Bodenfruchtbarkeit: reich oder arm, woran erkennt man’s?
Die einfachsten Tests und Beobachtungen: Lösungen
Inhaltsverzeichnis
Die Fruchtbarkeit eines Bodens hängt nicht, wie oft behauptet, allein von seinem Stickstoffgehalt ab. Sie ist weitaus komplexer und lässt sich nur schwer genau definieren.
Dennoch lässt sich sagen: Ein fruchtbarer Boden lebt, baut sich nicht zu schnell ab und versorgt viele Pflanzen ohne Mangelerscheinungen oder Krankheiten.
→ Ist Ihr Boden fruchtbar genug? Ist es wirklich sinnvoll, reichlich Dünger auszubringen? In diesem Ratgeber erfahren Sie alles!
Was bedeutet Bodenfruchtbarkeit?
Die Funktionsweise des Bodens ist komplex, und die am wenigsten vage Definition der Bodenfruchtbarkeit könnte folgende sein:
„Die Fähigkeit eines Bodens, die für das Wachstum der Pflanzen erforderlichen physikalischen, chemischen und biologischen Bedürfnisse zu erfüllen und so ihre Produktivität, Fortpflanzung und Qualität angepasst an Pflanzenart, Bodenart, Bodennutzung und klimatische Bedingungen zu gewährleisten.“ (Abbot & Murphy: Soil biological fertility – 2003)
Kurz gesagt lässt sich die Bodenfruchtbarkeit anhand folgender Faktoren definieren:
- Humusgehalt: Humus, die durch die Zersetzung organischer Stoffe entstandene obere Bodenschicht, gibt dem Boden Struktur und speichert Wasser;
- Bodentiefe: genauer gesagt die Tiefe des Unterbodens, der Schicht unter der Ackerkrume. Sie muss für die Wurzelentwicklung der Pflanzen ausreichen;
- Bodenentwässerung: Ein verdichteter, luftarmer Boden ermöglicht keinen guten Transport von Gasen, Wasser oder Nährstoffen;
- Gehalt an verfügbaren Nährstoffen: Pflanzen benötigen Stickstoff, Kohlenstoff und Spurenelemente, um zu wachsen und gesund zu leben. Herrscht im Boden ein Mangel oder sind die Nährstoffe etwa durch Bodenverdichtung oder zu hohe Säure nicht verfügbar, können die Pflanzen nicht normal wachsen;
- Säuregehalt: Die meisten Pflanzen wachsen bei einem pH-Wert zwischen 5,5 und 8 sehr gut;
- Bodenleben: Insekten, Regenwürmer, Mikroorganismen und Mykorrhiza tragen alle zur Entstehung eines fruchtbaren Bodens bei. Ein toter Boden, in dem seine Bewohner nur noch eine ferne Erinnerung sind, wird nicht fruchtbar sein. Es sei denn, man verwandelt ihn mit industriellen Düngemitteln in eine Chemiefabrik …

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Pflanzen beobachten
Um festzustellen, ob ein Boden fruchtbar ist, müssen Sie keine teuren Analysen durchführen. Zunächst können Sie einfach beobachten, was in Ihrem Garten wächst und wie sich diese Pflanzen entwickeln. Die Beobachtung Ihrer Pflanzen liefert wertvolle Hinweise auf den Nährstoffreichtum Ihres Bodens. Ist Ihr Boden reich an Humus, wachsen Ihre Pflanzen schnell und entwickeln ein schönes Laub, ohne übermäßig von Krankheiten oder Schädlingen befallen zu werden.
Beikräuter und heimische Pflanzen beobachten
Pflanzen wachsen nicht zufällig an einem bestimmten Ort. Sogenannte nitrophile heimische Pflanzen gedeihen auf stickstoffreichen Böden: Brennnessel, Gänsefuß, Quecke, Goldnessel, einjähriges Bingelkraut, Bärenklau und Vogelmiere… Wenn diese Pflanzen bei Ihnen in großer Zahl vorkommen, können Sie sicher sein, dass Ihr Boden reich genug ist, um jede beliebige Pflanze wachsen zu lassen.

Einige Beikräuter: Brennnessel, Vogelmiere und Rote Taubnessel
Wasserstoffperoxidtest durchführen
Eine gute Möglichkeit, den Gehalt an organischer Substanz im Boden einzuschätzen, ist ein einfacher Test mit Wasserstoffperoxid (H2O2), das in der Apotheke erhältlich ist.
Es gibt zwei Arten organischer Substanz: stabilen Humus, der sich langsam zersetzt, und leicht abbaubare organische Substanz, die sich schnell zersetzt und den Pflanzen daher rasch Mineralstoffe liefert. Jeder Boden enthält diese beiden Arten organischer Substanz in unterschiedlichen Anteilen.
Für den Test:
Geben Sie etwas Erde auf einen Teller. Träufeln Sie einige Tropfen Wasserstoffperoxid auf die Erde. Drei Reaktionen sind möglich:
- Die Erde schäumt nicht: Es ist viel stabiler Humus, aber nur wenig leicht abbaubare organische Substanz vorhanden. Die Mineralisierung, also der Abbau organischer Substanz zu Mineralstoffen, muss angeregt werden, indem Sie insbesondere die Bodenfauna mit Sauerstoff versorgen, zum Beispiel durch oberflächliches Auflockern des Bodens.
- Die Erde schäumt stark: Die organische Substanz liegt überwiegend in leicht abbaubarer Form vor. Sie zersetzt sich sehr schnell und das C/N-Verhältnis (Kohlenstoff/Stickstoff) ist unausgewogen. Sie müssen Kohlenstoff zuführen: Zweige, Stroh, Holz, Holzhäcksel, unbehandelten Karton…
- Die Erde schäumt wenig: Die organische Substanz ist stabiler und speichert daher mehr Wasser. Dies ist der beste Fall. Das C/N-Verhältnis (Kohlenstoff/Stickstoff) ist vollkommen ausgewogen. Der Boden ist fruchtbar und relativ stabil.
Hinweis: Das Kohlenstoff-Stickstoff-Verhältnis ist ein wichtiger Faktor bei der Beurteilung der Bodenfruchtbarkeit. Es zeigt, wie schnell sich organische Substanz zersetzt. Je höher das C/N-Verhältnis, desto langsamer zersetzt sich die organische Substanz; der entstehende Humus oder Kompost ist dann jedoch besonders stabil. Deshalb wechseln sich beispielsweise in einem Komposthaufen Schichten aus Grünabfällen (Stickstoff) und Schichten aus Braunabfällen (Kohlenstoff) ab.
Boden fruchtbar machen?
Boden verstehen und richtig handeln
Es ist unnötig, einen bereits gedüngten Boden weiter zu düngen, wenn seine Struktur verhindert, dass Nährstoffe zu den Wurzeln unserer Pflanzen gelangen. Zuerst müssen daher die Strukturprobleme behoben und der Boden beispielsweise aufgelockert werden, bevor ein womöglich unnötiger Dünger ausgebracht wird.
→ Einige Anregungen finden Sie in unserem Ratgeber „Gärtnern auf schwerem, feuchtem Boden„.
Außerdem verhindert ein zu saurer Boden, dass Nährstoffe gut zu den Pflanzenwurzeln transportiert werden: Eine Kalkgabe kann hier Abhilfe schaffen. Umgekehrt muss ein zu kalkhaltiger Boden wieder eine gute Humusschicht erhalten, damit er erneut fruchtbar wird.
→ Lesen Sie dazu diese beiden Artikel: „Gärtnern auf saurem Boden“ und „Gärtnern auf kalkhaltigem Boden„.
Organisches Material einbringen
Wir alle wünschen uns einen humusreichen Boden wie im Wald. Doch um einen humusreichen, nährstoffreichen Boden mit einer guten Struktur zu schaffen, die Wasser speichert, ohne es zu stauen, müssen wir die Natur „nachahmen“: Genau das tun auch Anhänger der Agroforstwirtschaft, indem sie den Anbau von Bäumen mit konventioneller Landwirtschaft verbinden und so den Boden vor Schäden schützen. Die Lösung besteht darin, organisches Material in den Boden einzubringen: Laub, Gartenabfälle … sowie gut ausgereiften Kompost oder sogar gut verrotteten Mist.

Gut verrotteter Mist
Gründüngung und andere Bodenbedeckungen
Gründüngung trägt ihren Namen zu Recht. Dabei handelt es sich um Pflanzen, die gesät werden, damit der Boden nicht zu lange unbedeckt bleibt: Rainfarn-Büschelschön, Roggen, Brauner Senf, Rotköpfiger Klee … Wird die Fläche für eine Kultur benötigt, genügt es, die Gründüngung abzuschneiden und in den Boden einzuarbeiten.
Auch andere Bodenbedeckungen wie Grasschnitt, Holzhäcksel, Stroh und Laub schützen den Boden. Sie werden ebenfalls nach und nach durch die Bodenorganismen (Regenwürmer, Insekten, Pilze …), die sich von organischem Material ernähren, in den Boden eingearbeitet.
Sie können einen Teil des ausgelaugten Bodens auch brachliegen lassen. Schon bald werden Pflanzen die Fläche besiedeln und mit der Zeit dazu beitragen, diesen Bereich fruchtbar zu machen.
Fruchtfolge
Im Gemüsegarten ist die Fruchtfolge eine unverzichtbare Methode, um die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten (und vieles mehr!). Hülsenfrüchte aus der Familie der Fabaceae wie Erbsen, Ackerbohnen oder Bohnen können Luftstickstoff binden. Deshalb eignen sie sich hervorragend für den Anbau direkt nach einem stickstoffzehrenden Gemüse wie Zucchini oder anderen Kürbisgewächsen.

Hülsenfrüchte sind eine ausgezeichnete Gründüngung!
Hinweis: Chemische Dünger oder Bodenverbesserer sind keine gute Lösung, um Probleme mit der Bodenfruchtbarkeit mittel- und langfristig zu beheben. Am besten ist es immer, einen natürlichen Boden mit … natürlichen Materialien zu schaffen: Holz, Holzhäcksel, Laub, organische Abfälle …
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Nährstoffarmer Boden kann ein Segen sein
Paradoxerweise ist die botanische Biodiversität und damit auch die daraus entstehende Vielfalt der Tierwelt auf nährstoffreichem Boden stark reduziert. Auf stark gedüngtem oder von Natur aus nährstoffreichem Boden setzen sich nämlich wenige nitrophile Pflanzenarten wie Bärenklau und Brennnesseln durch und verdrängen andere Arten, wodurch die botanische Vielfalt abnimmt.
Manche Naturliebhaber arbeiten hart oder geben ein Vermögen aus, um einen Teil ihres Gartens abzumagern und so einen Bereich mit hoher Biodiversität zu schaffen: einen Biodiversitäts-Hotspot. Wenn Sie also die Natur lieben und einen nährstoffarmen Boden haben, lassen Sie die Korken knallen! Sie können dort eine Magerwiese anlegen oder einfach der Natur ihren Lauf lassen und warten, bis heimische Blumen von selbst bei Ihnen wachsen.
Ein Gemüsegarten auf nährstoffarmem Boden?
Gemüseanbau benötigt viele Nährstoffe, damit wir hochwertige Erzeugnisse erhalten. Stellen Sie sich vor, was eine Zucchini-Jungpflanze in wenigen Tagen „essen“ muss, um ein Gemüse in Armlänge hervorzubringen! Die schnellste Lösung bei nährstoffarmem Boden ist, dort gar nicht anzubauen. Setzen Sie stattdessen auf alternative Anbaumethoden: auf Hügelbeeten, in Lasagnebeeten oder in einem mit Blumenerde gefüllten Hochbeet. Möglichkeiten gibt es genug …

Anlage eines Lasagnebeets für den Gemüseanbau
Pflanzen für magere Böden
Bäume und Sträucher
Einige Bäume und Sträucher wachsen gerne auf nährstoffarmen Böden: Wald-Kiefer, Eiche, Wacholder, Ginster, Felsenbirne, Wolliger Schneeball, Sanddorn, Lavendel …
Nicht zu vergessen mediterrane Kräuter: Thymian, Bohnenkraut, Rosmarin …
Stauden und Einjährige
Viele Blütenpflanzen kommen mit nährstoffarmen Böden zurecht: Lichtnelke, Goldlack, Greiskraut, Wolfsmilch, Geißblatt, Österreichische Königskerze, Argentinisches Eisenkraut, Garten-Verbene, Dost … Auch Gräser: Federgras, Schwingel …

Einige für nährstoffarme Böden geeignete Stauden und Einjährige: Lichtnelke, Österreichische Königskerze und Argentinisches Eisenkraut
Im Gemüse- und Obstgarten
Einige Gemüse können dennoch erfolgreich angebaut werden: Knoblauch, Zwiebel, Schalotte, Salat, Spargel, Gartenmelde und Gänsefuß. Bei den Früchten könnte man Erdbeeren, natürlich die Weinrebe und vielleicht einen in unseren ländlichen Regionen etwas vergessenen Obstbaum versuchen: die männliche Kornelkirsche.

Einige für nährstoffarme Böden geeignete Gemüse und Früchte: Zwiebel, die Weinrebe und die männliche Kornelkirsche
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