Irrtümer beim Tomatenanbau
Tomatenanbau: Mythen und Fakten
Inhaltsverzeichnis
Tomaten: Von der Aussaat bis zum Rückschnitt kursieren viele Tipps und Irrtümer. Wir prüfen, was wirklich hilft. Test: 20 Sorten.
Rund um die Tomatenaussaat
Jeder gute Gärtner, der Tomaten ausgesät hat, kennt das Vergeilen der Keimlinge. Die Pflänzchen wachsen an einem immer länger werdenden Stängel und bilden kaum oder gar keine Blätter. Schließlich wird der Keimling schwach, brüchig, blass und kippt um.
Wodurch wird das Vergeilen verursacht? Ganz einfach durch Lichtmangel in Verbindung mit der richtigen Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Genau hier führen uns manche Empfehlungen in die Irre. In Fachliteratur und auf Internetseiten liest man nicht selten, dass Tomaten bereits ab Februar ausgesät werden können. Falsch (oder richtig für Gärtner in den Mittelmeerregionen und auf Korsika, die ihre Tomatensamen bereits Ende Februar aussäen können).

Säen Sie Tomaten nicht zu früh aus, sonst vergeilen sie
Zum Keimen benötigt ein Tomatensamen nachts 15 °C, tagsüber 22 bis 25 °C sowie mindestens 14 Stunden Licht pro Tag. Diese Bedingungen herrschen in der Regel im April.
Da ein Tomatensamen 4 bis 6 Wochen braucht, um eine kräftige Jungpflanze für das Auspflanzen ins Freiland zu bilden, berechnen Sie den Aussaattermin anhand des Pflanztermins. Dieser liegt je nach Region zwischen Ende April und Anfang Juni.
Mehr dazu im Beitrag von Ingrid: Tomaten aussäen und pikieren
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Erfolgreich Tomaten anbauenTomaten pflanzen: Was taugen die Tipps?
Tomaten sind ausgesprochen nährstoffhungrig – das ist eine Tatsache. Außerdem sind sie besonders anfällig für zahlreiche Krankheiten (Kraut- und Braunfäule, Blütenendfäule, Schwarzfäule, Fusarium-Welke, Verticillium-Welke …). Überall finden sich Tipps, wie sich diese Krankheiten vermeiden lassen oder welche Dünger für eine gute Entwicklung der Nachtschattengewächse nötig sind.
Falsche Düngetipps
- Bananenschale im Pflanzloch. Bananenschalen sind zwar reich an Kalium und Magnesium, aber nicht reicher als Kartoffeln oder Kürbisse. Außerdem enthalten sie keinen Stickstoff. Daher ist es nutzlos oder sogar schädlich, sie unten in das Pflanzloch der Tomate zu legen. Bei ihrer Zersetzung kann sich nämlich eine für das Wurzelsystem schädliche Luftblase bilden. Zudem wird die Bananenschale eher vergären als sich zersetzen. Geben Sie sie daher besser auf den Kompost.
- Zerkleinerte oder zermahlene Brennnesselblätter im Pflanzloch. Brennnesseln sind zwar reich an Mineralstoffen und Spurenelementen, insbesondere an Stickstoff, Kalium und Eisen. Dennoch ist es auch hier keine gute Idee, sie in das Pflanzloch der Tomate zu geben. Warum? Ohne Luft vergären die Brennnesseln eher, als dass sie sich zersetzen, und können die Wurzeln zum Faulen bringen, vor allem bei direktem Kontakt. Am besten mulchen Sie die Tomaten mit Brennnesselblättern. Alternativ können Sie Brennnessel- oder Beinwellblätter zwischen den Tomatenpflanzen vergraben.

Bananenschalen oder Brennnesseln im Pflanzloch der Tomate können mehr schaden als nutzen.
Der Irrglaube zur Bekämpfung der Kraut- und Braunfäule
Weit verbreitet ist nach wie vor die Idee, einen Kupferdraht durch den Tomatenstängel zu stecken oder um ihn zu wickeln, um die Pflanze vor Kraut- und Braunfäule zu schützen. Doch diese Methode ist kaum begründet.
Einerseits ist Kupfer nicht wasserlöslich und erst recht nicht im Pflanzensaft. Es kann sich daher nicht in Kupfersulfat umwandeln. Außerdem wird Kraut- und Braunfäule nicht über den Pflanzensaft, sondern durch Kontakt übertragen. Sie lässt sich auch nur durch Kontaktmittel behandeln, also durch vorbeugendes Besprühen der Blätter mit Bordeauxbrühe, Schachtelhalmbrühe oder Natron.
Dagegen kann der Kupferdraht, der einen Tomatenstängel durchbohrt, die Pflanze schwächen. Außerdem kann er möglicherweise als Überträger einer Pilzkrankheit dienen.
Der Irrglaube zur Pflanzung im Gewächshaus
Viele pflanzen und kultivieren Tomaten im unbeheizten Gewächshaus oder im geschlossenen Folientunnel. Das ist zwar sinnvoll, da die Tomaten vor Feuchtigkeit geschützt sind und dank der Wärme schneller reifen. Allerdings muss das Gewächshaus regelmäßig gelüftet werden, denn Kraut- und Braunfäule wird nicht nur durch Feuchtigkeit, sondern auch durch fehlende Luftzirkulation begünstigt.

Im Gewächshaus fehlt den Tomaten oft die Luft. Ein Tomatenschutzdach ist vorzuziehen
Ein einfaches Tomatenschutzdach ist viel wirksamer als ein Gewächshaus, da es die Pflanzen vor schlechtem Wetter schützt und gleichzeitig die Luft zirkulieren lässt. Vier bis sechs Pfähle oder Rohre und eine Plastikfolie reichen aus.
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Tomaten gießen ... Schon wieder Gerüchte!
Beim Gießen verbreiten sich viele vermeintlich gute Ideen ebenso schnell wie Krankheiten! Zumal das Gießen von Tomaten immer wieder für Diskussionen sorgt.
- Das Bewässern mit einer umgedrehten Wasserflasche ist (meiner Meinung nach) nicht unbedingt die beste Idee. Warum? Weil die Tomate dadurch ständig mit Wasser versorgt wird. In Bodennähe steht ihr dauerhaft Wasser zur Verfügung, sodass ihre Wurzeln nicht in tiefere Bodenschichten vordringen. Bei längerer Abwesenheit kann dies eine vorübergehende Lösung sein … Besser ist es jedoch, alle 4 bis 5 Tage – je nach Klima auch häufiger – kräftig mit der Gießkanne zu gießen. Und natürlich, ohne die Blätter zu benetzen!
- Eierschalen im Gießwasser oder Milch gegen Blütenendfäule. Diese auch als Fruchtendfäule bezeichnete Krankheit tritt häufig auf, wenn Tomaten zum Ausreifen viel Kalzium benötigen. Zwar sind Eierschalen und Milch reich an Kalzium, aber nicht in ausreichender Menge, um einen nennenswerten Effekt zu erzielen. Regelmäßigeres Gießen ist dagegen wirksamer, damit die Tomate das im Boden enthaltene Kalzium aufnehmen kann.

Tomaten seltener, aber reichlich mit der Gießkanne gießen, ohne die Blätter zu benetzen
- Gesüßtes Gießwasser, damit die Tomaten zart und süß werden! Eine Idee, die skeptisch stimmt! Folgt man dieser Logik, würden Tomaten durch Gießen mit Beinwelljauche dessen Geschmack annehmen! Das überlasse ich Ihnen zum Ausprobieren …
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