Angesichts des Klimawandels ist regelmäßig von heißen und trockenen Sommern die Rede, unter denen Pflanzen und insbesondere Bäume leiden – und nicht nur sie! Dabei wird oft vergessen, dass Pflanzen eine Ruhephase brauchen: den Winter. Ist dieser Winter nicht kalt genug, kann das die Gesundheit von Bäumen und Sträuchern beeinträchtigen. Wir sehen uns die Folgen genauer an!

Zu milde Winter setzen Bäumen zu: Folgen des Klimawandels im Garten
Solche Bilder sieht man in vielen Regionen mitten im Winter immer seltener …

Die meteorologische Entwicklung

Kein Jahr gleicht dem anderen, besonders in unserer Zeit. Doch inzwischen sind Temperaturen, die deutlich über den saisonalen Durchschnittswerten liegen, keine Seltenheit mehr – im Süden ebenso wie weiter nördlich. Fachleute sprechen mitunter von „Nicht-Wintern“. Und das wird sich sicherlich nicht verbessern. Der Mensch hat zwar schon immer außergewöhnliche Jahre erlebt, darunter auch Winter mit ungewöhnlich milden Temperaturen. Das Problem ist, dass das Außergewöhnliche zur Norm wird und die Winter praktisch jedes Jahr milder ausfallen. Durch den Klimawandel bringen dieselben Meereswinde wie früher mehr Luft mit sich. Diese Luft ist wärmer, weil auch das Meerwasser wärmer ist. Außerdem verstärkt die abnehmende Schneebedeckung diesen Effekt, da der kühlende Einfluss des Schnees nachlässt. Mit anderen Worten: Der Effekt wird sich in den kommenden Jahren noch verstärken.

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Welche Folgen hat das für die Bäume?

Bei milden Temperaturen beginnt der Pflanzensaft wieder zu zirkulieren. Einige Pflanzen beenden ihre Dormanz und beginnen auszutreiben. Das hätte keine so gravierenden Folgen, wenn nicht in den darauffolgenden Wochen regelmäßig eine strenge Frostperiode eintreten würde. Dieser Frost zerstört die Knospen, Blüten und sogar einen Teil des jungen Laubs. Keine Blüten, keine Früchte! Wird das Laub zerstört, muss der Baum viel Energie aufwenden, um neues Laub zu bilden. Einmal geht das gut. Jedes Jahr jedoch führt es zu erheblichen Schäden. Einige Bäume, Sträucher und im Frühjahr blühende Zwiebelpflanzen sind allerdings an winterliche Kälte angepasst, selbst wenn diese spät einsetzt. Für sie gilt, wie bei der Kornelkirsche oder dem blühenden Schneeglöckchen: Kälte? Kein Problem!

Auch der Entwicklungszyklus des Baumes kann völlig aus dem Gleichgewicht geraten. Viele Pflanzen benötigen eine Kältephase, um ihre Dormanz zu beenden. Diesen Vorgang nennt man Vernalisation. Sie setzt die Blütenbildung in Gang und markiert den Übergang von der vegetativen zur generativen Phase. Bleibt diese Kältephase aus oder tritt sie nicht zur richtigen Zeit ein, bildet der Baum keine Blüten – mit allen daraus resultierenden Folgen. Kirschbäume benötigen beispielsweise durchschnittlich etwas mehr als 1.000 Stunden bei Temperaturen unter 7 °C, bevor sie zu blühen beginnen. Bei Kultur-Apfel und Birnbaum liegt dieser Bedarf zwischen 200 und 1.400 Stunden.

Zu milde Winter setzen Bäumen zu: Folgen des Klimawandels im Garten
Knospen, die sich aufgrund einer Wärmephase zu früh öffnen, können die Bäume jedes Jahr weiter schwächen.

Droht uns in 100 Jahren eine Obstknappheit?

Das lässt sich nur schwer sagen … Der Klimawandel schreitet jedoch so schnell voran, dass sich Pflanzen nicht schnell genug an diese Veränderungen anpassen können. Obstbäume und Obststräucher könnten tatsächlich nicht mehr blühen oder verkümmerte Blüten hervorbringen, aus denen sich missgebildete oder besonders kleine Früchte entwickeln. Hinzu kommt, dass auch bestäubende Insekten betroffen sind. Sie werden am Ende des Winters häufig zu früh aktiv, wenn die Bäume noch nicht blühen. Die große Mehrheit der Insekten hat sich gemeinsam mit bestimmten Pflanzenarten entwickelt. Mit anderen Worten: Eine bestimmte Insektenart kann eine bestimmte Pflanzenart bestäuben. Verschwinden diese Insekten, sind auch die von ihnen abhängigen Bäume vom Aussterben bedroht. Kurz gesagt: Die Zukunft sieht wenig erfreulich aus …

Zu milde Winter setzen Bäumen zu: Folgen des Klimawandels im Garten
Auch für bestäubende Insekten besteht Gefahr …