Lippenfarn: Pflanzen, Kultivieren und Pflegen

Lippenfarn: Pflanzen, Kultivieren und Pflegen

Inhaltsverzeichnis

Geändert der 19. Oktober 2025  durch Alexandra 10 min.

Lippenfarn kurz erklärt

  • Der Lippenfarn ist trockenheitsverträglich!
  • Er bildet Horste aus schönen, weich behaarten, graugrünen Wedeln
  • Dieser seltene Farn ist in Gärten kaum zu sehen
  • Er liebt sonnige Standorte und steinige, sehr drainierende Böden
  • Er findet leicht Platz in einer sonnigen Steingartenanlage oder auf einer Steinmauer
Schwierigkeit

Das Wort unserer Expertin

Cheilanthes: winterharter Farn für Sonne und Trockenheit. Tipps zu Standort, Pflanzung, Begleitpflanzen und Vermehrung.

Botanisch

Steckbrief

  • Gebräuchlicher Name Cheilanthes, Lippenfarn
  • Blüte keine
  • Höhe 20 bis 40 cm
  • Exposition volle Sonne oder Halbschatten
  • Art des Bodens drainierend, steinig, eher trocken
  • Winterhärte bis -15 °C, teils -20 °C

Cheilanthes sind Farne, die an Sonne und Trockenheit angepasst sind. Am häufigsten kultiviert wird Cheilanthes lanosa, tatsächlich gibt es jedoch 176 Cheilanthes-Arten. Die große Mehrheit stammt aus tropischen Regionen und eignet sich unter unserem Klima nicht für die Kultur im Freien. Cheilanthes lanosa, C. fragrans, C. argentea und C. tomentosa sind jedoch gut winterhart und können problemlos im Garten gepflanzt werden. Sie vertragen Temperaturen zwischen -15 und -20 °C.

Cheilanthes lanosa stammt aus dem Süden der USA und dem Norden Mexikos, wo er in trockenen, felsigen Lebensräumen wächst. Häufig findet man ihn in Felsspalten. Das erklärt seine Vorliebe für eher trockene, sehr durchlässige, steinige Böden.

Cheilanthes gehört zur großen Gruppe der Pteridophyten, zu der unter anderem Farne, Schachtelhalme und Moosfarne zählen. Es handelt sich um eine eigenständige Gruppe im Pflanzenreich. Diese Pflanzen bilden weder Blüten noch Samen, sondern vermehren sich über Sporen – eine Art Staub, der von den Wedeln getragen wird und bei Wasserzufuhr keimt. Farne haben ihr eigenes Vokabular: Man spricht nicht von Blättern, sondern von Wedeln, und sie bilden keine Samen, sondern Sporen.

Botanische Illustration von Cheilanthes argentea

Cheilanthes argentea: Botanische Illustration

Unter den Farnen gehört Cheilanthes zur Familie der Pteridaceae, ebenso wie Adiantum und Coniogramme emeiensis, die ebenfalls wegen ihres Zierwerts geschätzt werden.

Cheilanthes bleibt eher klein: Dieser Farn wird 20 bis 40 cm hoch. Er entwickelt sich aus einem Rhizom und bildet dichte Horste aus aufrechten Wedeln.

Die Wedel von Cheilanthes sind mit silbrig-weißen Haaren bedeckt. Daher trägt dieser Farn den Artnamen lanosa, lateinisch für wollig. Die Haare helfen der Pflanze, Trockenheit zu widerstehen, indem sie Tau auffangen und die Verdunstung sowie damit den Wasserverlust begrenzen. Zudem reflektiert ihre silbrig-graue Farbe die Sonnenstrahlen.

Cheilanthes bildet fein gegliederte Wedel an glänzend schwarzen Blattstielen. Die Blattspreite ist auf der Oberseite graugrün und auf der Unterseite silbrig-grau. Sie ist mit weiß-grauen Haaren bedeckt. Die Wedel werden 15 bis 30 cm lang. Sie bleiben das ganze Jahr über, auch im Winter, an der Pflanze. Neue Wedel erscheinen eingerollt wie ein eingerollter Farnwedel und entfalten sich nach und nach.

Cheilanthes argentea hat auf der Unterseite silberweiße, sehr dekorative Wedel, die besonders gut sichtbar sind, wenn sie sich bei Trockenheit einrollen.

Das Laub von Cheilanthes

Die Wedel von Cheilanthes lanosa, Cheilanthes tomentosa (Foto Megan Hansen) und Cheilanthes feei (Foto Stan Shebs)

Bei Trockenheit rollen sich die Wedel von Cheilanthes ein, um Wasserverluste zu begrenzen. Sie wirken vertrocknet, nehmen jedoch ihre ursprüngliche Form und Farbe wieder an, sobald es erneut regnet. Man bezeichnet die Wedel als wiederbelebungsfähig. Dasselbe Phänomen zeigt die Rose von Jericho, Selaginella lepidophylla.

Cheilanthes bildet im Sommer und Herbst Sporen, über die er sich vermehrt. Sie befinden sich in kleinen, Sori genannten Säckchen. Diese sind rostfarben und sitzen auf der Unterseite der Wedel, teilweise vom umgebogenen Rand der Blattspreite bedeckt. Sobald sie reif sind, öffnen sie sich und setzen die Sporen frei. Die staubfeinen Sporen werden leicht vom Wind verbreitet. Bei Wasserzufuhr keimen sie im Boden und bilden Prothallien – winzige Zwischenorganismen, die die Fortpflanzungsorgane tragen. Wasser ermöglicht die Befruchtung, anschließend entsteht ein neuer Cheilanthes in der uns bekannten Form.

Sori und Sporen von Cheilanthes

Die auf der Wedelunterseite sitzenden Sori sind kleine Säckchen, die die Sporen zur Vermehrung der Farne enthalten. Hier Cheilanthes sieberi (Foto Harry Rose) und Cheilanthes austrotenuifolia (Foto David Francis)

Die wichtigsten Lippenfarn-Arten

Beliebteste Sorten

Cheilanthes lanosa - Lippenfarn

Cheilanthes lanosa - Lippenfarn

Der Lippenfarn mit der häufigsten Kultivierung. Er bildet immergrüne, graugrüne Wedel mit silberweißen Haaren, die ihn vor Sonne und Trockenheit schützen.
  • Höhe bei Reife 30 cm

Neben dem Lippenfarn lanosa werden auch Lippenfarn tomentosa, C. argentea und C. fragrans kultiviert. Sie sind relativ winterhart und können in drainierendem Boden ins Freiland gepflanzt werden.

Pflanzung

Wo pflanzen?

Im Gegensatz zu den meisten Farnen ist der Lippenfarn keine Pflanze für feuchte, schattige Standorte. Pflanzen Sie ihn am besten in voller Sonne, eventuell auch im lichten Schatten. Er benötigt sehr viel Licht. Ideal ist ein sonniger Steingarten. Sie können ihn auch in eine Trockenmauer, eine künstliche Geröllfläche oder einen Kiesgarten pflanzen. Die Kultur in einem solchen mineralischen Umfeld schützt ihn vor der Staunässe, die er nicht verträgt. In jedem Fall muss der Boden gut drainierend sein. Pflanzen Sie ihn ruhig auf einen kleinen Hügel oder in einen erhöhten Steingarten, damit das Wasser gut abfließen kann.

In regenreichen Regionen können Sie den Lippenfarn im Topf kultivieren und ihn im Winter leicht vor Regen schützen. Wählen Sie ein drainierendes Substrat, zum Beispiel Blumenerde mit grobem Sand.

Was den pH-Wert betrifft, bevorzugt Lippenfarn lanosa leicht saure oder neutrale Böden, während Lippenfarn argentea kalkhaltige Substrate schätzt.

Wann pflanzen?

Wir empfehlen, den Lippenfarn vorzugsweise im Frühjahr zu pflanzen, etwa im April.

Wie pflanzen?

Pflanzen Sie den Lippenfarn gern in Gruppen von drei bis fünf Jungpflanzen, um eine schönere Wirkung zu erzielen.

  1. Heben Sie ein Pflanzloch aus, das etwa doppelt so groß wie der Wurzelballen ist, oder schaffen Sie ihm zwischen den Steinen im Steingarten etwas Platz.
  2. Füllen Sie drainierendes Substrat ein, zum Beispiel eine Mischung aus Gartenerde und grobem Sand oder feinem Kies, der das Versickern des Wassers im Boden beschleunigt.
  3. Nehmen Sie den Lippenfarn aus dem Topf und pflanzen Sie ihn ein.
  4. Füllen Sie das Pflanzloch, indem Sie etwas Erde um den Wurzelballen geben.
  5. Drücken Sie die Erde leicht an.
  6. Gießen Sie.

Gießen Sie in den folgenden Wochen weiterhin einige Male, wenn es nicht regnet.

Die Wedel des Farns Cheilanthes lanosa

Cheilanthes lanosa (Foto: Krzysztof Ziarnek)

Pflege

Cheilanthes: pflegeleicht, trockenheits- und winterhart. Vertrocknete Blätter treiben nach Regen neu aus. Vor Nässe und Staunässe schützen; kaum Krankheiten und Parasiten.

Vermehrung

Die einfachste und schnellste Methode zur Vermehrung des Lippenfarns ist die Teilung der Horste.

Horstteilung

Da sich der Lippenfarn aus Rhizomen entwickelt, können die Horste problemlos geteilt werden.

  1. Wählen Sie einen gut entwickelten, etwas ausladenden Horst des Lippenfarns.
  2. Graben Sie großzügig um den Horst herum, um Rhizom und Wurzeln unbeschädigt auszugraben.
  3. Entfernen Sie bei Bedarf überschüssige Erde, um das Rhizom freizulegen.
  4. Teilen Sie es sauber in mehrere Abschnitte. Jeder Abschnitt muss Wedel und Wurzeln haben.
  5. Pflanzen Sie die Teilstücke sofort wieder ein und gießen Sie sie.

Aussaat

Sie können auch die Sporen des Lippenfarns ernten und säen. Diese Methode ist jedoch langwieriger und anspruchsvoller als die Teilung.

  1. Ernten Sie die Sporen des Lippenfarns, sobald sie reif sind. Dann lösen sie sich von selbst.
  2. Wählen Sie ein durchsichtiges Gefäß aus Kunststoff oder Glas.
  3. Füllen Sie es mit einer Mischung aus Blumenerde und gesiebtem grobem Sand.
  4. Feuchten Sie das Substrat an.
  5. Stellen Sie das Gefäß mit dem Substrat 10 Minuten in die Mikrowelle, um es zu sterilisieren. So verhindern Sie später das Auftreten von Pilzen oder Moos.
  6. Verteilen Sie die Sporen auf der Substratoberfläche, ohne sie zu bedecken!
  7. Decken Sie das Gefäß mit einem durchsichtigen Deckel oder einer Frischhaltefolie ab. So bleibt die Atmosphäre steril und feuchtigkeitsgesättigt.
  8. Stellen Sie die Aussaat an einen hellen Ort ohne direkte Sonne, möglichst bei etwa 16 °C.

Weitere Informationen und Tipps finden Sie in unserem Ratgeber „Wie sät man Farnsporen aus?“.

Kombination

Da Cheilanthes durchlässige, steinige Böden bevorzugt, können Sie ihn problemlos in eine sonnige Steingartenanlage pflanzen. Sie können ihn mit alpinen Steingartenpflanzen kombinieren, zum Beispiel mit Eryngium alpinum, das im Hochsommer eine sehr dekorative, silberblaue Blüte zeigt. Daneben können Sie Alpen-Edelweiß, Stängelloses Leimkraut, Alpen-Aster, Silberdistel und Weiße Silberwurz pflanzen. Entdecken Sie auch den Alpen-Frauenmantel mit seinem herrlichen, handförmigen Laub, das fein in grüne, auf der Unterseite silbrige Fiederblättchen geteilt ist. Entdecken Sie auch unseren Ratgeber „Alpine Stauden“

Inspiration für die Kombination von Cheilanthes im Steingarten

Cheilanthes findet leicht einen Platz in einem Steingarten mit alpinen Pflanzen! Stängelloses Leimkraut, Cheilanthes lanosa (Foto ghislain118), Silberdistel (Foto Orchi), Alpen-Frauenmantel (Foto Udo Schmidt), Spinnweben-Hauswurz und Weiße Silberwurz (Foto Xulescu g.)

Sie können Cheilanthes auch auf eine Trockenmauer pflanzen, zusammen mit Erigeron karvinskianus, Armeria maritima, Gypsophila cerastioides, Iberis sempervirens, Helianthemum und Roter Spornblume, Centranthus ruber. Weitere Ideen für gelungene Kombinationen finden Sie in unserem Ratgeber „10 Stauden für eine schöne Trockenmauer“

Cheilanthes passt auch hervorragend zu sukkulenten, xerophytischen Pflanzen, zum Beispiel zu winterharten Kakteen wie Feigenkakteen oder Cylindropuntia imbricata, zu Agaven, Rauhschopf, Aloe striatula und Hesperaloe parviflora … Cheilanthes findet leicht einen Platz neben Hauswurz (Sempervivum) und Fetthenne.

Sie können Cheilanthes mit den Farnen Asplenium trichomanes und Asplenium ceterach kombinieren. Auch Schaf-Schwingel und Stipa tenuifolia passen gut dazu.

Nützliche Ressourcen

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