Epiphyten: luftige Wunder ohne Erde

Epiphyten: luftige Wunder ohne Erde

Entdecken Sie diese Hängepflanzen

Inhaltsverzeichnis

Geändert der 3. Mai 2026  durch Marion 7 min.

Epiphyten: Entdecken Sie ihre faszinierende Lebensweise, typische Arten sowie Tipps zu Kultur und Pflege.

Schwierigkeit

Was ist eine epiphytische Pflanze?

Eine ungewöhnliche Lebensweise

Für ihr Wachstum benötigen Pflanzen zunächst Licht. Doch wie jedes Lebewesen haben sie zwei weitere Grundbedürfnisse: Nahrung und Wasser. Je nach Art müssen diese beiden unverzichtbaren Elemente in mehr oder weniger großer Menge verfügbar sein. Die meisten Pflanzen beziehen ihre Nährstoffe daher aus der Erde (organische Substanz, Mineralien …). Sie wachsen direkt im Boden (oder in einem Gefäß, in dem wir diese Bedingungen nachbilden).

Bei epiphytischen Pflanzen ist das Substrat, das als Kulturunterlage dient, jedoch anders: Es kann sich um eine andere Pflanze, ein Stück Holz oder auch um unbelebtes Material wie einen Stein handeln. Ihre Wurzeln müssen daher keinen direkten Kontakt mit dem Boden haben. Meist heften sie sich an einen Baum, an dessen Rinde oder Zweige. So können sie die für ihr Wachstum nötige Menge an Nährstoffen aufnehmen.

Diese Pflanzen sind jedoch keine Parasiten: Sie „stehlen“ ihren Wirten weder Nahrung noch Wasser und beeinträchtigen deren gesundes Wachstum nicht. Es handelt sich auch nicht um eine Symbiose, da die Wirtspflanze keinen besonderen Vorteil von der Anwesenheit des Epiphyten hat. Man spricht vielmehr von einer „Kommensalismus“-Beziehung, von der nur eine Seite profitiert.

Zusätzlich benötigen epiphytische Pflanzen Wasser, das sie über Regen, Tau oder direkt aus der Luft aufnehmen (Luftfeuchtigkeit). Dadurch erhalten sie auch zusätzliche Mineralien.

Das Wort „Epiphyt“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „auf einer Pflanze“. Pflanzen mit dieser Eigenschaft können sowohl an Land als auch im Wasser leben, wie einige Algenarten. Es soll mehr als 20.000 sehr unterschiedliche Arten geben, von denen die meisten aus tropischen Regenwäldern stammen. Dort haben sie diese ungewöhnliche Wuchsform in einem Lebensraum mit starkem Wettbewerb um verfügbare Ressourcen entwickelt. Aufgrund der hohen Pflanzendichte sind Nährstoffe, Wasser und Licht dort rar und kostbar. Da sie nicht am Boden wachsen müssen, wo der Platz begrenzt ist, sondern auf teils sehr hohen Unterlagen wachsen, haben epiphytische Pflanzen eine Überlebensstrategie gefunden. So gelangen sie besser an Sonnenlicht und Regenwasser. Diese Höhe begünstigt auch ihre Vermehrung: Sie sind für bestäubende Insekten und Tiere besser erreichbar und dem Wind stärker ausgesetzt, der Samen, Sporen oder Pollen verbreitet.

bromeliacee

Eine epiphytische Bromelie wächst in ihrer natürlichen Umgebung auf einem Baumstamm

Vorteile epiphytischer Pflanzen

Da epiphytische Pflanzen viele Anhänger haben, liegt das an ihren zahlreichen Vorzügen.

  • Sie sind oft außergewöhnliche Pflanzen, was ihre Wuchsform oder Blüte betrifft. Sie können dekorative, exotische oder elegante Akzente setzen.
  • Sie brauchen wenig Platz: Große Gefäße, Pflanzkästen oder geräumige Kulturwannen sind nicht nötig. Meist benötigen sie nur wenig Raum und können sich an ganz unterschiedliche Unterlagen anpassen, wodurch ungewöhnliche Pflanzenszenen entstehen. Sie lassen sich sogar in luftiger Höhe kultivieren.
  • Diese Pflanzen müssen meist nicht geschnitten werden und müssen seltener umgetopft werden als herkömmliche Pflanzen.
  • Sie eignen sich sehr gut als Zimmerpflanzen.

Nachteile

Obwohl epiphytische Pflanzen in ihrer natürlichen Umgebung genügsam sind, kann ihre Kultur in unseren Breiten anspruchsvoller sein. Diese Pflanzen benötigen geeignete Unterlagen und Substrate, die ihre ursprünglichen Bedingungen nachbilden.

Auch die Wasserversorgung kann schwieriger sein: Einige Arten benötigen eine bestimmte Luftfeuchtigkeit und vertragen die zu trockene Raumluft in unseren Innenräumen nicht. Sie müssen sehr regelmäßig besprüht werden oder fühlen sich im Terrarium, im beheizten Gewächshaus oder im Wintergarten wohler.

Aufgrund ihrer Herkunft sind diese Pflanzen schließlich oft kälteempfindlich. Sie benötigen das ganze Jahr über eine gewisse Umgebungstemperatur (meist > 10 °C).

Epiphyten kultivieren

Für epiphytische Pflanzen brauchen Sie:

  • viel Licht ohne direkte Sonne;
  • warme Temperaturen, daher meist Zimmerkultur (außer im Sommer);
  • feuchte Luft;
  • eventuell Dünger, besonders für Arten mit üppiger Blüte.

Je nach Art können diese Faktoren variieren.

Orchideen

Orchideen mit ihren besonders raffinierten Blüten gehören sicher zu den bekanntesten epiphytischen Pflanzen und stammen aus der artenreichsten Pflanzenfamilie. Einige Arten, etwa Gartenorchideen, wachsen terrestrisch im Boden. Andere tropische Arten wie Phalaenopsis benötigen dagegen ihrerseits keine Erde. Sie wachsen direkt auf Baumstämmen und entnehmen Nährstoffe aus Spalten in der Rinde (Humus, verrottende Pflanzenreste usw.). Sie besitzen Luftwurzeln, die mit saugfähigem Velamen oder Velum bedeckt sind. Diese bilden eine Art Hülle, die das Aufnehmen von Luftfeuchtigkeit und Wasser ermöglicht.

Für die Kultur dieser Pflanzen zu Hause benötigen Sie ein Gefäß, das als Halt dient, vor allem aber ein spezielles Substrat. Es muss porös und gut drainierend sein, meist auf Basis von Rindenstücken und Fasern. Wichtig ist, dass es nicht an den Wurzeln haftet, deren Spitzen sehr empfindlich sind. Verzichten Sie daher auf klassische Blumenerde oder Gartenerde.

Sie können Ihre eigene Mischung aus Pinienrinde, Kork, Bims, Perlite, Kokosfasern oder Holzkohle herstellen. Es gibt auch spezielle Orchideenerde. Eine zusätzliche Düngung in Form von Düngestäbchen oder Flüssigdünger unterstützt das Wachstum und die Blüte der Orchideen.

Schließlich benötigen Orchideen Feuchtigkeit, vertragen aber keine Staunässe. Leeren Sie Übertöpfe oder Untersetzer stets wenige Minuten nach dem Gießen. Sie können die Wurzeln auch durch Tauchen bewässern: Stellen Sie die Pflanze dafür einige Minuten in eine Schale mit etwas Wasser, damit sie sich gründlich rehydriert, aber ohne zu viel Wasser.

Mehr erfahren: Wie topft man eine Orchidee um?

epiphyte

Als Epiphyt wächst die Orchidee in einem Rindensubstrat statt in Blumenerde und kann so wie hier in einem Kokedama kultiviert werden

Bromelien

Diese Familie umfasst meist tropische Pflanzen, von denen die meisten epiphytisch wachsen.

Die Lanzenrosette und die Guzmanie

Lanzenrosetten bilden dank ihres rosettenförmigen Blattwerks natürliche, schalenförmige Wasserreservoirs. So können sie Wasser speichern, aber auch herabgefallene Blätter und Pflanzenreste auffangen und in Nährstoffe umwandeln. Dasselbe Prinzip findet sich bei Kakteen und Sukkulenten, die ebenfalls Wasser in ihrem Gewebe speichern. Diese Pflanzen tragen auch den schönen Namen „Silbervase“, der auf ihre Form und den silbrigen Belag auf den Blättern zurückgeht.

Auch die Guzmanie besitzt trichterförmige Blätter, die als Wasserreservoir dienen. Diese Zimmerpflanze bildet Blattrosetten und zeigt eine hübsche Blüte mit farbigen Hochblättern.

Die Silhouette dieser Pflanzen lässt sich nur schwer an einer Unterlage befestigen. Daher werden sie oft in kleinen Gefäßen kultiviert. Meist reicht es, die Rosette mit Wasser zu füllen.

Regelmäßiges Düngen fördert die Blüte. Nach der Blüte stirbt die Rosette ab, hat aber zuvor Wurzelschösslinge gebildet, die den Fortbestand der Pflanze sichern. Sie lassen sich leicht von der Mutterpflanze lösen und einzeln eintopfen.

Greisenbart oder „Luftpflanzen“

Diese Pflanzen besitzen behaarte Blätter, die Feuchtigkeit und Mineralstoffe aus der Luft aufnehmen. Sie lassen sich problemlos an ganz unterschiedlichen Unterlagen befestigen (Holzstücke, Steine, einfache Drähte …).

Für eine gute Entwicklung müssen sie regelmäßig besprüht werden, am besten mit Regenwasser.

Die Greisenbärte

Die Greisenbärte

Moose

Sicherlich haben Sie schon Moose im Wald oder Garten beobachtet und bemerkt, dass sie auf vielen Untergründen wachsen können: Baumrinde, Terrassenplatten, Mauern, Dachziegeln usw. Feuchte Standorte versorgen sie mit dem für ihr Wachstum nötigen Wasser. Moose gehören neben Flechten und Farnen zu den wenigen Epiphyten, die in unseren Breiten natürlich vorkommen.

Die Kultur von Moosen in Innenräumen ist wegen ihres hohen Feuchtigkeitsbedarfs schwierig. Im Garten können sie spontan erscheinen und sich ausbreiten, wenn sie genügend Wasser erhalten und vor der brennenden Sonne geschützt sind. So können echte, japanisch inspirierte Moosgärten entstehen.

Moose

Moose lassen sich im Haus nur schwer erhalten und trocknen leicht aus. Im Terrarium können sie bei hoher Luftfeuchtigkeit kultiviert werden (hier hinter einem Greisenbart)

Farne

Bestimmte Arten der Farne sind ebenfalls epiphytische Pflanzen, auch wenn wir sie gewöhnlich direkt auf dem Boden in unseren feuchten Wäldern wachsen sehen. Sie können tatsächlich auf Baumstämmen wachsen, einen Wurzelstock besiedeln oder manchmal sogar feuchte Steine bewachsen.

Der Goldene Hasenfußfarn aus Virginia (Phlebodium pseudoaureum) gehört beispielsweise zu den epiphytischen Arten, ebenso wie viele Streifenfarne. Auch die außergewöhnlichen Geweihfarne zählen dazu, darunter der bekannte Geweihfarn (Platycerium bifurcatum). Mit seinen dekorativen Wedeln ist er eine besonders schöne Zimmer- oder Wohnungspflanze.

Farne lassen sich im Garten oder im Topf an einem feuchten, eher halbschattigen Standort kultivieren. Sie benötigen nur wenig Pflege.

Geweihfarn

Ein Geweihfarn in seiner natürlichen Umgebung, der bei uns gut als Zimmerpflanze kultiviert werden kann

Weitere Beispiele für Epiphyten

Diese Liste ist nicht vollständig: Weitere Pflanzen wachsen ohne Erde:

  • Rhipsalis wie Rhipsalidopsis (Osterkaktus), Schlumbergera und Blattkaktus aus der Familie der Kakteen;
  • Philodendron und Flamingoblume, schöne Aronstabgewächse;
  • Begonien wie Begonia rhizocarpa.

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Bromeliengewächs