Kleiber in den Garten locken?
Akrobatischer Singvogel: Erkennen, Leben, Nahrung
Inhaltsverzeichnis
Kleiber: Der flinke Waldvogel klettert kopfüber an Stämmen und Zweigen. Verhalten, Nahrung und Tipps für einen vogelfreundlichen Garten.
Kleiber erkennen
Der Kleiber (Sitta europea). Schon auf den ersten Blick fällt sicher der Name dieses kleinen, etwa meisenroßen Singvogels auf! Der Kleiber gehört zur Familie der Kleiber, die … nur Kleiber umfasst! Weltweit gibt es rund 30 Arten dieser kletternden Höhlenbrüter. In unseren Breiten lässt sich nur der Kleiber beobachten. Seinen Namen verdankt er seiner Fähigkeit, den Eingang zu seinem Nest mit Lehm zu verschließen. „Kleiber“ bezieht sich also auf seine Fähigkeiten als Maurer: Er verwandelt Erde von Wegen in Lehm.
Abgesehen von dieser Besonderheit ist der Kleiber ein kleiner Vogel mit unverwechselbarem Aussehen. Sein Körper wirkt zugleich kompakt und schlank – eine Besonderheit, die sich durch den langen, breiten Kopf, den kurzen Schwanz und vor allem das Fehlen eines Halses erklärt. Sein Schnabel ist lang, spitz und kräftig.
Der Kleiber ist auch an seinem farbenprächtigen Gefieder zu erkennen. Rücken, Flügel und Schwanz sind blaugrau, die Unterseite ist gelbbraun bis orangebraun. Die Kehle und der untere Kopfbereich sind grauweiß. Zusammen mit dem schwarzen Augenstreif, der seine Augen durchquert, wirkt der Kleiber fast wie ein kleiner Pirat.

Der Kleiber ist ein kleiner Akrobat unter den Vögeln
Unser aufmerksamer Singvogel macht außerdem mit einem besonders lauten, scharfen Gesang auf sich aufmerksam, der von wiederholten, eher spitzen „Twit“-Rufen unterbrochen wird.
Was den Kleiber jedoch besonders einzigartig macht, ist seine Fortbewegungsweise. Am Boden hüpft er unaufhörlich. Und auf Bäumen läuft er kopfüber an Baumstämmen hinab. Nur der Specht kann an Baumstämmen hinaufklettern, doch der Kleiber geht noch weiter und steigt mit dem Kopf nach unten hinab. Da kann man wirklich von einem Akrobaten sprechen!
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Der Kleiber ist ein ausgesprochen standorttreuer Vogel, der nur seine nähere Umgebung aufsucht und dort Nahrung findet. Er kann zudem sehr territorial sein, besonders während der Brutzeit. Jeder Eindringling wird energisch, ja sogar aggressiv vertrieben. Außerhalb der Brutzeit kann er sich zu einem geselligeren Leben zusammenschließen, allerdings nur im Familienverband.
Wo leben Kleiber?
Als Baumvogel lebt der Kleiber in offenen Waldgebieten, etwa in Laub- oder Mischwäldern. Er kommt auch in großen städtischen Parks sowie in alten Obstgärten und großen Baumhecken vor. Besonders anziehend sind für ihn alte, große und ausgewachsene Bäume, in denen er Höhlen für sein Nest findet. Auch seine Nahrung findet er in diesen alten Bäumen. Der ideale Lebensraum für Kleiber ist ein alter Eichenwald.
Wenn Sie in der Nähe eines Waldes wohnen oder in Ihrem Garten große Bäume stehen, sollten Sie aufmerksam lauschen. Die Chancen stehen gut, dass Sie einen Kleiber singen hören. Sie können sogar versuchen, einen geschlossenen Nistkasten mit einem 32 mm großen Einflugloch anzubringen, wie er üblicherweise für Kohlmeisen angeboten wird.
Einige Worte zu Fortpflanzung und Nestbau
Der eher heimische Kleiber ist außerdem monogam. Männchen und Weibchen bleiben stets in der Nähe des jeweils anderen. Die Brutzeit dauert von April bis Mai. Nach der Balz beginnt das Weibchen mit dem Nestbau. Und das braucht Zeit! Genauer gesagt zwei bis vier Wochen, in denen es die ideale Höhle sucht, sie mit Holzspänen, Rinde und Blättern füllt und den Eingang mit Lehm verschließt, den es vom Boden aufnimmt. Diese Vorsichtsmaßnahme ist wichtig, um die Sicherheit der Küken zu gewährleisten: Mit dem Lehm verkleinert es das Einflugloch und hindert dadurch Spechte oder Stare daran, das Nest zu besetzen. Häufig baut es sein Nest in ehemaligen Spechthöhlen.

Als Höhlenbrüter legt der Kleiber sein Nest in einer Baumhöhle oder einem geschlossenen Nistkasten an
Sobald alles bereit ist, legt das Kleiberweibchen 5 bis 9 rostrot gesprenkelte weiße Eier, die es 13 bis 18 Tage lang bebrütet. Auch danach wärmt es die Küken weiter. Das Männchen übernimmt nun die Fütterung der Jungen, wobei auch das Weibchen mithilft. Insgesamt bleiben die Küken etwa 30 Tage im Nest. Daher ziehen Kleiber nur eine Brut pro Jahr auf.
Wovon ernähren sich Kleiber?
Der Kleiber ist ein insekten- und körnerfressender Vogel. Das hängt von der Jahreszeit ab! Sobald es im Frühling wärmer wird, sucht er nach Insekten. Dabei ist er besonders flink und untersucht sorgfältig kleinste Höhlungen, Risse und Spalten in Baumrinden. Zur Nahrungssuche steigt er sogar von seinem Sitzplatz auf den Boden hinab. Dabei entgeht ihm kein Insekt: pflanzenfressende Insekten, Käfer und Skarabäen, Spinnen, Ameisen, Zweiflügler, Schmetterlinge … Von Frühling bis Spätsommer lässt er sich gern Raupen von Wicklern, Prozessionsspinner oder andere blattfressende Insekten schmecken. Zumal im Nest die Jungvögel hungrig schreien.
Ab Herbst und im Winter stellt der Kleiber seine Ernährung um und wird zum Körnerfresser. Dann hat er es auf Samen aller Art abgesehen: von Kiefer, Fichte, Ahorn, Hainbuche … sowie auf Eicheln, Haselnüsse und Walnüsse. Er gibt sich auch mit einigen Knospen oder Beeren zufrieden. Ebenso mit Kokons und Puppen einiger Schmetterlinge.

Je nach Jahreszeit ernährt sich der Kleiber von Insekten oder Samen
Mit seinem scharfen Schnabel kann der Kleiber selbst härteste Schalen aufbrechen, um an den Kern zu gelangen. Dazu klemmt er seine Beute in einer Spalte der Baumrinde fest und hämmert mit dem Schnabel auf die Schale ein.
Der Kleiber ist außerdem vorausschauend und versteckt Nahrung für magere Zeiten unter Rinde oder im Boden.
Unweigerlich wird er von winterlichen Futterstellen im Garten angelockt, wo er problemlos den Meisen folgt. Allerdings teilt er nicht immer gern. Daher empfiehlt es sich, mehrere Futterstellen einzurichten.
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Einen Kleiber im eigenen Garten willkommen zu heißen, ist durchaus möglich. Im Winter besucht er häufig Futterstellen. Anders als Meisen oder Grünfinken bleibt er dort jedoch nicht. Er nimmt seinen Samen mit und knackt ihn abseits auf einem Baumzweig. Wenn Sie Kleiber an Ihren Futterstellen beobachten möchten, sollten Sie ihnen vor allem Sonnenblumenkerne sowie Haselnüsse, Erdnüsse und verschiedene Nüsse anbieten, die sie besonders gern fressen. Sie müssen die Nüsse nicht knacken – das erledigen die Vögel selbst! Legen Sie sie einfach in eine Futterstelle mit Gitter-Silo, damit die Vögel sie leicht aufnehmen können.
Der ideale Garten für Kleiber besteht aus großen, alten Laubbäumen mit rauer, rissiger Rinde, die von Löchern und Spalten durchzogen ist. Auch Haselnussbeete mit Haselsträuchern ziehen ihn an, denn dort findet er Nahrung. Außerdem besucht er gern alte Obstgärten, in denen alte Bäume zahlreiche Insekten beherbergen, darunter manchmal auch Schädlinge.

Kleiber besuchen Futterstellen gern, besonders wenn diese mit Sonnenblumenkernen, Erdnüssen und Nüssen gefüllt sind
Liegt Ihr Garten ganz in der Nähe eines Waldes, stehen die Chancen gut, dass der Kleiber ihn in der warmen Jahreszeit auf der Suche nach Insekten besucht.
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