Ist Ihre Gemüseaussaat abgeschlossen? Zeigen sich bereits die ersten Blätter an den jungen Tomaten-, Salat- oder Lauchpflanzen? Dann ist der Zeitpunkt zum Pikieren gekommen! Das Pikieren junger Gemüsepflanzen ist ein wichtiger Schritt, um ein optimales Wachstum und eine reiche Ernte zu gewährleisten. Wir erklären Ihnen, was das Pikieren bedeutet, wann der richtige Zeitpunkt dafür gekommen ist und wie es erfolgreich gelingt.
Was bedeutet Pikieren ?
Beim Pikieren von Gemüse entnimmt man junge Gemüsepflanzen, die aus einer Aussaat im Haus oder unter einem Frühbeetkasten bereits gekeimt sind, und pflanzt sie in größere Töpfe oder an ihren endgültigen Standort im Freiland. Dort wachsen sie bis zur Reife weiter. Diese Methode wird häufig bei Gemüse angewendet, das früh im Haus oder im Gewächshaus ausgesät werden muss, bevor es bei günstigeren Wetterbedingungen in den Garten gepflanzt wird.
Das Pikieren bietet den jungen Pflanzen in den ersten Entwicklungsstadien kontrollierte Bedingungen. Gleichzeitig können sie Wurzeln bilden und kräftiger werden, bevor sie den Bedingungen im Freien ausgesetzt werden.
Außerdem können Sie die gesündesten und kräftigsten Pflanzen für das Auspflanzen ins Freiland auswählen. Indem Sie schwache oder kranke Pflanzen entfernen, erhöhen Sie Ihre Chancen auf eine reiche und hochwertige Ernte.
Wann sollten Sie Gemüse im Nutzgarten pikieren?
Im Allgemeinen pikieren Sie die jungen Pflanzen, sobald sie ihre ersten „echten Blätter“ entwickelt haben. Diese erscheinen nach den Keimblättern, den ersten einfachen Blättern. Warten Sie außerdem die letzten Frühjahrsfröste ab. Bei den meisten Gemüsesorten ist das im späten Frühjahr der Fall, wenn sich die Temperaturen stabilisieren. Zu frühes Pikieren kann die jungen Pflanzen Frost oder Kälte aussetzen. Das kann ihr Wachstum beeinträchtigen oder sie sogar zum Absterben bringen. Einige Gemüsearten wie Kohl werden im Herbst pikiert.
Gewöhnen Sie Ihre jungen Pflanzen schrittweise an die Bedingungen im Freien , indem Sie sie bei schönem Wetter einige Stunden pro Tag hinausstellen. Bei warmem Wetter empfehlen wir Ihnen, am späten Nachmittag zu pikieren. So vermeiden Sie Hitzestress. Wenn Sie das Gemüse zu unterschiedlichen Zeitpunkten der Saison pikieren, können Sie die Ernte staffeln und den Erntezeitraum verlängern. Dadurch können Sie über einen längeren Zeitraum eine größere Vielfalt an frischem Gemüse genießen. Allerdings hat jedes Gemüse seinen eigenen Anbaukalender mit den Zeiträumen für Aussaat, Pikieren und Ernte. Informieren Sie sich über die jeweiligen Anbaukalender der Gemüsearten, die Sie pikieren möchten, und passen Sie sie an Ihre Region und Ihr Klima an.

Gemüsepflanzen je nach Art richtig pikieren
Jede Gemüseart stellt besondere Ansprüche an Pflanztiefe, Abstand und Pflege nach dem Pikieren. Nicht jedes Gemüse eignet sich gut zum Pikieren. Einige Arten wie Rettich, Möhre, Spinat, grüne Bohne und Erbse werden besser direkt an Ort und Stelle ausgesät. Diese Gemüsearten wachsen schnell und vertragen das Umpflanzen schlecht. Rote Bete und Melone können zwar manchmal im Haus vorgezogen werden, werden aber in der Regel direkt ins Freiland gesät und benötigen diesen Schritt nicht. Die Vorgehensweise beim Pikieren unterscheidet sich je nach Gemüseart leicht:
- Tomaten: Pflanzen Sie Tomaten möglichst tief. Je tiefer Sie den Stängel einsetzen, desto mehr neue Wurzeln bildet er. Dadurch wird die Pflanze kräftiger. Pflanzen Sie sie bis zu den ersten Blättern ein und lassen Sie etwa 50 cm Abstand zwischen den Pflanzen. So kann die Luft gut zirkulieren und Krankheiten werden vermieden. Gießen Sie die Pflanzen nach dem Pikieren reichlich und mulchen Sie den Boden, damit er feucht bleibt.
- Salat: Lassen Sie zwischen den Pflanzen 20 bis 30 cm Abstand, damit sie sich gut entwickeln können. Die Pflanzenhälse sollten knapp über dem Boden liegen. Bereiten Sie einen gut durchlässigen, mit Kompost angereicherten Boden vor. Gießen Sie nach dem Pikieren reichlich und kontrollieren Sie die Bodenfeuchtigkeit, besonders in den ersten Wochen.
- Zucchini und Kürbis: Diese Gemüsearten benötigen mehr Platz. Pflanzen Sie sie in Horsten, also in Gruppen von 2 bis 3 Pflanzen, und lassen Sie zwischen den Horsten einen Abstand von einem Meter. Diese Pflanzen bevorzugen nährstoffreiche, gut durchlässige Böden. Achten Sie beim Pikieren darauf, dass jede Pflanze bis zu den ersten Blättern in den Boden gesetzt wird. Gießen Sie unmittelbar nach dem Pflanzen und anschließend regelmäßig, damit der Boden feucht bleibt.
- Paprika und Chili: Pikieren Sie diese Pflanzen in etwa der gleichen Tiefe, in der sie zuvor ausgesät wurden. Lassen Sie zwischen den Pflanzen 40 bis 50 cm Abstand, damit sie sich gut entwickeln können. Diese wärmeliebenden Pflanzen benötigen regelmäßige, aber nicht übermäßige Wassergaben. Verwenden Sie eine Mulchschicht, um die Feuchtigkeit zu speichern und Temperaturschwankungen im Boden zu verringern.
- Kohl: Bei Kohlarten wie Blumenkohl, Wirsing und Brokkoli sollten Sie zwischen den Pflanzen 40 bis 60 cm Abstand lassen. Diese Gemüsearten bevorzugen einen nährstoffreichen, gut durchlässigen Boden. Achten Sie darauf, dass der Pflanzenhals, also die Basis des Stängels, genau auf Höhe des Bodens liegt. Gießen Sie nach dem Umpflanzen gründlich und anschließend regelmäßig, besonders während trockener Perioden.
- Besonderheiten beim Lauch: Das Pikieren von Lauch ist wichtig, damit sich kräftige, gut ausgebildete Schäfte entwickeln. Sobald Ihre Lauchpflanzen die Dicke eines Bleistifts erreicht haben, können Sie sie pikieren. Lockern Sie den Boden tiefgründig, damit sich die Wurzeln gut entwickeln können, und arbeiten Sie Mist ein. Schneiden Sie zum Pikieren des Lauchs ein Drittel der Blätter und Wurzeln zurück. Das erleichtert das Anwachsen und fördert ein kräftiges Wachstum. Heben Sie anschließend mit einem Setzholz 10 bis 15 cm tiefe Pflanzlöcher aus. Setzen Sie die Pflanzen mit 10 bis 15 cm Abstand in der Reihe und lassen Sie zwischen den Reihen etwa 30 cm Platz. Stellen Sie die Pflanzen in die Löcher, ohne diese vollständig mit Erde zu füllen, sodass nur die unteren Enden der Lauchstangen bedeckt sind. Dadurch bleichen die Schäfte leichter. Gießen Sie die Pflanzen nach dem Pikieren reichlich an.

Wie wird richtig pikiert?
Schritt 1: Pikieren in Anzuchttöpfe
- Bevor Sie Ihre Pflanzen in den Nutzgarten setzen, pikieren Sie sie, sobald die Keimlinge gut entwickelt sind und zwei bis vier „echte Blätter“ besitzen, zunächst in Anzuchttöpfe.
- Füllen Sie Anzuchttöpfe mit guter Blumenerde, die Sie leicht mit reifem Kompost angereichert haben.
- Heben Sie die Keimlinge vorsichtig aus der Erde.
- Setzen Sie die Keimlinge in das Substrat und drücken Sie die Erde mit den Fingern leicht an.
- Gießen Sie vorsichtig.
- Lassen Sie Ihre Gemüsepflanzen etwa einen Monat lang an einem hellen, geschützten und beheizten Standort kräftiger werden.

Schritt 2: Endgültiges Auspflanzen in den Nutzgarten
- Lockern Sie den Boden mit einer Grabegabel oder einer Spatengabel. Entfernen Sie Unkraut und Steine. Arbeiten Sie anschließend gut verrotteten Mist, Kompost oder einen geeigneten Dünger ein, um den Boden anzureichern und das Wachstum der Pflanzen zu fördern.
- Gießen Sie die Pflanzen kurz vor dem Umpflanzen. So lassen sich die Wurzelballen leichter aus den Gefäßen lösen und der Wasserstress wird verringert.
- Nehmen Sie die Pflanzen vorsichtig aus ihrem Gefäß und achten Sie darauf, die Wurzeln nicht zu beschädigen. Drehen Sie den Anzuchttopf dazu um und klopfen Sie leicht auf den Boden. Halten Sie den Wurzelballen während des Pikierens an den Wurzeln fest.
- Heben Sie mit einem Setzholz oder einer kleinen Schaufel Pflanzlöcher in der für die jeweilige Gemüseart empfohlenen Tiefe und mit dem empfohlenen Abstand aus. In der Regel sollten die Löcher etwas tiefer sein als der Wurzelballen.
- Setzen Sie die Pflanzen in die Löcher. Achten Sie darauf, dass der Pflanzenhals, also die Stelle, an der der Stängel in die Wurzeln übergeht, auf Höhe des Bodens liegt. Füllen Sie die Löcher anschließend mit Erde und drücken Sie diese rund um die Pflanzen leicht an. So erhalten die Wurzeln guten Kontakt zum Boden.
- Gießen Sie die pikierten Pflanzen reichlich an, damit sie Wurzeln bilden und gut anwachsen. Zunächst können die Pflanzen etwas schlapp wirken. Das ist normal, denn das Pikieren schwächt junge Pflanzen vorübergehend. Nach einigen Tagen erholen sie sich wieder. In den ersten Wochen ist regelmäßiges Gießen wichtig.
- Kontrollieren Sie nach dem Pikieren aufmerksam das Wachstum des Gemüses und schützen Sie die Pflanzen vor möglichen Schädlingen, Krankheiten und Witterungseinflüssen. Sie können Schutznetze, Pflanzglocken oder Folientunnel verwenden, um günstige Wachstumsbedingungen zu schaffen.

Kommentare