Lithophyten: Sie wachsen auf Steinen!
Leben und Überleben auf Fels
Inhaltsverzeichnis
Eine kurze Definition...
Der Begriff „Lithophyt“ stammt aus den griechischen Wörtern „lithos“ für Stein und „phyton“ für Pflanze. Diese Bezeichnung bringt das Wesen dieser Organismen zum Ausdruck: Pflanzen, die auf Steinen wachsen können, oft in Lebensräumen, in denen nur wenige andere Arten überleben.
Im Gegensatz zu Landpflanzen, die ihre Nährstoffe aus dem Boden beziehen, siedeln Lithophyten auf nacktem Gestein, Felsvorsprüngen oder sogar in Spalten, in denen sich nur wenig organisches Material ansammelt. Ihr Überleben in solchen Lebensräumen wird durch verschiedene Anpassungsstrategien ermöglicht. Ihre Wurzeln sind beispielsweise darauf ausgelegt, sich fest in Felsspalten zu verankern. Dadurch stabilisieren sie die Pflanze in einem potenziell unsicheren Lebensraum und nehmen zugleich Feuchtigkeit und Nährstoffe auf, die häufig aus der Zersetzung organischer Substanzen in diesen Zwischenräumen stammen. Zudem besitzen manche Lithophyten fleischige Blätter oder spezielle Wasserspeicher, die ihnen helfen, lange Trockenperioden zu überstehen.
Schon gewusst?
Muricole, Epilith, Rupicole … Im Umfeld des Begriffs „Lithophyt“ gibt es mehrere weitere Bezeichnungen, die teilweise als Synonyme verwendet werden, jedoch jeweils eine eigene Bedeutung haben.
- Epilith bezeichnet jeden Organismus – ob Pflanze, Tier oder Pilz –, der auf einem Felsen lebt. Der Begriff umfasst somit eine große Vielfalt an Lebewesen, die auf felsigen Oberflächen Zuflucht finden.
- Rupicol und saxicol sind Bezeichnungen für Lebewesen, meist Pflanzen, die auf Felsvorsprüngen oder steinigen Oberflächen gedeihen.
- Muricol bezeichnet Organismen, die auf oder an einer Mauer leben und dabei die Zwischenräume und den Schutz nutzen, den diese künstlichen oder natürlichen Strukturen bieten. Dazu gehören das hübsche Zymbelkraut (Cymbalaria muralis) und der Milzfarn (Asplenium ceterach).

Cymbalaria muralis
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10 Pflanzen für einen Schatten-SteingartenMerkmale lithophytischer Pflanzen
Sie werden es bereits verstanden haben: Lithophyten besitzen einzigartige Merkmale und Anpassungen, die sie von anderen Pflanzen unterscheiden. Diese Anpassungen ermöglichen es ihnen nicht nur zu überleben, sondern auch unter Bedingungen zu gedeihen, die für die meisten anderen Pflanzen als lebensfeindlich gelten.
Physiologische Anpassungen an den felsigen Lebensraum
Erstens sind ihre Wurzelsysteme besonders gut daran angepasst, sich in Felsspalten zu verankern, in denen nur wenig Erde vorhanden ist. Diese Wurzeln können außerdem Feuchtigkeit direkt aus den Steinen aufnehmen – eine lebenswichtige Fähigkeit in Lebensräumen, in denen Wasser knapp ist. Einige Lithophyten entwickeln zudem dicke, fleischige Blätter oder spezielle Speicherorgane, die Wasser und Nährstoffe zurückhalten und es der Pflanze ermöglichen, längere Trockenperioden zu überstehen.
Eine weitere bemerkenswerte Anpassung ist die Fähigkeit mancher Lithophyten, auch bei geringer Lichtintensität Photosynthese zu betreiben. Diese Eigenschaft ist besonders nützlich für Pflanzen, die in tiefen Felsspalten oder unter Felsvorsprüngen wachsen, wo direktes Sonnenlicht nur eingeschränkt vorhanden ist. Die gesteigerte Effizienz der Photosynthese ermöglicht es Lithophyten, das verfügbare Licht für ihr Wachstum und ihre Entwicklung optimal zu nutzen.
Von Lithophyten bevorzugte Gesteinsarten
Ein wenig Geologie kann nie schaden … Lithophyten sind keineswegs gleichgültig gegenüber der Gesteinsart, auf der sie wachsen. Manche bevorzugen kalkhaltige, kalziumreiche Gesteine, die der Pflanze wichtige Nährstoffe liefern können. Andere finden auf Vulkangestein wie Basalt Zuflucht, dessen Poren und Hohlräume einen idealen Lebensraum bieten. Silikatische Gesteine mit ihrer rauen Oberfläche ermöglichen den Wurzeln ebenfalls eine gute Verankerung. Jede Gesteinsart beeinflusst somit die Verbreitung der Lithophyten; manche Arten sind an bestimmte chemische oder physikalische Bedingungen angepasst, die diese Substrate bieten.
Ernährung und Wachstum
Die Ernährung dieser Pflanzen unterscheidet sich deutlich von der terrestrischer Pflanzen. Ohne einen humusreichen Boden sind Lithophyten hauptsächlich auf Nährstoffe angewiesen, die durch die Zersetzung organischer Substanzen in Felsspalten entstehen, sowie auf im Regenwasser oder Tau gelöste Mineralien. Ihre Fähigkeit, Nährstoffe aus scheinbar ungewöhnlichen Quellen zu gewinnen, wird durch ihre effiziente Speicherung dieser Ressourcen für Wachstumsphasen ergänzt.
Der Wachstumszyklus von Lithophyten kann ebenfalls durch ihren felsigen Lebensraum beeinflusst werden. In vielen Fällen wachsen sie aufgrund der schwierigen Bedingungen langsamer – etwa wegen Wasser- und Nährstoffmangels sowie schwankender Temperaturen infolge direkter Sonneinstrahlung oder Kälte. Dieses gemäßigte Wachstum wird jedoch durch eine oft höhere Lebensdauer und die Fähigkeit ausgeglichen, unter Bedingungen zu überleben, unter denen andere Pflanzen nicht bestehen könnten.

Steinmauern bieten bestimmten Pflanzen, darunter einigen Farnen, einen Lebensraum
Vielfalt der Lithophyten
Hier ein Überblick über häufige Pflanzenfamilien der Lithophyten mit typischen Beispielen dieser außergewöhnlichen Pflanzen.
Häufige Pflanzenfamilien
- Orchidaceae (Orchideen): Eine der bekanntesten Lithophytenfamilien. Viele Arten der Gattungen Epidendrum, Dendrobium und Paphiopedilum wachsen auf Felsen.
- Bromeliaceae (Bromelien): Diese Tropenfamilie umfasst ebenfalls Lithophyten. Sie speichern Wasser in Blattrosetten und überleben so in trockenen, felsigen Lebensräumen. Dazu zählen Tillandsien.
- Cactaceae (Kakteen): Kakteen sind für ihre Trockenheitsresistenz und Wasserspeicherung bekannt. Arten wie Rhipsalis baccifera wachsen lithophytisch und verankern sich mit ihren Wurzeln in Felsspalten.
- Aspleniaceae (Farne): Einige Farne wie Geweihfarne, Streifenfarne und Lippenfarne sind an das Leben auf Felsen angepasst. Ihre Wurzeln dringen in Spalten ein und nehmen Feuchtigkeit sowie Nährstoffe auf.

Dendrobium, Rhipsalis baccifera, Tillandsia cyanea und Platycerium
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15 Pflanzen für eine sonnige SteingartenbepflanzungÖkologische Rolle und Bedeutung für die Biodiversität
Schutz felsiger Lebensräume
Bei uns reichen die Felslebensräume von den Granitklippen der Bretagne bis zu den weitläufigen Kalklandschaften der Alpen und Pyrenäen. Sie bieten besondere Lebensbedingungen, die die Entwicklung einzigartiger lithophytischer Pflanzen ermöglicht haben. Doch diese Ökosysteme sind zahlreichen Bedrohungen ausgesetzt, darunter Verstädterung, ungeregelter Tourismus, Bergbau und Gesteinsabbau sowie Veränderungen in der landwirtschaftlichen Nutzung. Diese Aktivitäten können zur Zerstörung oder Zerschneidung der Lebensräume führen und die davon abhängigen Arten gefährden.
Darüber hinaus stellt der Klimawandel eine zusätzliche Bedrohung dar, da er Wetterbedingungen und Niederschlagsmuster verändert, von denen Lithophyten für ihr Überleben abhängen. Temperaturschwankungen und extreme Wetterereignisse können die Stabilität dieser Ökosysteme beeinträchtigen und die Arten dazu zwingen, sich schnell anzupassen oder in günstigere Höhenlagen auszuweichen, sofern dies möglich ist.
Initiativen zum Schutz bedrohter lithophytischer Arten
Angesichts dieser Herausforderungen laufen in Frankreich mehrere Naturschutzinitiativen zum Schutz der Felslebensräume und der darin vorkommenden lithophytischen Arten. Dazu gehören:
- Schaffung von Naturschutzgebieten und geschützten Zonen: Bestimmte Gebiete werden dem Schutz natürlicher Lebensräume und ihrer Biodiversität gewidmet. Diese Flächen, etwa der Nationalpark Écrins und das Nationale Naturschutzgebiet Massane, bieten Rückzugsorte, in denen lithophytische Arten und ihre Ökosysteme geschützt und erforscht werden können.
- Forschungs- und Monitoringprogramme: Studien sollen die ökologischen Bedürfnisse der Lithophyten, die Bedrohungen für diese Arten und die besten Methoden für ihr Management besser erfassen. Die Forschung hilft dabei, Schutzmaßnahmen zu planen und Strategien für die jeweiligen Lebensräume zu entwickeln.
- Renaturierung geschädigter Lebensräume: Projekte zur Wiederherstellung von durch menschliche Aktivitäten beeinträchtigten Felslebensräumen werden umgesetzt. Häufig werden dabei heimische lithophytische Arten wieder angesiedelt und Felsuntergründe stabilisiert, um Erosion zu verhindern.
- Sensibilisierung und Bildung: Die Öffentlichkeit für den ökologischen Wert der Felslebensräume und die Notwendigkeit ihres Schutzes zu sensibilisieren, ist entscheidend. Bildungs- und Informationsprogramme beziehen lokale Gemeinschaften und Besucher in den Schutz dieser einzigartigen Ökosysteme ein.

Der Nationalpark Écrins, ein Schutzgebiet (© Wikimedia Commons)
Diese Pflanzen im Garten willkommen heißen
Es ist durchaus möglich, winterharte lithophytische Pflanzen wie bestimmte Farne oder beispielsweise Steinbreche im Garten zu kultivieren. Damit sie gut gedeihen, ist es jedoch entscheidend, eine Umgebung zu schaffen, die ihren natürlichen, felsigen Lebensräumen möglichst nahekommt, Arten auszuwählen, die mit dem lokalen Klima zurechtkommen, und für die richtige Pflege zu sorgen.
Tipps für eine geeignete felsige Umgebung
- Eine Steingartenanlage anlegen: Bauen Sie mit Steinen und Felsen unterschiedlicher Größe eine Steingartenanlage oder einen Alpengarten, um die natürlichen Lebensräume lithophytischer Pflanzen nachzuahmen. Achten Sie auf eine gute Drainage, da Staunässe diesen Pflanzen schaden kann.
- Geeignetes Substrat: Verwenden Sie ein gut drainiertes Substrat, das den armen, kiesigen Boden felsiger Lebensräume nachahmt. Eine Mischung aus Sand, Kies und leichter Blumenerde bietet eine gute Grundlage für das Wachstum lithophytischer Pflanzen.
- Lichtangebot: Die meisten lithophytischen Pflanzen (aber nicht alle!) benötigen viel Licht, um gut zu gedeihen. Platzieren Sie sie an einem Standort, der täglich mehrere Stunden direktes Sonnenlicht erhält, und berücksichtigen Sie dabei die besonderen Ansprüche jeder Art.
- Wählen Sie nach Möglichkeit heimische Arten: Entscheiden Sie sich für lithophytische Pflanzen, die in Ihrer Region heimisch sind, oder für Arten, die sich nachweislich gut an Ihr Klima anpassen. So sichern Sie nicht nur ihr Überleben, sondern tragen auch zum Erhalt der lokalen Biodiversität bei.
→ Hier finden Sie Alexandras Tipps zum Anlegen einer Steingartenanlage.
→ Welche Pflanzen eignen sich? Wie wäre es mit einem Alpengarten? Jean-Christophe stellt Ihnen eine schöne Auswahl an Pflanzen vor.

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