Das vergessene Gemüse Topinambur, auch Erdbirne, Jerusalem-Artischocke oder Kanadische Trüffel genannt, ist ein Wurzelgemüse und eine Staude, die wegen ihrer essbaren Knollen angebaut wird. Lange Zeit von der Kartoffel verdrängt, erlebt Topinambur heute im Gemüsegarten und auf unseren Tellern ein großes Comeback! Wir erklären Ihnen, warum dieses Gemüse so viel Aufmerksamkeit erhält, welche Vorzüge es besitzt und wie Sie es kultivieren.
Alles Wissenswerte über Topinambur und seinen Anbau finden Sie in unserem ausführlichen Steckbrief: „Topinambur: Pflanzen, Ernten und Kultivieren“.
Was ist Topinambur?
Topinambur oder Helianthus tuberosus ist eine Staude aus der Familie der Korbblütler und stammt aus dem Zentrum der Vereinigten Staaten, wo sie von den indigenen Stämmen angebaut wurde. Die Pflanze wurde 1607 nach Frankreich eingeführt und während des Zweiten Weltkriegs häufig verzehrt, da sie während der Besatzung im Gegensatz zur Kartoffel nicht beschlagnahmt wurde. Später wurde sie von der Kartoffel verdrängt, vermutlich weil sie mit dieser schwierigen Zeit und mit Hunger in Verbindung gebracht wurde.
Topinambur bildet große Horste, die eine Höhe von 2,50 m bis 3 m erreichen (es gibt jedoch auch Zwergsorten, die nicht höher als 50 cm werden). Die langen, aufrechten und rauen Stängel tragen dunkelgrüne, ovale bis lanzettliche Blätter von 10 bis 20 cm Länge. Von August bis Oktober erscheinen an den Triebspitzen hübsche gelbe Blüten, die ein wenig an die Blüten der Sonnenblume erinnern, mit der Topinambur zur selben Familie gehört. Die Pflanze bildet fleischige, knorrige Knollen, die den Wurzeln des Ingwers ähneln. Diese sehr kräftige Pflanze breitet sich durch ihre Knollen schnell aus und kann dadurch etwas wuchernd werden. Topinambur ist außerdem eng mit der Kropfigen Sonnenblume verwandt, einem weiteren vergessenen Gemüse.
Es gibt zahlreiche Topinambur-Sorten, die unterschiedliche Knollenformen und -farben sowie verschiedene Geschmacksrichtungen bieten. Die Sorte 'Fuseau Culinaire' zeichnet sich beispielsweise durch längliche, beige Knollen mit leicht süßlichem Fleisch aus. Außerdem gibt es rosafarbene und violette Topinambur-Sorten.

Warum ist Topinambur wieder in aller Munde?
Topinambur rückt aus mehreren Gründen wieder stärker ins Blickfeld:
- Seine geschmacklichen Vorzüge: Die Knollen des Topinamburs haben ein feines Aroma, das an Artischocke, Wassernuss oder Haferwurzel erinnert, mit einer leicht süßlichen Note. Heute wird Topinambur auch von Spitzenköchen wieder geschätzt. Der berühmte Sternekoch Alain Ducasse bereitet daraus eine köstliche samtige Suppe zu.
- Seine wertvollen Inhaltsstoffe: Topinambur gilt als reich an Ballaststoffen, Phosphor, Kalium, Eisen und Vitaminen der B-Gruppe. Die Knollen enthalten keine Stärke. Obwohl sie leicht süß schmecken, ist dies auf Inulin zurückzuführen, einen natürlichen Ballaststoff, der den Blutzuckerspiegel nicht beeinflusst: Topinambur eignet sich daher besonders für Menschen mit Diabetes. Außerdem kann Inulin dabei helfen, die Verdauung zu regulieren. Topinambur ist kalorienarm und enthält lediglich 60 bis 80 kcal pro 100 g.
- Sein unkomplizierter Anbau: Topinambur ist nicht nur ein mehrjähriges Gemüse, sondern auch sehr leicht zu kultivieren. Die Pflanze neigt sogar dazu, etwas wuchernd zu werden! Mittlerweile gibt es jedoch Zwergsorten, die sich für die Kultur im Topf eignen und beispielsweise auf einer Terrasse aufgestellt werden können. Topinambur ist außerdem vollkommen winterhart.
- Sein hoher Ertrag: Topinambur ist sehr ertragreich, selbst auf armen Böden. Unter idealen Bedingungen können bis zu 3 kg Knollen pro Quadratmeter geerntet werden.
Hinzu kommt seine hübsche gelbe Blüte, die Topinambur zu einer sehr dekorativen Pflanze macht! In einem schönen und produktiven Nutzgarten fügt sich Topinambur wunderbar ein.

Wie wird Topinambur kultiviert?
Die Knollen werden von Februar bis Juni gepflanzt, die Ernte erfolgt von November bis März. Topinambur gedeiht an sonnigen bis halbschattigen Standorten und bevorzugt leichte, gut drainierte, humusreiche Böden. Die Pflanze wächst jedoch in jedem Boden, sofern dieser ausreichend drainiert ist. Weitere Informationen finden Sie in unserem Ratgeber „Topinambur pflanzen“.
Da Topinambur etwas wuchernd werden kann, sollten Sie der Pflanze einen geeigneten Standort zuweisen. Pflanzen Sie sie abseits des Gemüsegartens, wo sie andere Gemüsearten überwuchern könnte, beispielsweise in eine wenig genutzte Gartenecke. Die Zwergsorten, die in der Regel nicht höher als 50 cm werden, können in Töpfe gepflanzt werden und eignen sich besonders für kleine Gärten.
Die Knollen werden etwa 7 Monate nach der Pflanzung geerntet. Graben Sie sie mit einer Grabegabel nach Bedarf aus. Nach der Ernte sind sie nicht lange haltbar und bleiben im Kühlschrank nur 2 bis 3 Tage frisch. Entnehmen Sie deshalb am besten nur die Menge, die Sie benötigen. Da sich die Knollen nicht gut lagern lassen, werden sie nur selten im Handel angeboten. Ein weiterer Grund, Topinambur im eigenen Garten anzubauen!
Wie lässt sich Topinambur zubereiten?
Die Knollen des Topinamburs werden vor dem Verzehr meist geschält. Sie können sie jedoch auch einfach abspülen oder abbürsten, um die Erde zu entfernen. Die größeren und weniger knorrigen Knollen lassen sich natürlich leichter schälen. Damit sich das Fleisch nicht verfärbt und braun wird, können Sie die Knollen in Wasser mit etwas Zitronensaft legen. Verzehren Sie Topinambur am besten in kleinen Mengen, da er blähungsfördernd wirkt und schwer verdaulich sein kann.
Topinambur eignet sich für zahlreiche Rezepte! Hier einige Zubereitungsideen:
- Als Salat: in Scheiben geschnitten oder geraspelt, ähnlich wie Möhren, und beispielsweise mit einer Vinaigrette angemacht.
- Als Gratin: Sie können eine Variante des Kartoffelgratins zubereiten und die Kartoffeln durch Topinambur ersetzen.
- Als Suppe oder samtige Suppe: mit Sahne und gerösteten Haselnüssen.
- Gebraten: mit Kartoffeln, Pilzen und Zwiebeln. Würzen Sie das Gericht beispielsweise mit Knoblauch und Kräutern der Provence.
- Als Püree: Mischen Sie Topinambur mit Kartoffeln und bereiten Sie daraus ein köstliches Püree zu. Würzen Sie es mit Kreuzkümmel und Muskatnuss.
- Aus dem Ofen: Sie können gerösteten Topinambur zubereiten und ihn beispielsweise mit Thymian verfeinern.

Kommentare