Fichte, Picea: pflanzen, Rückschnitt, Pflege
Inhaltsverzeichnis
Die Fichte kurz erklärt
- Fichten: große Nadelbäume, winterhart, aber stadtempfindlich.
- Immergrüne Kurz-Nadeln, hängende Zapfen, helle Frühjahrstriebe.
- Über 40 Arten und viele kompakte Kultivare: besondere Wuchsformen, Nadelfarbe, -duft und pflegeleicht.
Wort unserer Expertin
Die Fichten oder Picea sind Nadelbäume mit kleinen, spitzen Nadeln, die einzeln rund um den Zweig stehen. Sie werden oft mit Tannen oder Abies verwechselt, deren Nadeln abgerundet und nicht stechend sind. Wegen ihres ähnlichen Aussehens und ihres schnelleren Wachstums werden sie, insbesondere die Gemeine Fichte, auch häufig als „Weihnachtsbaum“ anstelle echter Tannen verkauft. Die Gemeine Fichte wird auch Gewöhnliche Fichte genannt (Picea abies).
Die Gattung umfasst fast vierzig immergrüne Nadelbaumarten, die alle aus den kühl-gemäßigten Regionen der Nordhalbkugel stammen. Fichtenwälder im Gebirge, oberhalb von Laubbäumen und Tannen und vor der Hochheide, zeigen oft schlanke, dunkle Silhouetten mit schmalem, aufrechtem, säulenförmigem oder kegelförmigem Wuchs, unter denen nichts wächst. Anders als bei Tannen hängen die zunächst aufrecht stehenden Zapfen schließlich an den Zweigenden herab. Ihr Laub duftet aromatisch, wenn man es zerreibt, denn es enthält ein ätherisches Öl, das wegen seiner stark anregenden und antiinfektiösen Eigenschaften, aber auch wegen seines feinen, leicht holzigen Dufts mit süßen Noten und intensiver Frische sehr geschätzt wird.
Es gibt eine große Auswahl an Kultivaren, die sich besser für unsere Gärten und unterschiedliche sonnige bis schattige Standorte eignen: von 0,30 bis 1 m hohen Zwergformen mit ausladendem oder kriechendem Wuchs wie bei Picea abies Eagle Point und kugelförmigen Formen wie Picea abies Nidiformis bis hin zu größeren Exemplaren, die beispielsweise einen Weg betonen, wie Picea glauca Conica, oder hängenden Formen wie Picea abies Inversa. Die Nadeln erscheinen in verschiedenen Grüntönen und können wie bei Picea pungens Glauca Globosa bläulich oder wie bei Picea glauca Daisy’s White fast weiß sein. Einige eignen sich gut für die Bonsai-Kunst.
Fichten bevorzugen sonnige bis schattige Standorte sowie einen tiefgründigen, frischen, nährstoffreichen und meist gut durchlässigen Boden. Mit der Zeit werden sie zu unverzichtbaren Begleitern: Sie vermitteln im Winter eine ansprechende, beruhigende Präsenz, geben dem Garten Struktur und füllen nach einigen Jahren auch kleine Bereiche auf elegante Weise.
Beschreibung und Botanik
Steckbrief
- Lateinischer Name Picea
- Familie Pinaceae
- Gebräuchlicher Name Gemeine Fichte, Kanadische Fichte, Siskiyou-Fichte
- Blüte April oder Mai
- Höhe 0,50 bis 70 m
- Exposition Sonne, Halbschatten, Schatten
- Art des Bodens tiefgründig, frisch und gut drainiert, eher sauer
- Winterhärte ausgezeichnet (-40 °C)
Picea gehört wie Kiefer, Tanne, Zeder und Lärche zur Familie der Kieferngewächse. Der lateinische Name der Fichte leitet sich vom lateinischen Wort pix ab, das Pech oder Harz bezeichnet. Dieses Nadelgehölz enthält reichlich Harz in Rinde, Holz, Nadeln und Zapfen – ähnlich wie die Kiefer.
Fichten wachsen in feuchten Wäldern – vom nördlichen Wendekreis in Mexiko bis in den Norden Sibiriens und vom Meeresspiegel bis in 4500 m Höhe im Himalaya. Die meisten Arten leben im Schatten und spenden dichten Schatten, doch es gibt auch sonnenverträgliche Arten.
Um Picea von Abies (Tannen) zu unterscheiden, genügt ein Blick auf die Krone ausgewachsener Bäume mit länglichen, hängenden Zapfen – anders als bei Tannen. Zwischen Fichtenarten, die im selben Gebiet vorkommen, gibt es zahlreiche natürliche Kreuzungen, was ihre Bestimmung erschwert. Die Anordnung der Nadeln am Zweig variiert oft je nach Position im Baum. Betrachten Sie gut entwickelte, waagerechte Zweige. Die Zapfen weisen oft die zuverlässigsten Merkmale auf.
Fichten behalten eine starke Gipfeldominanz, sodass der Leittrieb oft auch bei alten Bäumen erhalten bleibt – außer nach Blitzschlag oder an windigen Standorten. Die pyramidale Wuchsform variiert je nach Art, Neigung der Zweige, ihrer Aufwärts- oder Abwärtskrümmung und Breite der Krone. Bei Picea omorika ist sie schmal und steif, bei Picea breweriana bilden die Zweige wallende Vorhänge.

Picea abies – botanische Illustration von Koehler (1887)
Die Gemeine Fichte (Picea abies) ist sicherlich die bekannteste Fichte. Im Morvan wurde sie in großem Umfang gepflanzt, insbesondere zur Produktion preiswerter „Weihnachtsbäume“. Häufig beherrscht sie einen zu kleinen Garten mit ihrem dichten Schatten und ist an ihrer regelmäßig pyramidenförmigen Wuchsform mit leicht gebogenen Zweigen und kräftig grüner Farbe zu erkennen. Sie wächst sehr schnell und erreicht leicht eine Höhe von 36 m! Ihre Heimat erstreckt sich von den Bergen Skandinaviens über Mitteleuropa bis in den Nordwesten Russlands. Als Forstbaum wird sie bis in den Osten der USA kultiviert. Sie hat einige beliebte Zwergsorten für den Garten hervorgebracht, etwa Picea abies ‚Acrocona‘ mit einer Fülle dekorativer, leuchtend rosafarbener junger Zapfen an den Zweigenden, die bereits bei jungen Bäumen auffallen. Die Sitka-Fichte ist die zweite häufig angepflanzte Art dieser Gattung, da sie sehr schnell wächst und geringe Ansprüche an Boden und Klima stellt. Selbst im feuchten Moorland Irlands lässt sie sich kultivieren. Sie stammt von der Westküste der USA, von Kalifornien bis Alaska, wo die Stadt Sitka liegt – einer sehr niederschlagsreichen Region (2200 mm) am Rand des Polarklimas, das dem der schottischen Highlands ähnelt. Mit etwa 70 m erreicht sie die beeindruckendsten Höhen der Gattung; ihre Stämme können 4 bis 5 m Durchmesser erreichen (ein Exemplar in British Columbia war 97 m hoch).
Die Nadeln der Fichten sind recht kurz (6 bis 30 mm) und einzeln spiralförmig an den Zweigen angeordnet. Meist sind sie vierkantig und weisen keine weißen Stomata-Bänder auf, wie bei Picea abies. Ausnahmen sind etwa die Omorika-Fichte (Picea omorika) und die Sitka-Fichte, deren abgeflachte Nadeln auf der Unterseite zwei weiße Bänder tragen. Die Nadeln bleiben 7 bis 10 Jahre am Zweig. Zieht man an einer meist stechenden Nadel, reißt man ein Stück Rinde ab, denn die Nadel ist herablaufend und sitzt auf einem Nadelkissen, das nach ihrem natürlichen Abfall bestehen bleibt. Eine Tannennadel hinterlässt beim Abreißen dagegen eine klar abgegrenzte, runde Narbe. Der beblätterte Zweig erinnert an einen Flaschenputzer oder eine Bürste, da sich die Nadeln zur Oberseite des waagerechten Zweigs krümmen. Nach einigen Jahren fallen die Fichtennadeln ab und hinterlassen einen sehr rauen Zweig, der sich unangenehm anfühlt. Dieser wenig einladende Charakter des Baums wird durch die bequemen Wurzelanläufe am Stammfuß ausgeglichen, die als Armlehnen dienen. Die Rinde ist schuppig und dünn, die Knospen sind kegelförmig, weniger als 5 mm groß und nicht harzig.
Männliche und weibliche Blüten der Fichten erscheinen am selben Baum, jedoch an getrennten Blütenständen. Die männlichen Kätzchen sitzen im mittleren und unteren Bereich des Baums. Sie bilden kleine, aufrechte, 10 bis 20 mm lange Keulen, die orangefarben sind und sich bei der Pollenfreisetzung im April oder Mai gelb färben – bei Picea orientalis besonders eindrucksvoll. Die weiblichen Zapfenanlagen im mittleren und oberen Bereich des Baums bilden aufrechte, fleischige, 10 bis 25 mm lange Zapfen in Grün oder Purpurrot. Die Zapfen mit winzigen Hochblättern werden nach der Befruchtung hängend und spindelförmig (bei Picea abies 12 bis 15 cm lang). Sie verholzen wie die Zapfen der Tannen, sind aber deutlich weniger zäh als jene der Kiefern. Im Spätsommer oder Herbst erreichen sie die Reife und setzen geflügelte Samen frei, die vom Baumwipfel aus zu Boden fallen. Die Zapfen von Picea orientalis zeigen eine prachtvolle purpurrote Färbung.

Einige Fichten: Picea glauca ‚Conica‘, Picea pungens ‚Glauca Globosa‘, Picea glauca ‚Alberta Globe‘ und Picea abies
Das Holz der Gemeinen Fichte ist weiß und wird für Dachstühle oder zur Papierherstellung geschätzt. Ihre Rinde wird in Deutschland noch zum Gerben von Leder verwendet, während aus ihren Zweigen Terpentinöl gewonnen wird.
Eine Sitka-Fichte aus alten Wäldern kann Holz hervorbringen, das so fest wie Stahl ist. Es wird im Schiffbau sowie für die Resonanzböden großer Klaviere, Harfen und Violinen verwendet.
Lesen Sie auch
5 große Nadelgehölze für einen charaktervollen GartenDie wichtigsten Fichtenarten
Picea jezoensis var. hondoensis
- Höhe bei Reife 40 m
Picea pungens Iseli Fastigiate
- Höhe bei Reife 7 m
Picea abies Inversa
- Höhe bei Reife 6,50 m
Picea glauca Sander's Blue
- Höhe bei Reife 3 m
Picea glauca Daisy's White
- Höhe bei Reife 1,50 m
Picea pungens Waldbrunn
- Höhe bei Reife 70 cm
Picea omorika Beskid
- Höhe bei Reife 80 cm
Picea abies Eagle Point
- Höhe bei Reife 50 cm
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Pflanzung
Wo Fichten pflanzen?
Fichten bevorzugen feuchte, kühle Bedingungen und sind empfindlich gegenüber Luftverschmutzung. Sie mögen frische Böden mit saurem bis neutralem pH-Wert, kommen aber wie Picea abies oder pungens auch mit einem relativ trockenen Boden zurecht. Picea rubens und pungens vertragen beide Kalk, im Gegensatz zu den meisten Fichten. Fichten sind windverträglich und sehr winterhart.
Das Wurzelsystem der Fichten ist meist flach und breitet sich stark aus, weshalb sie Umpflanzungen schlecht vertragen. Fichtenwälder, die oft sehr dicht gepflanzt werden, haben wegen des dichten Schattens, den sie spenden, kein Unterholz.
Bei sumpfigem Boden wählen Sie eine Sorte von Picea mariana (Schwarz-Fichte) oder auch Picea sitchensis. Letztere bevorzugt besonders das ozeanische Klima oder Regionen, die häufig in Nebel liegen, unterhalb von 500 m Höhe, etwa in der Bretagne, der Normandie, dem Zentralmassiv, Béarn oder dem Baskenland.
Das Wachstum ist bei Picea glauca oder Picea rubens langsam, während es bei den meisten anderen Arten sehr schnell sein kann, ausgenommen bei Zwergsorten.
Wann pflanzen?
Pflanzen Sie Ihre Fichten vorzugsweise im Herbst, im Oktober oder November, damit sich die Wurzeln vor dem Sommer gut ausbreiten können, andernfalls im Februar oder März.
Wie pflanzen?
Wenn Sie eine große Pflanze setzen, kann sie windbruchgefährdet sein und nur schwer anwachsen (ausgenommen die leicht verpflanzbare Sitka-Fichte).
- Stellen Sie den Topf in einen Eimer Wasser, damit der Wurzelballen gut durchfeuchtet wird.
- Heben Sie ein breites Pflanzloch aus, das mindestens dreimal so breit wie der Wurzelballen ist, da die Wurzeln recht flach wachsen und sich weit ausbreiten.
- Setzen Sie die Fichte nicht zu nah an ein Strauchbeet, außer bei Zwergsorten.
- Geben Sie einige Handvoll Sand und Kies hinzu, um eine gute Drainage rund um die Wurzeln sicherzustellen. Bei schwerem Boden pflanzen Sie auf einen Hügel oder in einen Steingarten.
- Geben Sie bei sandigem Boden eine Portion Hornspäne hinzu.
- Setzen Sie die Pflanze in das Pflanzloch.
- Füllen Sie das Loch mit Erde und drücken Sie diese leicht an.
- Gießen Sie.
Pflege
Fichten sind winterhart, doch Trockenheit, Hitze und Schädlinge setzen ihnen zu. Kühl pflanzen, Jungpflanzen abends besprühen: kein Rückschnitt.
Vermehrung
Am einfachsten vermehren Sie Fichten durch Samen, die sich trocken und kühl sehr lange lagern lassen. Kultivare gewinnt man durch Pfropfen oder Stecklingsvermehrung im Mai und Juni.
Stecklingsvermehrung
- Bereiten Sie einen tiefen Topf vor und füllen Sie ihn mit einem Sand-Blumenerde-Gemisch.
- Schneiden Sie verholzte Spitzen seitlicher Triebe mit einem kleinen Stück älteren Holzes ab.
- Entfernen Sie die Nadeln am unteren Ende des Stecklings.
- Stecken Sie die Stecklinge zu zwei Dritteln ihrer Länge in die Erde, ohne dass sie sich berühren.
- Drücken Sie die Erde an, gießen Sie und stellen Sie die Stecklinge unter gespannte Luft an einen warmen, feuchten Ort.
- Trennen Sie im Herbst die bewurzelten Stecklinge und pflanzen Sie sie in tiefe Töpfe.
- Pflanzen Sie die Jungpflanzen im folgenden Herbst ins Freiland.
Aussaat
- Säen Sie die Samen direkt oder nach einer feuchten Kältebehandlung in ein sandiges Substrat. Die Keimung erfolgt meist schnell.
- Halten Sie sie gleichmäßig frisch.
- Pikieren Sie die jungen Fichten im September.
Verwendung und Kombinationen
Pflanzen Sie originelle Exemplare mittlerer bis großer Wuchsform als Solitär auf einer Rasenfläche oder in einem großen Steingarten, etwa Picea abies ‚Inversa‘ mit vollständig hängendem Wuchs, die sich ohne Stütze über den Boden ausbreitet. Setzen Sie Picea breweriana an einen gut sichtbaren Platz, zum Beispiel vor ein Berghaus. Mit seinen Zweigen und nicht stechenden Nadeln, die auf 10 bis 15 m Höhe elegante, herabhängende Vorhänge bilden, ist er eine echte Augenweide. Die bläuliche Färbung der Blau-Fichten (Picea pungens ‚Jeddeloh‘, ‚Glauca Globosa‘ oder ‚Koster‘) sowie der Blau-Fichte aus Arizona (Picea engelmanii ‚Glauca‘) ist von seltener Intensität. Diese Arten pflanzen Sie an einen sonnigen Standort in jeden Boden; sie vertragen auch Trockenheit recht gut.

Eine Gestaltungsidee: Pinus mugo ‚Ophir‘ und Picea pungens ‚Glauca Globosa‘ in einem Patchwork aus Heide (Erica darleyensis ‚Ghost Hills‘ zum Beispiel) und Schwingel (Festuca glauca)
Zwergformen wie Picea abies ‚Nidiformis‘, die mit ihren leuchtend apfelgrünen Jungtrieben ein echtes Storchennest bildet, eignen sich hervorragend für Steingarten oder Kübel, kombiniert mit anderen Zwergkoniferen, Heide, Rhododendren oder Japanischen Azaleen. Arten mit blaugrünem, silbrigem Laub wie Picea glauca und Picea pungens setzen sonnige Akzente, die beispielsweise mit dem dunklen Grün von Picea orientalis kontrastieren. Die Gewöhnliche Fichte ‚Daisy’s White‘ erhellt die Szene im Frühjahr mit ihren platinblonden Trieben. Kombinieren Sie sie mit den roten Trieben von Photinia × fraseri ‚Little Red Robin‘ oder den purpurfarbenen von Pittosporum tenuifolium ‚Purpureum‘.
In einem modernen Garten mit geometrischen Linien und gemauerten Elementen setzen Sie langsam wachsende Exemplare, die für Beständigkeit sorgen, die klare Gestaltung betonen und ihren harzigen Duft verbreiten. Das gelingt auch am Bachufer, wo Felsen die feinen Strukturen der Fichtenzweige zur Geltung bringen.
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