Die Welt ist ungerecht, selbst im Gemüsegarten. Die Chicorée ist dafür das perfekte Beispiel: Sie ist ebenso schmackhaft und einfach anzubauen wie Kopfsalat, erfreut sich jedoch deutlich geringerer Beliebtheit und ist deshalb in unseren Gärten nur selten zu finden. Liegt es an der Beschaffenheit ihrer Blätter? An ihrer leichten Bitternote? Oder daran, dass wir sie einfach noch nicht richtig entdeckt haben? Lernen wir sie also näher kennen …
Die Chicorée? Nein, die Chicorée-Arten. Und ein echtes botanisches Rätsel!
Wer sich mit Chicorée beschäftigt, muss sich zunächst einem kleinen botanischen Rätsel stellen. Es gibt eine Vielzahl von Sorten. Obwohl sie alle zur großen Familie der Korbblütler gehören, werden sie zwei großen Arten zugeordnet. Und genau hier wird es kompliziert. Sehen Sie selbst:
1) Cichorium endivia
Unter 'Cichorium endivia' werden die Endivie oder botanisch echte Endivie zusammengefasst:
- die Frisée (Cichorium endivia crispum) mit stark geschlitzten Blättern. Einige Sorten: 'Fine de Meaux', 'Frisée de Ruffec'
- die Escariol-Endivie (Cichorium endivia latifolium) mit aufrecht wachsenden, blasigen Blättern, zum Beispiel 'Cornet d’Anjou', 'Géante maraîchère', 'Casque d'Or'.

Keinesfalls handelt es sich jedoch um die im Norden als Chicon bezeichnete Endivie. Sind Sie jetzt verwirrt? Das ist ganz normal. Carl von Linné muss ein echter Spaßvogel gewesen sein …
2) Cichorium intybus
Cichorium intybus entspricht der Wegwarte: Gemeint ist ganz logisch die Wegwarte, die spontan auf meiner Wiese wächst, aber auch Sorten, die seit Langem kultiviert werden und überhaupt nichts Wildes an sich haben! Sie waren gewarnt.
Unter dem Namen Cichorium intybus werden folgende Sorten zusammengefasst:
- Die Wegwarte 'Barbe de Capucin' (Cichorium intybus foliosum) ähnelt ein wenig dem Löwenzahn. Ihr feiner Geschmack weist eine leichte Bitternote auf. Diese Chicorée-Sorten lassen sich gut zum Treiben verwenden.
- Die Zuckerhut-Chicorée (Cichorium intybus foliosum) bildet prächtige, längliche Köpfe mit einem schön weißen Herzen.
- Die italienischen Chicorée-Sorten (Cichorium intybus partim) sind oft farbenfroh (z. B. 'Rouge Trévise', 'Rouge de Vérone') oder bilden hübsche, rosenförmige Köpfe ('Grumolo verde'),
- die Witloof-Endivie oder der Witloof-Chicorée (Cichorium intybus foliosum) schmeckt roh ebenso gut wie gekocht … bei Kindern am besten in einem Meer aus Béchamelsauce 🙂
- die industriell angebaute Chicorée für Kaffee, der „Ami Ricoré“ von Ami Ricoré (Cicchorium intybus sativum), deren Wurzel sich wie die Chicorée 'Tête d’Anguille' als Gratin zubereiten lässt. Diese regionale Sorte wäre beinahe verschwunden und wird dieses Jahr von promesse de fleurs angeboten.

Aber seien Sie beruhigt: Unabhängig davon, ob Sie alle botanischen Feinheiten verstanden haben oder nicht, möchte ich Sie zum Anbau dieser Pflanzen ermutigen. Hier erfahren Sie, warum …
Im Gemüsegarten ist der Anbau einfach … Ein bisschen Frost? Keine Angst!
Im Gemüsegarten ist die Aussaat von Chicorée einfacher als die von Kopfsalat (alles dazu erfahren Sie hier: Chicorée erfolgreich anbauen und bleichen). Anders als die Samen anderer Salate keimen die Samen auch bei Temperaturen über 20 ° C. Wärme beschleunigt zudem ihr Auflaufen.
Wenn die ersten Fröste kommen, gibt es wenig zu befürchten, denn Chicorée ist ziemlich winterhart. Frisée und Escariol sind zwar weniger widerstandsfähig als die Wildformen, doch ein Wintervlies lässt sich im Handumdrehen auflegen und reicht zu ihrem Schutz aus.
Chicorée bleichen? Einfach und optional …
Das Bleichen ist bei Chicorée nicht immer notwendig, denn viele Sorten wie die Escariol-Endivie 'Ronde Verte à cœur plein' oder 'Grosse Bouclée' bleichen von selbst.
Beim Bleichen wird die Photosynthese unterbunden, indem den Blättern das Licht entzogen wird. Bei der Witloof-Endivie ist dieser Schritt unverzichtbar (hier erfahren Sie mehr: Witloof-Endivie erfolgreich anbauen). Außerdem werden die Blätter zarter und milder im Geschmack. Keine Sorge, es ist ganz einfach: Etwa zehn Tage vor dem Erntetermin haben Sie mehrere Möglichkeiten:
- Bedecken Sie den Kopf mit einem Tontopf oder einer lichtundurchlässigen Haube.
- Binden Sie den Kopf mit einer Schnur zusammen, sodass die äußeren Blätter das Herz der Chicorée-Pflanze bedecken.
- Schützen Sie die Chicorée-Pflanzen mit einem Tunnel aus lichtundurchlässiger Folie. Wenn Sie sie unter einem Frühbeetkasten anbauen, legen Sie Folie, Karton oder Matten darüber.
Die einzige Vorsichtsmaßnahme: Bleichen Sie die Pflanzen nicht, wenn Frost angekündigt ist. Sonst ist Fäulnis vorprogrammiert.
Damit wissen Sie fast alles über Chicorée. Jetzt müssen Sie ihn nur noch säen! Warten Sie nicht zu lange, denn jetzt ist der richtige Zeitpunkt.
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