Pfarrgarten gestalten: Grundprinzipien
Garten mit nostalgischem Charme
Inhaltsverzeichnis
Der Pfarrgarten verbindet Obst, Gemüse und duftende Blumen zu einem charmanten, pflegeleichten Garten ohne Trennung von Nutz- und Zierbereich.
Was ist ein Pfarrgarten? Vor allem eine Einstellung!
Ein wenig Geschichte …
Die ersten „Pfarrgärten“, die angelegt wurden, lassen sich nur schwer genau datieren. Die Anfänge dieses Gartentyps finden sich in den Abteien und Klöstern des Mittelalters. Diese Gärten dienten der Selbstversorgung (die bald durch echte klösterliche Landwirtschaft ersetzt wurde), sollten aber auch einen friedlichen Ort innerhalb der Abteimauern schaffen. Später entstand der eigentliche Pfarrgarten aus der Notwendigkeit heraus. Der Pfarrer einer Gemeinde musste sich ernähren, Heilmittel anbauen und einige Blumen zur Verschönerung der Kirche ziehen. Deshalb pflanzte er in seinem kleinen Pfarrgarten Gemüse, Heilpflanzen und Blumen – alles in fröhlichem Durcheinander. Der Pfarrgarten steht der üblichen Trennung von Zier- und Nutzgarten entgegengesetzt.

Ursprünglich war der mittelalterliche Garten von Mauern umgeben oder lag neben einem Pfarrhaus: links der Pfarrgarten von Blaubeuren in Deutschland, rechts der Garten an der Stadtmauer in Besse-en-Chandesse (Puy-de-Dôme)
Trotz allem eine klare Struktur
Ursprünglich war der Pfarrgarten von Mauern oder einer geschnittenen Hecke umgeben und in vier Pflanzquadrate gegliedert, die ein Wasserbecken umgaben. Zunächst war ein Quadrat für Gemüse, eines für Blumen, eines für Kräuter und Gewürzpflanzen und das letzte für Heilpflanzen vorgesehen. Mit der Zeit wurde diese Struktur weniger streng …
Doch Einfachheit und Zweckmäßigkeit stehen an erster Stelle.
Kein Schnickschnack! Keine empfindlichen oder seltenen Pflanzen! Nichts Sperriges oder Unnötiges! Nicht zu viel Pflege! Kurz gesagt: Ein Pfarrgarten ist ein Garten, in dem man sich ohne großen Aufwand wohlfühlt. Er soll auch ein Ort der Besinnung und Meditation sein.
Kleine Oasen der Biodiversität
Die Fülle an Blumen und Sträuchern, die der Tierwelt Schutz und Nahrung bieten, macht Pfarrgärten zu einem Zufluchtsort für Vögel, Insekten und Kleinsäuger – aber auch für den Gärtner selbst. Traditionell bestand ein Pfarrgarten außerdem hauptsächlich aus vier Gemüse- und Blumenbeeten mit einem Wasserbecken oder Teich für die Vögel in der Mitte.
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Gemüse
Auf kleiner Fläche sollte möglichst viel Ertrag erzielt werden. An erster Stelle stehen Stangenbohnen und Stangenerbsen, Zucchini, Rhabarber, Salat, Zwiebelgewächse aller Art (Zwiebeln, Knoblauch, Schalotten …) und schließlich … einfach alles, was an Gemüse gefällt. Einen Gemüsegarten in einem Pfarrgarten anzulegen, bietet auch Gelegenheit, alte Gemüsesorten wieder anzubauen: Pastinaken, Gartenmelde, Topinambur, Knollenziest … Und warum nicht auch mehrjährige Gemüse wie Ewiger Kohl, Knoblauchartiger Lauch und Artischocke ausprobieren?

Stangenbohnen, Knoblauch, Koloquinten, Artischocke
Obst
Das Ziel ist ein guter Ertrag auf relativ kleiner Fläche, und zwar mit sehr winterharten und widerstandsfähigen Pflanzen. Ein kleines Erdbeerbeet, einige Beerensträucher wie Johannisbeeren, Stachelbeeren, Haselnusssträucher, Schwarze Johannisbeeren, Himbeeren, eine schön am Spalier gezogene Weinrebe (ursprünglich für den Messwein gedacht!) sowie einige als Spalier oder Säule gezogene Birn- und Apfelbäume.

Beerenobst, Weinrebe und Apfelbäume bilden die Grundlage des Nutzgartens
Einfache, duftende Blüten
Einjährige Pflanzen, Stauden oder Sträucher – Hauptsache, sie sind schön, leicht zu kultivieren und duften gut. Bei den Einjährigen sollten Sie Blüten wählen, die von selbst wachsen und sich sogar selbst aussäen, etwa Schmuckkörbchen, Braut, Goldmohn, Große Kapuzinerkresse und Ringelblumen.
Bei Stauden und Zwiebelpflanzen bieten sich Klassiker an wie Päonien, Aronstab, Storchschnabel, Funkien, Flammenblumen, Herzblumen, Krokusse, Iris und Lilien.
Bei den Sträuchern setzt man auf Traditionelles: Pfeifenstrauch, Flieder, Schneeball, Forsythie, Blut-Johannisbeere und Hortensien sowie natürlich alte Rosen mit zart duftenden Blüten. Diese Blütenfülle mildert die Strenge des geometrischen Grundrisses etwas ab (siehe weiter unten die Struktur des Gartens).
Auffällig ist auch, dass ein Pfarrgarten Pflanzen mit christlich geprägten Namen besonders viel Raum gibt: Madonnenlilie, Silberblatt, Fingerhut, Herzblume, Vexiernelke (Lychnis coronaria), Frauenmantel, Nickender Milchstern (Ornithogalum umbellatum), Wegwarte (Jungfer im Grünen), Schmalblättriges Weidenröschen, Berg-Aster (Aster amellus) … Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen.

Pfeifenstrauch, Braut, Madonnenlilie, Stockrose, Gartenwicke, Hundsrose, Ringelblumen … blühen frei im Garten
Aromatische und Heilpflanzen
Der Kräutergarten, eine Art pflanzliche Verbindung zwischen Blumen und Gemüse, findet selbstverständlich auch im Pfarrgarten seinen Platz: Fenchel, Koriander, Rosmarin, Thymian, Minze, Basilikum, Dost, Salbei, Petersilie und Lorbeer. Doch der Pfarrer reservierte stets auch einen kleinen Platz für einige bekannte Heilpflanzen: den Garten der „einfachen“ Heilmittel oder Hortus medicus. Daher überrascht es nicht, dort Hartheu, Fingerhut (zugleich Gift- und Heilpflanze), Kamille, Igelkopf, Ysop, Salbei sowie sogar Hopfen und Weißdorn zu finden.
Oli meint: Denken Sie daran, dass Heilpflanzen nicht immer harmlos sind. Sie müssen die Pflanzen genau kennen und sicher bestimmen können, bevor Sie an ihre Verwendung denken. Seien Sie also vorsichtig – oder anders gesagt: Essen Sie nicht einfach irgendetwas!

Duftnessel, Engelwurz, Melisse, Silbriger Beifuß, Thymian, Große Kapuzinerkresse, Fenchel … Der Heilkräutergarten ist schön und bienenfreundlich
Strukturpflanzen
Ursprünglich waren Pfarrgärten von einer Hecke oder, noch besser, Mauern umgeben. Einige geschnittene Eiben und Europäische Stechpalmen sowie vor allem kurz geschnittene Buchsbaumhecken umgaben die Gemüse- und Blumenbeete. Buchsbaum leidet in den letzten Jahren, lässt sich aber beispielsweise gut durch Lonicera nitida oder Ilex crenata ersetzen. Auch Holzbretter oder ein Flechtzaun können zur Abgrenzung der Beete dienen. Grundsätzlich sollten Sie eher niedrige oder geschnittene Sträucher wählen, damit der Blick über den gesamten Garten frei bleibt. Große Bäume sind daher ebenfalls zu vermeiden.
In der scheinbaren „Strenge“ des ursprünglichen Grundrisses kann man eine starke Struktur erkennen, die zur Beruhigung von Geist und Seele einlädt. Diese sehr „quadratische“ Gestaltung geht auf römische Einflüsse zurück, die wiederum von persischen und griechischen Gärten geprägt wurden. Der römische Einfluss lässt sich durch die übliche Lektüre mittelalterlicher Geistlicher erklären, die bestimmten antiken römischen Autoren eng verbunden waren. Später milderten die Bepflanzung und insbesondere die für Pfarrgärten typische Blütenfülle die Geometrie des ursprünglichen Grundrisses.

Buchsbaumrabatten gliedern die Bereiche im Pfarrgarten von Chedigny (Foto C. Gaye), Flechtzäune im Garten von Castelnaud (Foto: Damien-Flickr)
Pflege eines Klostergartens
Der Pflegeaufwand wird auf das absolute Minimum reduziert. Der Gemüsegarten wird den größten Teil Ihrer Zeit beanspruchen, während der übrige Garten nur gelegentlich einige Stunden Arbeit erfordert.
Der Rückschnitt kleiner Buchsbaumhecken (oder eines Buchsbaum-Ersatzes) sowie der Obstbäume und anderer Sträucher wird die verbleibende Zeit in Anspruch nehmen, ohne jedoch allzu kompliziert zu sein.
Sie werden feststellen, dass man in einem Pfarrgarten nur wenige oder gar keine Rasenflächen findet. Sie galten als zu zeitaufwendig in der Pflege und nahmen vor allem Platz „für nichts“ ein. Allerdings sind die Wege zwischen den Gemüse- und Blumenbeeten mitunter begrünt.

Der bezaubernde mittelalterliche Garten von Josselin im Morbihan (Foto: G. David)
Mehr erfahren ...
- Einige Bücher zum Thema:
Pfarrgärten, Gärten von einst, Philippe Ferret & Claudie Mangold, erschienen bei Flammarion.
Das Herbarium der Pfarrgärten, Jérôme Goutier, erschienen bei Flammarion
- Sehenswerte Gärten:
Der Pfarrhausgarten in Chédigny. (Anm. d. Red.: Übrigens ist das ganze Dorf außergewöhnlich!)
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