Die Stecklingsvermehrung vieler Pflanzen erfolgt häufig im Spätsommer mit sogenanntem ausgereiftem Holz oder im Frühjahr bei krautigen Pflanzen. Im Herbst ist es noch nicht zu spät, Gartenschere und Töpfe hervorzuholen, denn einige Pflanzen eignen sich auch jetzt noch dafür! Erfahren Sie, bei welchen Pflanzen die Bewurzelung möglich ist und wie Sie herbstliche Stecklinge von Gehölzen erfolgreich vermehren.
Wann können Sie im Herbst Stecklinge schneiden?
Die Stecklingsvermehrung mit verholzten Stecklingen erfolgt je nach Klima Ihrer Region von Ende September bis Ende November. Je weicher ein Steckling ist, desto mehr Wärme benötigt er. Halbverholzte Stecklinge aus dem Spätsommer brauchen eine Temperatur von 12 bis 15 °C. Verholzte Stecklinge können dagegen bei niedrigeren Temperaturen Wurzeln bilden. Ziel ist es, Triebe zu schneiden, die noch nicht vollständig hart und trocken sind wie im Winter. Die Pflanze geht in die Vegetationsruhe über. Das fördert die Bewurzelung und verringert gleichzeitig das Risiko des Austrocknens.
Diese Anzeichen helfen Ihnen, den richtigen Zeitpunkt zu wählen:
- Die Blätter beginnen abzufallen oder verfärben sich.
- Das Holz bricht beim Biegen mit einem leichten Knacken.
- Vermeiden Sie Frostperioden und starke Regenfälle.

Welche Gehölze eignen sich besonders?
Herbstliche Stecklinge von Gehölzen eignen sich vor allem für sommergrüne Sträucher und einige kleinere Bäume. Vermeiden Sie Nadelgehölze, mediterrane Pflanzen wie Lavendel oder Rosmarin sowie immergrüne Sträucher wie Lorbeer und Stechpalme.
Die besten Erfolgsaussichten haben Sie mit den folgenden Sträuchern und Kletterpflanzen:
- Rose (nicht veredelt): Wählen Sie einjährige, blütenlose Triebe.
- Johannisbeere: Stecklinge von 20 bis 25 cm Länge.
- Schwarze Johannisbeere: Stecklinge von 20 bis 25 cm Länge.
- Hartriegel (Cornus): Stecklinge von 15 bis 20 cm Länge; die Bewurzelung dauert 2 bis 3 Monate.
- Schneeball (Viburnum): Stecklinge von 15 bis 20 cm Länge.
- Forsythie: sehr einfach zu vermehren und schnell bewurzelnd.
- Schöner Sternchenstrauch: Schneiden Sie gut gerade gewachsene Triebe.
- Schmetterlingsstrauch: Stecklinge von 20 bis 30 cm Länge.
- Weigelie: Wählen Sie Triebe ohne Totholz.
- Geißblatt (Lonicera): Stecklinge von 20 cm Länge.

Wie gehen Sie vor?
Benötigtes Material
- Saubere und desinfizierte Gartenschere
- Töpfe oder tiefe Anzuchtschalen, gefüllt mit einer lockeren Mischung aus 2/3 Blumenerde und 1/3 Sand oder Perlite
- Stäbchen oder Bleistift
- Kalthaus, Frühbeetkasten oder Kunststoffhaube
- Etiketten zur Kennzeichnung der Sorten
Schritte
- Schneiden Sie die Stecklinge: Wählen Sie gesunde, krankheitsfreie Triebe des laufenden Jahres.
- Schneiden Sie je nach Pflanze 15 bis 25 cm lange Teilstücke. Setzen Sie den unteren Schnitt direkt unter einem Knoten und schräg an, um die Bewurzelungsfläche zu vergrößern. Das Auge beziehungsweise der Knoten ist eine ruhende Knospe. Dort sind besonders viele natürliche Wachstumshormone vorhanden, sodass sich hier leichter Wurzeln bilden.
- Entfernen Sie die verbliebenen Blätter, um die Verdunstung zu verringern.

- Bereiten Sie das Substrat vor: Füllen Sie die Töpfe oder Anzuchtschalen mit der Blumenerde-Mischung.
- Stechen Sie mit einem Bleistift oder einem Stäbchen ein Loch vor, damit Sie die Basis des Stecklings nicht verletzen.
- Stecken Sie den Steckling etwa zu einem Drittel seiner Länge in die Erde. Achten Sie darauf, dass mindestens ein Knoten bedeckt ist. An dieser Stelle bilden sich die Wurzeln. Lassen Sie in einer Anzuchtschale 5 bis 10 cm Abstand zwischen den Stecklingen.

- Gießen Sie vorsichtig, damit das Substrat feucht, aber nicht nass ist. Verwenden Sie einen Zerstäuber, damit die Stecklinge nicht freigelegt werden.
- Beschriften Sie die Stecklinge.
- Halten Sie das Substrat während der gesamten Bewurzelungszeit leicht feucht.
- Stellen Sie die Töpfe oder Anzuchtschalen an einen geschützten Ort, zum Beispiel in ein Kalthaus, einen Frühbeetkasten oder an eine nach Norden ausgerichtete Mauer. So vermeiden Sie starke Temperaturschwankungen. Sinkt die Temperatur unter -5 °C, schützen Sie die Stecklinge mit Wintervlies oder einer Schicht Stroh.

- Herbstliche Stecklinge von Gehölzen brauchen im Allgemeinen 2 bis 3 Monate, um Wurzeln zu bilden. Sie können die Wurzelbildung prüfen, indem Sie ganz vorsichtig an einem Steckling ziehen. Gibt er Widerstand, ist das ein gutes Zeichen!
- Im folgenden Frühjahr, sobald die Knospen anschwellen, können Sie die bewurzelten Stecklinge ins Freiland oder in einzelne Töpfe verpflanzen.
- Variante: Sie können die Stecklinge auch direkt ins Freiland in einen mit Sand und Blumenerde gefüllten Graben pflanzen. Diese Methode eignet sich besonders, wenn Sie viele Stecklinge vermehren möchten und Ihr Boden gut durchlässig ist. Wählen Sie dafür einen gut geschützten Standort.
Diese Fehler sollten Sie vermeiden
- Zu junge oder zu alte Triebe verwenden: Das Holz darf weder zu grün noch zu hart sein.
- Die Stecklinge verkehrt herum pflanzen!: Schneiden Sie die Spitze des Triebs schräg und die Basis gerade ab, damit Sie die Orientierung erkennen. Alternativ können Sie die Stecklinge auf der Arbeitsfläche direkt in der richtigen Richtung ausrichten. Diese Unterscheidung ist bei blattlosen Trieben besonders wichtig, da sich ihre Ober- und Unterseite schwerer erkennen lässt.
- Das Beschriften vergessen: Ohne Etikett können Sie die Sorten im Frühjahr leicht verwechseln.
- Zu viel gießen: Ein nasses Substrat begünstigt Pilzkrankheiten und Fäulnis.
- Vermeiden Sie außerdem zu nährstoffreiche Blumenerde, da auch sie Fäulnis fördern kann.
Das Wichtigste auf einen Blick
✅ Idealer Zeitraum: Ende September bis Ende November.
✅ Geeignete Pflanzen: Rose, Johannisbeere, Forsythie, Holunder und weitere.
✅ Unverzichtbares Material: desinfizierte Gartenschere, Mischung aus Blumenerde und Sand, Etiketten.
✅ Zu vermeidende Fehler: zu junges oder zu altes Holz, nasses Substrat, falsch herum gesteckte Stecklinge.
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