Licht im Garten: Standort, Sonne und Schatten
Wichtige Pflanzenbegriffe richtig verstehen
Inhaltsverzeichnis
Neben Wasser ist Licht der wichtigste Faktor für das Wachstum und die Entwicklung von Pflanzen. Wie stark es wirkt, wird deutlich, wenn sich manche Pflanzen so drehen und wenden, dass sie mehr davon abbekommen. Möchten Sie Ihren Garten mit neuen Pflanzen bereichern, ist es daher wichtig, ihre Bedürfnisse zu kennen, damit sie an die neuen Kulturbedingungen angepasst sind – insbesondere an die Zahl der Sonnenstunden am jeweiligen Standort. Diese Angaben finden Sie immer in den Eigenschaften einer Pflanze.
Doch was bedeuten die Begriffe Schatten, Halbschatten und Sonne? Sind alle Schatten- und Sonnenlagen vergleichbar? Wie beeinflusst die Helligkeit unsere Wahrnehmung im Garten? Wir betrachten einige grundlegende, aber unverzichtbare Begriffe, um die Bedeutung des Lichts für unsere Pflanzen besser zu verstehen.

Schatten und Licht gehören in unterschiedlichem Verhältnis, je nach Baumanteil, ganz selbstverständlich zum Garten
Einige botanische Begriffe und Konzepte
Zu Beginn einige Phänomene und Fachbegriffe rund um das Licht bei Pflanzen:
Der etwas barbarisch klingende Begriff Phototropismus bezeichnet in der Botanik die Anziehungskraft, die Licht auf eine Pflanze ausübt. Obwohl Pflanzen durch ihre Wurzeln fest im Boden verankert und somit unbeweglich sind, zeigen sie dennoch Bewegungen. Stehen sie entgegen ihren Bedürfnissen oder im Schatten einer zu dicht wachsenden Umgebung, nehmen manche eine seltsam verdrehte „Haltung“ an, um das Licht zu erreichen.
Man denke auch an Sonnenblumen, die sich tagsüber unaufhaltsam dem Licht zuwenden: Dabei handelt es sich um (positiven) Heliotropismus, also die Veränderung der Ausrichtung von Blättern oder bestimmten Blüten, um dem Licht zu folgen und die Photosynthese zu steigern.
Bei Blüten oder Blättern, die sich nachts öffnen und tagsüber schließen – oder umgekehrt (Wunderblume, viele Hülsenfrüchtler …) –, spricht man von Nyktinastie oder genauer von lichtbedingter Photonastie: Pflanzen reagieren auf wechselnde Lichtintensität und das Einsetzen der Dunkelheit, aus unterschiedlichen Gründen – bei manchen etwa zur nächtlichen Bestäubung.
Schließlich begegnet Ihnen manchmal der Begriff heliophile Pflanze: Gemeint sind Pflanzen, die Sonne lieben und für ein gutes Wachstum benötigen (helios bedeutet auf Griechisch Sonne), etwa die Zistrose oder viele Gräser.
Neben diesen rein physikalischen Anpassungen der Pflanzen gilt es, die Aspekte von Standort und Beschattung näher zu betrachten, denen Pflanzen unweigerlich ausgesetzt sind …

Links ein völlig verdrehter Flieder, der das Licht sucht … Rechts die Blüten der Mirabilis oder Wunderblume, die sich tagsüber schließen
Lesen Sie auch
7 gelungene Beet-Kombinationen für volle SonneSonne, Licht, Schatten … wichtige Unterschiede
Die Ausrichtung eines Hauses, Gebäudes und damit auch eines Gartens beeinflusst die Lichtmenge. Der Lauf der Sonne beleuchtet morgens den Osten, dann den Süden und schließlich den Westen. Pflanzen, die nicht in den Lauf der Sonne geraten, erhalten kein Sonnenlicht – das gilt für einen Standort im Norden. Doch die Sonneneinstrahlung und die damit verbundene Wärme, die ab dem Frühjahr zunimmt, ist tagsüber im Süden nicht dieselbe wie morgens im Osten oder abends im Westen. Über die reine Ausrichtung hinaus ist dies ein wichtiges Kriterium für die Entwicklung der Pflanzen.
Bei der Frage nach Sonne oder Schatten in einem Bereich ist die Ausrichtung nach Norden, Osten, Süden oder Westen der Schlüssel, um Fehler zu vermeiden. Doch Helligkeit setzt nicht unbedingt Sonneneinstrahlung voraus. Ein Beet im Nordosten kann hell bleiben, wenn die Umgebung offen ist – sofern es beispielsweise nicht unter dem Wedel von Bäumen oder im Schatten einer abschirmenden Hecke liegt.
Außerdem sollten Sie an die verschiedenen Jahreszeiten denken, in denen die Sonne unterschiedlich hoch steht und daher mehr oder weniger präsent ist. Dieser Faktor sollte über mehrere Monate hinweg beobachtet werden. Häufig wird empfohlen, einen Garten über alle vier Jahreszeiten hinweg zu beobachten, um seine sonnigen und schattigen Bereiche genau kennenzulernen – insbesondere wegen der im Winter stark länger werdenden Schatten – und so Fehler bei der Pflanzung zu vermeiden. Im Sommer schattige Bereiche unter Bäumen können im Frühjahr, wenn der Laubaustrieb noch nicht begonnen hat, sonnig sein und daher die Pflanzung bestimmter Zwiebelpflanzen wie früher Tulpen oder Narzissen ermöglichen.
Auch die Architektur eines Ortes beeinflusst die Schattenverhältnisse. Ein Gebäude kann einen großen Teil des Jahres für dichten Schatten sorgen, wenn es hoch ist. Lange, niedrige Häuser, wie sie in der Vendée vorkommen, etwa sogenannte Langhäuser sowie bestimmte Villen oder provenzalische Landhäuser, erhalten auf der Nordseite im Sommer deutlich früher Sonne als Gebäude mit ein oder zwei Etagen.
In diesem Zusammenhang haben auch die außerhalb des Gartens liegenden Gegenüber einen nicht unerheblichen Einfluss auf den Schattenwurf. In Siedlungen, in denen die Häuser relativ dicht beieinanderstehen, sorgt eine hohe Mauer in der Nähe von Beeten das ganze Jahr über für Schatten – und vor allem für dichten Schatten.
Ein weiterer entscheidender Faktor ist schließlich die geografische Lage. Ob man in Amiens oder Marseille lebt, macht für die Helligkeit offensichtlich einen Unterschied. So heißt es beispielsweise, dass ein Strauch wie Choisya ternata (Orangenblume) in den nördlichen Regionen sonnig stehen kann, während er in den südlichsten Regionen Frankreichs einen halbschattigen oder sogar schattigen Standort benötigt.

Der Schatten im Sommer ist durch den hohen Sonnenstand am Himmel geringer. Rechts ein niedriges, für das Pays de Retz in der Vendée typisches Haus.
Standort: Schatten, Halbschatten oder Sonne – was bedeutet das?
Die Angaben zum Standort sind nicht immer leicht zu verstehen, denn die Begriffe „Schatten“, „Halbschatten“ und „Sonne“ auf Pflanzenetiketten können verwirren. Dennoch ist es wichtig, sie zu berücksichtigen: Eine Staude, die statt in voller Sonne im Halbschatten steht – etwa ein Salbei –, überlebt zwar, blüht aber deutlich weniger. Zu beachten ist auch, dass eine Halbschattenpflanze im Schatten (wie eine Japan-Herbst-Anemone) später, aber länger blüht als an einem sonnigeren Standort. Eine Schattenpflanze kommt schließlich meist auch mit Halbschatten zurecht und blüht dort oft üppiger.
Für die einzelnen Standorte gelten durchschnittliche Sonnenstunden:
- Schatten: weniger als 4 Stunden Sonne täglich
- Halbschatten: 4 bis 6 Stunden Sonne täglich
- Sonne: 7 Stunden Sonne oder mehr täglich.
Zu beachten ist, dass die intensivere Sonne im Süden nicht mit der geringeren Lichtstärke im Norden Frankreichs gleichzusetzen ist. Wie oben erwähnt, kann im Norden ein sonniger Standort als Halbschatten gelten, ein halbschattiger Standort in diesen kühleren Regionen als Schatten.
Bei Stauden oder Sträuchern mit der Kennzeichnung „Sonne“ bedeutet dies, dass mindestens 7 Stunden Sonne für eine üppige Blüte und gutes Wachstum unerlässlich sind – üblicherweise an einem vollsonnigen Südstandort.
Hinweis: Es gibt Pflanzen, die Schatten und volle Sonne gleichermaßen vertragen – praktisch, wenn ein im Winter schattiger Bereich im Sommer der prallen Sonne ausgesetzt ist.

Stauden für volle Sonne, Schattenpflanzen mit schönem Laub wie Funkien und Farne sowie Stauden für den Halbschatten.
Lesen Sie auch
12 immergrüne Sträucher für volle SonneVerschiedene Schattenarten
Werfen wir einen genaueren Blick auf den Schatten – oder besser: die verschiedenen Schattenarten, denn er bereitet vielen Gärtnern oft Probleme. Tatsächlich gibt es mehrere Schattenarten, die durch unterschiedliche Faktoren entstehen:
- Der dichte Schatten: Er entsteht meist unter großen Bäumen oder solchen mit großen Blättern, etwa Walnuss, Rotbuche, Rosskastanie, Kirschbaum oder großen immergrünen Bäumen wie Nadelgehölzen. Für die meisten Pflanzen ist dieser Schatten unwirtlich;
- Halbschatten oder „kühler“ Schatten wie am Fuß einer nach Osten ausgerichteten Mauer: Dort scheint morgens die Sonne, ist jedoch noch schwach und wärmt kaum. Auch unter dicht verzweigten oder belaubten Baumkronen herrscht Halbschatten. Im Norden erzeugt eine Mauer kalten Schatten, der problematischer ist als der Schatten von Bäumen: Sind diese sommergrün, lassen sie Licht hindurch und schützen die Pflanzen im Winter vor Wind und Kälte;
- Heller oder lichter Schatten lässt sich zugegebenermaßen nicht immer leicht vorstellen. Gemeint ist meist ein durch einen kleinen Strauch oder Baum gefilterter Halbschatten, dessen Verzweigung sehr locker oder dessen Laub stark geteilt oder klein ist, etwa bei Seidenakazie, Fächer-Ahorn oder Birke;
- Warmer Halbschatten: Er herrscht an einem westlichen Standort, da die Sonne dort länger scheint und deutlich stärker wärmt.
Achtung! Ein starker Baumschnitt oder umgekehrt ein Bauwerk, das nahe bereits bepflanzter Flächen errichtet wird, verändert die Schattenbereiche grundlegend: Es kann deutlich mehr Sonne einfallen oder bisher nicht vorhandener Schatten entstehen. Bevor Sie Sträucher radikal zurückschneiden oder einen großen Baum entfernen, sollten Sie daher die Auswirkungen auf Ihre bestehenden Beete prüfen.
Lichtspiele
Jede Pflanze hat ein optimales Licht, das sie zur Geltung bringt – je nach Farbe ihres Laubs oder ihrer Blüten. Blaue Blüten wirken beispielsweise im Halbschatten schöner und weniger blass als in voller Sonne unter gesättigtem Licht.
Auch die Jahreszeit spielt eine interessante Rolle: Bei flachem Winterlicht oder im rosigen Licht eines sommerlichen Tagesausklangs erscheinen Pflanzen in anderen Farben. So werden rote Blüten von der Abendsonne veredelt, während helle Gräserstoppel im winterlichen Morgenlicht magisch wirken. Das weißere, gedämpfte Winterlicht ist bei der Blüte mancher Sträucher wie Zaubernuss zu berücksichtigen: Für ihre volle Wirkung empfiehlt sich stets ein seitlicher Lichteinfall!
Denken Sie auch an Gegenlicht: Es bringt blasse Blüten und große Blütenblätter wie bei Päonien zur Geltung, aber auch nerviges oder dekoratives Laub wie bei Palmen, Begonia grandis usw.
Lesen Sie auch unseren Artikel über die Wahrnehmung von Blütenfarben!

Mit Licht spielen … Pflanzen lieben es!
- Abonnieren Sie
- Inhaltsverzeichnis
Dieses Formular ist durch reCAPTCHA geschützt – es gelten die Datenschutzbestimmungen und die Nutzungsbedingungen.
Kommentare