Der Steckling mit einem Stück älteren Holzes unterscheidet sich vom klassischen Steckling durch die Erhaltung eines kurzen Abschnitts des tragenden Zweigs (des Holzes aus dem Vorjahr) an der Basis des Triebs. Dieses ältere Holzstück dient als Energiereserve und erleichtert die Wurzelbildung erheblich. Diese Stecklingsmethode eignet sich besonders für Sträucher mit weichem Mark oder schwer bewurzelbarem Holz, etwa für die Weinrebe, den Feigenbaum, den Holunder, den Liguster oder den Buchsbaum.

Worin unterscheidet sich diese Methode vom Steckling mit Fuß?

Der Steckling mit einem Stück älteren Holzes zeichnet sich dadurch aus, dass ein vollständiger Abschnitt des tragenden Zweigs erhalten bleibt. Dadurch entsteht an der Basis des Triebs eine T-Form, die ein Maximum an Nährstoffreserven bietet. Beim Steckling mit Fuß bleibt dagegen nur ein schmaler Streifen aus Rinde und Holz erhalten, der beim Abreißen des Seitentriebs mit abgelöst wird.

Der wichtigste Unterschied betrifft die Mutterpflanze: Für den Steckling mit einem Stück älteren Holzes müssen Sie einen Abschnitt des Hauptzweigs opfern, während der Steckling mit Fuß den tragenden Zweig weitgehend schont. Verwenden Sie die erste Methode vor allem bei weichem Holz wie dem der Weinrebe. Der Steckling mit Fuß eignet sich eher für hartes Holz oder Nadelgehölze.

Welche Pflanzen eignen sich für diese Stecklingsmethode?

  • Die Weinrebe (Vitis vinifera): Sie ist die typische Pflanze für diese Methode, da das ältere Holz die für das Anwachsen nötigen Reserven bereitstellt.
  • Der Holunder (Sambucus): Sein Holz mit weichem Mark profitiert von der Stabilität des älteren Holzstücks und fault dadurch weniger leicht.
  • Der Feigenbaum (Ficus carica): Diese Methode eignet sich für Sorten, deren einjähriges Holz manchmal zu saftreich ist.
  • Die Weide (Salix): Obwohl sie leicht Wurzeln bildet, sorgt diese Methode für eine außergewöhnliche Wuchskraft.
  • Die Hartriegel mit dekorativem Holz (Cornus 'Alba', Cornus sanguinea, Cornus sericea)
  • Der Schmetterlingsstrauch (Buddleia sp.): So erhalten Sie bereits im ersten Jahr kräftigere Sträucher.
  • Der Liguster (Ligustrum): Er eignet sich sehr gut, um schnell Hecken anzulegen.
  • Der Buchsbaum (Buxus): Diese Methode beschleunigt die Bewurzelung einer von Natur aus langsam wachsenden Pflanze.
Die Weinrebe lässt sich mit dieser Methode vermehren.
Die Stecklingsvermehrung mit einem Stück älteren Holzes eignet sich ideal für die Vermehrung einer Weinrebe (KI-generiertes Bild)

Benötigtes Material

  • Eine Gartenschere: Reinigen Sie die Klingen vorher mit Alkohol, um Krankheiten zu vermeiden.
  • Ein tiefer Topf oder eine geschützte Stelle im Garten
  • Substrat: eine Mischung aus 50 % Lauberde und 50 % Flusssand
  • Ein Bleistift oder ein kleiner Stock als Setzholz

Wann sollten Sie einen Steckling mit einem Stück älteren Holzes schneiden?

Schneiden Sie solche Stecklinge von November bis Februar, also während der Vegetationsruhe.

Die einzelnen Schritte

1. Den Steckling schneiden

Suchen Sie einen kräftigen einjährigen Trieb mit biegsamem, aber festem Holz aus. Schneiden Sie nicht nur den Trieb ab, sondern durchtrennen Sie den Hauptzweig beidseits der Triebbasis.

  • Sie erhalten eine umgekehrte T-Form.
  • Der kurze waagerechte Abschnitt aus älterem Holz sollte etwa 2 cm lang sein.

2. Den Trieb vorbereiten

  • Kürzen Sie den senkrechten Haupttrieb auf etwa 20 bis 25 cm.
  • Entfernen Sie im unteren Drittel alle Blätter und Seitentriebe. Lassen Sie am oberen Ende nur 2 oder 3 Blätter stehen. Im Winter können Sie stattdessen 2 oder 3 Knospen belassen.
  • Schneiden Sie das obere Ende des Triebs schräg an, direkt über einer Knospe. So kann sich dort kein Regenwasser sammeln.

3. Den Steckling einpflanzen

  • Bereiten Sie mit dem Setzholz ein Pflanzloch vor. So beschädigen Sie das ältere Holzstück nicht, wenn Sie den Steckling einsetzen.
  • Setzen Sie den Steckling ein: Der waagerechte Holzabschnitt muss flach auf dem Grund des Pflanzlochs liegen. Zwei Drittel der Trieblänge werden in die Erde gesteckt.
  • Füllen Sie das Pflanzloch wieder auf und drücken Sie das Substrat mit den Fingern fest an. So entfernen Sie Lufträume rund um das Holz.

Pflege und weitere Entwicklung

Gießen Sie direkt nach dem Pflanzen. Das Substrat muss frisch und leicht feucht bleiben, darf aber niemals zu nass sein. Andernfalls kann das ältere Holz faulen.

Stellen Sie Ihre Töpfe windgeschützt auf, idealerweise an eine nach Norden ausgerichtete Mauer oder in den lichten Schatten.

Ziehen Sie niemals am Trieb, um die Wurzeln zu kontrollieren. Warten Sie, bis sich kräftig neue Blätter entwickelt haben, in der Regel im folgenden Frühjahr, bevor Sie den Steckling umtopfen.

Achtung: Achten Sie darauf, dass das ältere Holzstück von einem gesunden Zweig stammt. Es darf weder schwarze Flecken noch Rindenkrebs aufweisen. Von diesem Abschnitt geht später die gesamte Wuchskraft Ihrer neuen Pflanze aus.