Das Hartheu (Hypericum) ist eine sehr pflegeleichte Staude. Deshalb findet man es schon seit Langem in Gärten. Die gärtnerischen Sorten sind zahlreich und weisen sehr unterschiedliche Eigenschaften auf: von strauchförmigen Sorten wie dem Hartheu 'Hidcote' bis zu Bodendeckern wie dem Olymp-Johanniskraut. Auch die Wildarten sind vielfältig und kommen in unterschiedlichen Lebensräumen vor, etwa in Wäldern oder Sümpfen. Für seine heilenden Eigenschaften ist jedoch nur eine Art von Bedeutung: das Tüpfel-Hartheu.
In der Pflanzenheilkunde wird Hartheu seit mehr als 2.000 Jahren verwendet. Traditionell wurde es bei Verbrennungen und anderen Hautreizungen eingesetzt. Heute soll Tüpfel-Hartheu außerdem bei leichten bis mittelschweren Depressionen helfen.
Erfahren Sie, wie Sie diese Pflanze trocknen und verwenden können.
Welches Hartheu sollten Sie verwenden?
Die einzige Art, die zu therapeutischen Zwecken verwendet wird, ist das Tüpfel-Hartheu, Hypericum perforatum. Der Name bedeutet „Kraut mit tausend Löchern“. Tatsächlich wirken die Blätter im Gegenlicht wie von zahlreichen kleinen Löchern durchstochen. Dabei handelt es sich in Wirklichkeit um Drüsen, die ätherisches Öl enthalten. Tüpfel-Hartheu wird auch Johanniskraut genannt. Verwechseln Sie es jedoch nicht mit der Bezeichnung „Johanniskräuter“, die je nach Zeit und Region für verschiedene Pflanzenarten verwendet wird.
Tüpfel-Hartheu ist eine wild wachsende, krautige Pflanze mit aufrechtem Stängel. Sie kommt häufig an Böschungen und auf Wiesen vor. Wie bei den anderen Arten der Gattung Hypericum sind die fünf Blütenblätter leuchtend gelb und die Staubblätter gut sichtbar. Blüten und Blätter sind außerdem mit kleinen schwarzen Punkten übersät. Die botanische Art wirkt unauffälliger als die Kulturformen, die meist wegen ihrer spektakulären Blüte ausgewählt wurden. Verwenden Sie ein Bestimmungsbuch, in dem die Wildarten einer bestimmten Region aufgeführt sind, um die gesuchte Pflanze sicher zu bestimmen.

Laub und Blüten von Hypericum perforatum. Oben rechts sind die Durchscheinungen im Laub zu erkennen (Foto Matt Lavin – Wikimedia)
Wann sollten Sie Hartheu ernten?
In der Pflanzenheilkunde werden die blühenden Triebspitzen verwendet. Dabei handelt es sich um die Stängelenden mit den zahlreichen kleinen Blüten, die sich nur schwer einzeln pflücken lassen. Warten Sie daher, bis die Pflanze blüht, bevor Sie sie ernten.
Die Blüte von Tüpfel-Hartheu beginnt im Juni und dauert bis Juli. In diesem Zeitraum sollten Sie die Pflanze ernten.
Schneiden Sie bei trockenem Wetter mit einer Gartenschere die blühenden Triebspitzen ab. Wählen Sie Stängel, deren Blüten gerade aufgeblüht sind und noch keine Welke zeigen. Schneiden Sie den Stängel nicht direkt am Boden ab. So verhindern Sie, dass die mehrjährige Pflanze geschwächt wird.
Wie trocknen und lagern Sie Hartheu?
Trocknen Sie Hartheu möglichst rasch, und zwar innerhalb weniger Stunden nach der Ernte.
Schütteln Sie die blühenden Stängel zunächst vorsichtig, um eventuell darin sitzende Insekten zu entfernen.
Am einfachsten trocknen Sie Hartheu, indem Sie lockere kleine Bündel binden. So kann die Luft gut zirkulieren und die Feuchtigkeit staut sich nicht in der Mitte des Bündels.
Hängen Sie die Bündel anschließend kopfüber an einem dunklen, trockenen und luftigen Ort auf.
Die Pflanze ist trocken, sobald sie brüchig wird. Bewahren Sie sie dann in einem luftdicht verschlossenen Gefäß auf. Ein Glas eignet sich dafür ebenso wie ein Papierbeutel. Lagern Sie das Gefäß an einem trockenen, lichtgeschützten Ort.

Binden Sie kleine Bündel, die Sie zum Trocknen kopfüber aufhängen.
Wirkung und Verwendung
Mit Hartheu sind zahlreiche Vorstellungen verbunden. Lange Zeit galt es als magisches Kraut, das den Teufel fernhalten sollte.
Heute wird Hartheu vor allem auf zwei Arten verwendet: äußerlich zur Pflege der Haut oder innerlich zur Linderung leichter Depressionen.
Äußerliche Anwendung auf der Haut
Sie können zu Hause ein Öl herstellen, das bei der Behandlung von Verbrennungen helfen soll. Füllen Sie dazu ein Glas mit blühenden Triebspitzen und übergießen Sie diese mit einem Pflanzenöl, zum Beispiel Olivenöl oder Süßmandelöl. Nach vier Wochen im Sonnenlicht können Sie die Zubereitung filtern und auf die Haut auftragen.
Innere Anwendung bei Depressionen
Bevor Sie leichte Depressionen mit Pflanzen behandeln, sollten Sie zunächst eine medizinische Fachkraft konsultieren, die auf Pflanzenheilkunde spezialisiert ist und Sie bei der Wahl der für Sie geeigneten Behandlung berät.
Bei einer Behandlung mit Hartheu kann es zwei bis vier Wochen dauern, bis eine Wirkung feststellbar ist. Zubereitungen mit garantiertem Wirkstoffgehalt, etwa standardisierte Extrakte oder Urtinkturen, haben den Tee inzwischen weitgehend ersetzt. Sie können jedoch auch zu Hause einen Aufguss zubereiten. Lassen Sie sich zur Dosierung von einer Fachkraft beraten.
Wie bei allen Behandlungen gegen Depressionen gilt außerdem: Reduzieren Sie die Dosierung schrittweise.

Für den Hartheu-Tee werden getrocknete Blüten verwendet. Rechts sehen Sie ein Öl aus frischen Hartheu-Blüten.
Tipps und Warnhinweise
Verwenden Sie Hartheu mit großer Vorsicht.
Wechselwirkungen mit Medikamenten und anderen Mitteln
Erstens gibt es sehr viele Wechselwirkungen mit Medikamenten, die erhebliche Folgen haben können. Hartheu soll mit mehr als 70 Wirkstoffen wechselwirken. Daher ist besondere Vorsicht geboten.
Die Wirkung bestimmter Medikamente kann durch die Einnahme von Hartheu verändert werden. Dazu gehören unter anderem – um nur einige wichtige Beispiele zu nennen – Medikamente gegen Herzerkrankungen, Blutverdünner, Antidepressiva und orale Verhütungsmittel. Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen.
Darüber hinaus kann Hartheu auch mit zahlreichen anderen Pflanzen Wechselwirkungen haben, insbesondere mit Baldrian, dem Fächerblattbaum oder der Passionsblume.

Blüten von Valeriana officinalis, Blätter von Ginkgo biloba und eine Passionsblumenblüte
Nebenwirkungen
Außerdem kann Hartheu bei manchen Menschen, insbesondere bei Personen mit heller Haut, eine Photosensibilisierung auslösen. Dabei reagiert die Haut auf Sonnenlicht oder ultraviolette Strahlung. Unter anderem können Rötungen, Juckreiz und Reizungen auftreten.
Von der Anwendung wird abgeraten
Menschen mit einer bipolaren Störung sollten Hartheu ebenfalls nicht einnehmen, da es das Auftreten manischer Episoden begünstigen kann.
Schwangere und stillende Frauen sowie Kinder sollten diese Pflanze nicht anwenden.
Wie Sie sehen, ist Hartheu eine besonders schwierig anzuwendende Pflanze.
Wie immer sollten Sie sich auch hier unbedingt von Fachleuten beraten lassen und alle Medikamente nennen, die Sie einnehmen, um Probleme zu vermeiden.
Alles Wissenswerte über den Anbau von Hartheu erfahren Sie in unseren Artikeln:
- Hartheu: Welche gesundheitlichen Vorteile hat es?
- Hypericum, Hartheu: Pflanzen, Rückschnitt und Pflege.
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