Setzen wir unsere sommerliche Reise mit den reisenden Pflanzen fort. Diese Woche geht es nach Amerika in die Tropen, auf der Suche nach den Ursprüngen von Ipomoea batatas, besser bekannt als „Zier-Süßkartoffel“. Wir begleiten diese weit gereiste Pflanze auf ihrem Weg von Amerika über die Inseln und unseren europäischen Kontinent bis nach China. Seit ihrer Einführung vor nicht allzu langer Zeit findet sie sich immer häufiger im Gemüsebeet und auf unseren Tellern. Entdecken Sie ihren Weg und ihre Geschichte. 

die Zier-Süßkartoffel
Die Zier-Süßkartoffel, Ipomoea batatas

Die Ursprünge der Zier-Süßkartoffel

Da Ipomoea batatas in freier Natur unbekannt ist, wurde ihr Ursprung lange diskutiert. Wissenschaftliche und archäologische Studien haben inzwischen gezeigt, dass sie vermutlich aus dem tropischen oder subtropischen Amerika stammt. Eine große Vielfalt der Gattung Ipomoea findet sich zwischen Südmexiko, der Halbinsel Yucatán, und dem Orinoco-Becken in Venezuela. Angesichts dieser großen Artenvielfalt vermuten Wissenschaftler, dass dort das Ursprungsgebiet der Pflanze liegt.

Archäologische Ausgrabungen belegen außerdem, dass diese Knollenpflanze bereits vor 8.000 bis 6.000 Jahren v. Chr. in Peru vorkam. Die ersten Spuren ihres gezielten Anbaus reichen bis 4.500 v. Chr. zurück. Wahrscheinlich wurde sie jedoch schon deutlich früher landwirtschaftlich genutzt.

Die Reise der Zier-Süßkartoffel

Zwischen 1000 und 1100 soll die Zier-Süßkartoffel in Begleitung von Reisenden zur Eroberung Polynesiens aufgebrochen sein. Anschließend setzte sie ihre Reise bis nach Neuseeland, zur Osterinsel und nach Hawaii fort. 

Nach den Expeditionen von Christoph Kolumbus gelangte die Zier-Süßkartoffel 1492 nach Europa. Anschließend wurde sie vor allem in den Mittelmeerregionen angebaut. Im 16. Jahrhundert entdeckten dann auch die Philippinen dank spanischer Händler ihren Geschmack. Dort war sie sehr erfolgreich und gelangte 1594 weiter nach China und um 1605 nach Japan. Portugiesische Händler führten sie etwa zur gleichen Zeit in Afrika ein.

In Frankreich stieß sie erst 1750 auf größeres Interesse, weil Ludwig XV. ihr süßes Fruchtfleisch schätzte. Ihr Anbau in Frankreich bleibt jedoch schwierig, und bis heute konnte sie sich dort nur schwer durchsetzen.

Darstellung von Christoph Kolumbus während seiner Entdeckungsreisen.

Der Ursprung ihres Namens: Ipomoea batatas

Der Gattungsname Ipomoea setzt sich aus „ips“, dem griechischen Wort für „Wurm“, und „homoios“, also „ähnlich“, zusammen. Der Name lässt sich mit „wurmähnliche Pflanze“ übersetzen und bezieht sich auf ihre kriechenden Triebe.

Der Begriff „batatas“ war der Name, den ihr die „Taíno“ gaben, ein Volk der Karibikinsel, auf der Christoph Kolumbus 1492 landete.

Woher stammt der Begriff „Zier-Süßkartoffel“?

Der Ursprung dieser Bezeichnung ist nicht eindeutig geklärt. Historiker halten jedoch folgende Erklärung für am plausibelsten: Kurz nach der Entdeckung von „batatas“ brachten spanische Eroberer die Kartoffel aus Peru mit. Die indigenen Völker Amerikas nannten sie „papa“. Da beide Pflanzen Knollen bilden und vom selben Kontinent stammen, bezeichneten spanische Händler sie vermutlich als „patata“, eine Zusammenziehung der beiden Namen. Im Französischen wurde „patata“ zu „patate“. Um Verwechslungen zu vermeiden, ergänzte man das Adjektiv „douce“, um die Zier-Süßkartoffel von der Kartoffel zu unterscheiden.

Die Zier-Süßkartoffel im Garten

In unseren Breiten wird die Zier-Süßkartoffel vor allem wegen ihres besonderen Geschmacks im Gemüsebeet angebaut. Da sie Wärme und Feuchtigkeit schätzt, gedeiht sie besonders gut in den südlichen Regionen im Freiland, wo ihr Ertrag besser ausfällt. Anderswo eignet sich der Anbau im Gewächshaus oder im Topf. Landwirte in den nördlichen Regionen erzielen sogar im Freiland hervorragende Ernten, wenn sie die Knollenwurzeln mit einer schwarzen Folie schützen, die auf dem Boden liegt. Die Zier-Süßkartoffel wächst in den meisten Bodenarten. Besonders gut gedeiht sie jedoch in lockerer, sandiger und nährstoffreicher Erde, die niemals austrocknet und gut durchlässig ist.

Dank ihrer kriechenden Triebe und ihres hübschen, ungewöhnlichen Laubs findet die Zier-Süßkartoffel inzwischen auch in Töpfen und Balkonkästen neben einjährigen Pflanzen ihren Platz. Dort können Sie sie beispielsweise mit dem Blau der Lobelien und dem leuchtenden Rosa der Pelargonien kombinieren.

die Zier-Süßkartoffel
Das hübsche Laub der Zier-Süßkartoffel 'Paradise Makatea' im Topf, zusammen mit einem Lavendel und einer Kirschtomatenpflanze

Die Zier-Süßkartoffel in der Küche

Obwohl sie nicht zur selben Familie gehören, lassen sich die Knollen der Zier-Süßkartoffel wie Kartoffeln zubereiten. Sie können daraus Aufläufe, Pürees, Suppen und Pfannengerichte zubereiten oder sie zu Pommes frites und Chips verarbeiten. Ihr leicht süßlicher Geschmack eignet sich auch für Desserts wie Kuchen, Torten und Konfitüren. Sogar ihre Blätter sind essbar und lassen sich wie Spinat zubereiten. Die Zier-Süßkartoffel scheint reich an Beta-Karotin, Vitamin B6 und Mineralstoffen wie Kupfer und Mangan zu sein.

die Zier-Süßkartoffel
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