Unterlage für gesunde, ertragreiche Zitrusfrüchte?
Alles über die Unterlagenwahl
Inhaltsverzeichnis
Häufige Unterlagen für Zitrusfrüchte
Was ist eine Unterlage?
Im Gartenbau ist die Unterlage die Basis, auf der der Obstbaum aufgebaut ist. Sie bildet den unteren Teil des Baums mit den Wurzeln und einem Stück des Stamms. Darauf wird ein Abschnitt einer anderen Pflanze, das Edelreis, gepfropft. Es bildet die oberirdischen Teile und die Früchte. Diese Verbindung von Unterlage und Edelreis ist entscheidend: Sie muss sorgfältig ausgewählt werden, damit der Baum nicht nur gut wächst und sich entwickelt, sondern auch den örtlichen Bedingungen wie Klima, Boden und Krankheitsdruck standhält.
Unterlagen spielen beim Anbau von Zitrusfrüchten eine wichtige Rolle. Sie beeinflussen unter anderem die Krankheitsresistenz, die Größe des Baums und seinen Ertrag. Die Wahl der richtigen Unterlage kann daher über Erfolg oder Misserfolg einer Zitruspflanzung entscheiden.
Citrange (Carrizo und C35)
Citrange ist ein Hybrid aus der Kreuzung von Poncirus trifoliata und verschiedenen Zitrusfrüchten. Die Unterlage wird besonders wegen ihrer Toleranz gegenüber weniger fruchtbaren Böden und ihrer Widerstandsfähigkeit gegen bestimmte Krankheiten wie Tristeza geschätzt, einer für Zitrusfrüchte verheerenden Viruserkrankung. Citrange sorgt bei veredelten Bäumen für einen relativ frühen Ertragsbeginn und eignet sich für Regionen mit kalkhaltigem oder leicht salzhaltigem Boden. In frostgefährdeten Gebieten ist sie jedoch nicht zu empfehlen, da sie weniger frosthart ist als Poncirus trifoliata.
Poncirus trifoliata
Diese Unterlage ist für ihre hohe Frosthärte bekannt und eignet sich daher ideal für den Zitrusanbau in gemäßigten Regionen oder Gebieten mit gelegentlichem Frost. Poncirus trifoliata fördert außerdem eine gute Widerstandsfähigkeit gegen bodenbürtige Krankheiten wie Phytophthora. Allerdings kann sie die Größe des Baums begrenzen. Das erleichtert zwar die Ernte, kann aber den Gesamtertrag verringern. Auf Poncirus trifoliata veredelte Bäume sind oft langlebiger und können in weniger geeigneten Böden kultiviert werden.

Citrus volkameriana
Diese Unterlage entstand aus der Kreuzung mehrerer Citrus-Arten (C. micrantha, C. medica und Mittelmeer-Mandarine). Sie ermöglicht bei Zitronenbäumen und Limettenbäumen einen frühen Ertragsbeginn und sorgt für kräftiges Wachstum. Sie eignet sich für sandige Böden und ist widerstandsfähig gegen Kalk und Trockenheit. Gegen das Tristeza-Virus ist sie resistent, jedoch anfällig für Gummose und Nematoden.
Citrumelo
Citrumelo ist eine Kreuzung aus Poncirus trifoliata und Grapefruit (Citrus paradisi) und vereint die besten Eigenschaften seiner Eltern. Die Unterlage bietet eine gute Widerstandsfähigkeit gegen Phytophthora und andere bodenbürtige Pilzkrankheiten. Citrumelo ist mit vielen Zitrusfrüchten kompatibel und wird besonders für Grapefruits und bestimmte Sorten von Mandarinen verwendet. Sie ist außerdem frosthart und ermöglicht einen guten Fruchtertrag, auch wenn der Geschmack je nach Verträglichkeit von Unterlage und Edelreis leicht variieren kann.
Weitere gängige Unterlagen
Je nach den Anforderungen der Anbauer und den örtlichen Bedingungen werden häufig weitere Unterlagen verwendet:
- Mittelmeer-Mandarine Cleopâtre (Citrus reshni): Sie wird wegen ihrer Toleranz gegenüber Salz und verschiedenen Bodentypen häufig eingesetzt. Sie wächst weniger stark als Citrange oder Citrumelo und eignet sich besonders für kleine Gärten oder die Kultur im Topf.
- Citrumelo ‚Swingle 4475‘: Diese Unterlage eignet sich hervorragend für Regionen mit Problemen durch kalkhaltigen Boden und bietet eine gute Widerstandsfähigkeit gegen bodenbürtige Krankheiten.
- Hybride Orange oder Bitterorange (Citrus aurantium): Sie war aufgrund ihrer Krankheitsresistenz und guten Verträglichkeit mit vielen Zitrusfrüchten lange beliebt. Heute wird sie wegen ihrer Anfälligkeit für das Tristeza-Virus der Zitrusfrüchte jedoch seltener verwendet.

Citrus aurantium
Lesen Sie auch
Zitrusfrüchte: 15 Fragen und Antworten zum AnbauAuswahlkriterien für die richtige Unterlage
Die Wahl der Unterlage ist entscheidend für die optimale Entwicklung Ihrer Zitrusfrüchte. Hier sind die wichtigsten Kriterien für die Auswahl der Unterlage, die am besten zu Ihren Bedürfnissen und den Bedingungen an Ihrem Standort passt.
Anpassung an Klima und Boden Ihrer Region
Der erfolgreiche Anbau von Zitrusfrüchten beginnt mit der Auswahl einer Unterlage, die an das Klima und den Bodentyp Ihrer Region angepasst ist. Zitrusfrüchte benötigen bestimmte Bedingungen, um gut zu gedeihen, insbesondere einen gut durchlässigen Boden und ein mildes Klima. Wenn in Ihrer Region beispielsweise häufig Frost auftritt, wäre eine Unterlage wie die Bitterorange, die für ihre Kälteverträglichkeit bekannt ist, ideal. Für kalkhaltige oder salzhaltige Böden kann eine Unterlage wie Citrange oder Citrumelo ‚Swingle 4475‘ eine bessere Toleranz bieten. Die Anpassung der Unterlage an die örtlichen Bedingungen ist entscheidend, um Umweltstress zu mindern, ein gesundes Wachstum zu fördern und eine gute Ernte zu gewährleisten.
Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten und Parasiten
Die Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten und Parasiten ist ein weiteres wichtiges Kriterium bei der Wahl der Unterlage. Einige Unterlagen sind von Natur aus gegen bestimmte Krankheiten wie Tristeza, eine Viruserkrankung, oder Phytophthora, einen die Wurzeln schädigenden Pilz, resistent. So ist das Citrumelo ‚Swingle 4475‘ für seine Widerstandsfähigkeit gegen Phytophthora geschätzt. Eine resistente Unterlage kann den Bedarf an chemischen Behandlungen senken, die Pflegekosten reduzieren und die Nachhaltigkeit Ihrer Plantage erhöhen. Wichtig ist auch, die Widerstandsfähigkeit gegen örtliche Schädlinge wie Nematoden zu berücksichtigen, gegen die bestimmte Unterlagen Schutz bieten können.
Einfluss auf Baumgröße und Ertrag
Die Unterlage kann die Größe des Baumes und seinen Ertrag erheblich beeinflussen. Je nach verfügbarem Platz können Sie eine Unterlage wählen, die einen kompakteren Wuchs bewirkt. Unterlagen wie die Bitterorange neigen dazu, kleinere Bäume hervorzubringen, was Ernte und Pflege erleichtert. Andere Unterlagen können die Wuchskraft steigern und den Fruchtansatz beschleunigen, erfordern jedoch möglicherweise eine intensivere Pflege und häufigeren Rückschnitt. Der Ertrag wird auch durch die Verträglichkeit von Unterlage und Edelreis beeinflusst: Eine gute Verträglichkeit gewährleistet nicht nur kräftiges Wachstum, sondern auch eine bessere Qualität und höhere Menge an Früchten.

Der Ertrag eines Zitrusbaums lässt sich durch die Wahl der richtigen Unterlage steigern
Pfropfen von Zitrusfrüchten
Geeignete Pfropftechniken für Zitrusfrüchte
Die Pfropftechniken variieren je nach Baumart, Alter der Jungpflanzen und örtlichen Bedingungen. Für Zitrusfrüchte werden am häufigsten folgende Methoden angewendet:
- Okulation (auch „Budding“ genannt): Bei dieser Methode wird eine einzelne Knospe vom Edelreis verwendet. Die Knospe wird unter die Rinde der Unterlage eingesetzt, verwächst dort und treibt aus. Die Okulation ist bei Zitrusfrüchten besonders beliebt, da sie sehr effektiv und einfach anzuwenden ist. Sie wird häufig im Spätsommer durchgeführt, wenn sich die Rinde leicht löst.
- Spaltpfropfen: Diese Methode wird hauptsächlich bei größeren Unterlagen oder bereits vorhandenen Stämmen angewendet. Dazu wird ein Spalt in den Stamm der Unterlage geschnitten, in den ein oder mehrere zugespitzte Edelreiser eingesetzt werden. Das Spaltpfropfen eignet sich ideal, um die Sorte eines bestehenden Baumes zu ersetzen oder zu wechseln.

Pfropfen an einem Zitronenbaumzweig
Der ideale Zeitpunkt zum Pfropfen
Bei Zitrusfrüchten ist der beste Zeitpunkt zum Pfropfen meist der Beginn des Frühjahrs, kurz bevor das neue Wachstum einsetzt. So kann sich das Edelreis während der Wachstumsperiode etablieren. Die Okulation kann jedoch im Spätsommer durchgeführt werden, wenn der Pflanzensaft noch aktiv ist und sich die Rinde leicht löst, was das Einsetzen der Knospen erleichtert.
Pflege nach dem Pfropfen für ein gutes Anwachsen
- Schutz der Veredelungsstelle: Verwenden Sie Pfropfband, Bastpalme oder Pfropfwachs, um das Edelreis und die Veredelungsstelle vor dem Austrocknen und Infektionen zu schützen. Halten Sie den Bereich gut verschlossen, bis das Edelreis kräftig auszutreiben beginnt.
- Gießen und Düngen: Halten Sie den Boden gleichmäßig feucht, ohne Staunässe zu verursachen. Zu viel Wasser kann Bodenkrankheiten fördern, die das Edelreis beeinträchtigen. Eine leichte Düngung mit Spezialdünger für Zitrusfrüchte (NPK 3-2-5) einige Wochen nach dem Pfropfen kann das Wachstum fördern. Vermeiden Sie jedoch stickstoffreiche Dünger, da sie das Anwachsen des Edelreises beeinträchtigen können.
- Rückschnitt und Erziehung: Sobald das Edelreis angewachsen ist, beginnen Sie mit der Erziehung des Baumes, um eine stabile Struktur zu entwickeln. Schneiden Sie die übrigen Triebe der Unterlage zurück, damit die gesamte Energie der Pflanze in die Entwicklung des Edelreises fließt.
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Zitrusfrüchte: So gibt es Früchte?Pflege veredelter Bäume in Obstgarten und Garten
Regelmäßige Kontrolle und Pflege
Eine kontinuierliche Kontrolle ist entscheidend, um Probleme mit der Pflanzengesundheit frühzeitig zu erkennen und wirksam einzugreifen. Achten Sie dabei auf folgende Punkte:
- Anzeichen von Krankheiten und Parasiten: Untersuchen Sie die Bäume regelmäßig auf erste Anzeichen von Krankheiten oder Parasitenbefall. Symptome wie Welke, Blattflecken oder eine allgemeine Schwächung des Baumes erfordern sofortige Aufmerksamkeit, um eine Ausbreitung zu verhindern.
- Wachstum und Entwicklung: Beobachten Sie die Vitalität der Bäume und die Qualität der Fruchtbildung. Ein ungleichmäßiges oder unzureichendes Wachstum kann auf Probleme mit der Unterlage oder auf Nährstoffmangel hindeuten.
- Kontrolle des Wurzelsystems: Das Wurzelsystem sollte gesund und gut entwickelt sein. Beschädigte oder faule Wurzeln können die gesamte Pflanze beeinträchtigen. Eine regelmäßige Kontrolle der Wurzeln ist besonders nach extremen Wetterereignissen oder starken Regenfällen empfehlenswert.

Beobachtung ist entscheidend, um mögliche Krankheiten zu erkennen
Rückschnitt und Düngung je nach Unterlage
Rückschnitt und Düngung müssen an die verwendete Unterlage angepasst werden, da jede Sorte unterschiedlich auf diese Maßnahmen reagiert.
- Rückschnitt: Der Rückschnitt hilft, die Größe des Baumes zu kontrollieren, eine gute Belüftung im Kronendach zu fördern und den Fruchtertrag zu steigern. Bei starkwachsenden Unterlagen, etwa bestimmten Citrangen, kann ein kräftigerer Rückschnitt nötig sein, um die Baumstruktur zu erhalten und den Fruchtertrag zu optimieren. Bei Unterlagen wie der Bitterorange, die das Wachstum des Baumes von Natur aus begrenzen, genügt meist ein leichter Rückschnitt.
- Düngung: Die Unterlage beeinflusst den Nährstoffbedarf des Baumes. Starkwachsende Unterlagen benötigen möglicherweise mehr Nährstoffe, um ihr schnelles Wachstum zu unterstützen, während bei schwächer wachsenden Unterlagen oft eine mäßige Düngung ausreicht. Passen Sie die Düngergaben an die Ergebnisse der regelmäßigen Kontrollen an und berücksichtigen Sie dabei Anzeichen von Nährstoffmangel oder -überschuss.
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