's Plum' und Bronze-Fenchel

Die pflaumenrosa Blüten des Mohns 'Patty's Plum' harmonieren wunderbar mit dem fein geschlitzten Laub des Bronze-Fenchels

In diesem großen Beet herrscht eine geradezu militärische Ordnung. Sträucher und Stauden wurden entsprechend ihrer Größe, Blütezeit und Farbe an einem genau festgelegten Standort gepflanzt. Sie blühen zur gewünschten Zeit und entwickeln sich in der vorgesehenen Größe, sodass dem Zufall kaum Raum bleibt. Doch so schön diese Gestaltung auch ist – ähnlich wie die alte Tapete im Esszimmer – wird sie mit der Zeit langweilig.

Option Nr. 1: Ich entferne die gesamte Tapete. Ja, aber das ist langwierig und mühsam, und dafür fehlt mir das Budget.

Option Nr. 2: Ich stelle alle Möbel um und ordne den Raum neu. Ja, aber in einem Jahr wird mir auch das wieder langweilig.

Option Nr. 3: Ich schmücke die Tapete mit sorgfältig ausgewählten, leichten und beweglichen Dekorationselementen, ohne die Harmonie – oder meinen Geldbeutel – völlig auf den Kopf zu stellen.

Der Fenchel war meine Option Nummer 3: eine „echte Schein-Staude“, die aus folgenden Gründen sehr nützlich ist:

Eine Staude ist eine Pflanze, die länger als drei Jahre leben kann. Die große Mehrheit wird problemlos 20, 50 oder sogar 100 Jahre alt, doch einige Arten erreichen kaum mehr als drei bis vier Jahre Lebensdauer. Der Fenchel ist, ebenso wie die Echte Engelwurz, der Baldrian und die Nachtviole, eine kurzlebige Staude. Er bleibt nicht sehr lange am selben Standort und sät sich mehr oder weniger weit von der Mutterpflanze entfernt selbst aus, nur selten jedoch genau an derselben Stelle. Er ist eine wandernde Staude, die nicht dauerhaft an ihrem Platz bleibt, wie es beispielsweise eine Aster, eine Flammenblume oder in meinem Fall ein Mohn tut. Deren Wurzelstock wird zwar größer, bleibt aber immer am selben Standort.

In einem eingewachsenen Beet ist diese Bewegung interessant, denn sie schafft eine geordnete Unordnung. Dieses Konzept ist in einem naturnahen Garten oder einer Wiesenpflanzung besonders beliebt. Doch Vorsicht: So interessant diese wandernden Stauden auch sind, sollten Sie sie in einem bereits eingewachsenen Beet nur sparsam einsetzen. Andernfalls können die Selbstaussaaten zu zahlreich und nur schwer zu kontrollieren sein.