Baum zur Rebe erziehen?

Baum zur Rebe erziehen?

Baum umgestalten: auf den Stock setzen

Inhaltsverzeichnis

Geändert der 2. Oktober 2025  durch Olivier 5 min.

Beim Auf-den-Stock-Setzen wird der einzige Stamm eines Baumes oder Strauchs direkt über dem Wurzelhals abgeschnitten, damit der Wurzelstock neu austreibt und neue Triebe, die künftigen Stämme, bildet. So erzogene Bäume werden als „mehrstämmige Bäume“ bezeichnet. Ästhetisch und praktisch zugleich, schafft dieser Schnitt einen mehrstämmigen Baum mit sehr dekorativer Wuchsform und begrenzter Höhe. Als Solitär eignet sich ein solcher Baum ideal: Mit seiner besonderen Wuchsform und der betonten Rinde wird er zum Blickfang im Ziergarten. Aber lassen sich alle Bäume auf den Stock setzen? Wann und wie wird dieser Schnitt durchgeführt? Welche Vorteile bietet die Erziehung als mehrstämmiger Baum? Diese Fragen beantworten wir in diesem Ratgeber.

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Junger mehrstämmig erzogener Magnolie (© Wendy Cutler)

Winter, Herbst Schwierigkeit

Was ist die Wuchsform „Rebe“?

Ein als Rebe erzogener Baum besitzt mehrere Stämme, die aus seinem Wurzelstock entspringen. Solche Bäume werden manchmal als mehrstämmige Bäume bezeichnet, auch wenn dieser Begriff eher für Pflanzen verwendet wird, die von Natur aus mehrere Triebe aus dem Wurzelstock bilden, wie Haselnüsse. Das Auf-den-Stock-Setzen von Bäumen und Sträuchern bietet zahlreiche Vorteile: einen Strauch verjüngen, junge kräftige Triebe gewinnen (etwa für die Ruten- oder Silber-Weiden-Produktion), eine intensivere Färbung oder besonders große Blätter erzielen, die Entwicklung eines kräftigeren Wurzelsystems anregen, die Höhe begrenzen … Hier geht es jedoch nur um das Auf-den-Stock-Setzen mit dem Ziel, einen Baum als Rebe zu erziehen.

Natürlich wird ein als Rebe erzogener Baum in die Breite wachsen und somit mehr Platz benötigen. Am besten pflanzt man ihn auch isoliert, um seine besondere Wuchsform zur Geltung zu bringen. Durch die etagenartige Verzweigung spendet er noch wirksameren Schatten als ein Baum mit nur einem Stamm. Ein Baum als Rebe eignet sich daher ideal, um sich in seinem Schatten auszuruhen oder in Ruhe darunter zu essen.

Das Höhenwachstum von Bäumen als Rebe ist begrenzt. Das kann für Gärtner von Vorteil sein, die später keine umfangreichen Baumschnittarbeiten in großer Höhe durchführen möchten.

Hinweis: Man kann auch eine „künstliche Rebe“ schaffen, indem man 3 (oder 5 oder 7) junge Pflanzen dicht nebeneinander in dasselbe Pflanzloch setzt. Dies ist nur bei jungen Pflanzen von Arten mit einem eher kleinen Wurzelsystem möglich. Birken sind dafür ein Beispiel.

parrotia

Parrotie mit Stamm und als Rebe

Wann und wie eine Rebe ziehen?

Der richtige Zeitpunkt

Das Zurücksetzen erfolgt während der Vegetationsruhe, also im Herbst oder am Ende des Winters, bevor das Wachstum beginnt. Führen Sie diesen Schnitt nicht im späten Frühjahr oder frühen Sommer durch, da der Baum oder Strauch sonst wahrscheinlich abstirbt.

Wie wird aus einem Stammbaum ein mehrstämmiger Baum?

In der Baumschule können Sie bereits mehrstämmig erzogene Bäume kaufen, Sie können den Eingriff aber auch selbst vornehmen. So geht’s!

Beim Zurücksetzen wird ein Baum oder Strauch unten, direkt am Hals, abgeschnitten, damit sich kräftige Wurzelschösslinge bilden. Der Baum muss gesund und relativ jung sein (höchstens 5 oder 6 Jahre). Der Schnitt muss sauber an der Stammbasis, direkt über dem Hals (2–3 cm über dem Boden), ausgeführt werden. Schneiden Sie nicht zu hoch, da das Holz des Wurzelstocks mit der Zeit verrottet und die Wurzelschösslinge dann schlecht verankert sein können. Bei veredelten Pflanzen schneiden Sie dagegen über der Veredelungsstelle.

Sobald die Wurzelschösslinge aus dem Wurzelstock austreiben, sollten Sie nur die schönsten und am besten platzierten behalten. Wählen Sie die Wurzelschösslinge im Frühjahr so aus, dass sie weit genug auseinanderstehen und keine eingewachsenen Rinden entstehen. Entfernen Sie außerdem Wurzelschösslinge, die am Narbenwulst des Wurzelstocks austreiben (Adventivknospen), und bevorzugen Sie stattdessen die tiefer liegenden Knospen am Ansatz des Wurzelstocks. Diese Wurzelschösslinge gehen aus proventiven Knospen hervor. Wurzelschösslinge, die am Fuß des Wurzelstocks austreiben, können manchmal ein eigenständiges Wurzelsystem entwickeln, was für einen besseren Start sorgt. Manche behalten nur zwei Wurzelschösslinge oder eine ungerade Anzahl (3, 5, 7 …), doch selbstverständlich können Sie auch einen mehrstämmigen Baum mit 4, 6 oder 8 Stämmen erziehen. Wählen Sie die zu erhaltenden „Stämme“ mit Bedacht aus: Der Baum sollte eine völlig natürliche, offene Wuchsform haben. Vermeiden Sie die wenig ästhetische „Kleiderständerform“ senkrechter Stämme. An diesen „Stämmen“ können Sie die Verzweigung durch Entfernen von Zweigen bis zur gewünschten Höhe anheben und dem Ganzen eine schöne Transparenz verleihen.

Nota bene: Theoretisch ist ein mehrstämmiger Baum ein Baum, dessen mehrere Stämme am Wurzelstock, also am Boden, beginnen. Manche erziehen ihre Bäume jedoch so, dass die Stämme erst in einer Höhe von 1 m oder sogar höher aus dem Stamm hervorgehen. Das ist vor allem Geschmackssache.

Wie pflegt man einen mehrstämmig erzogenen Baum?

Der Pflegeaufwand ist gering. Entfernen Sie lediglich tief austreibende oder ungünstig platzierte Zweige, damit der Baum bis mindestens 1–1,5 m Höhe transparent bleibt.

Vergessen Sie nicht eine gute Mulchschicht oder besser noch niedrige, sommergrüne oder immergrüne Bodendecker, um den Fuß zu schmücken und den Boden kühl zu halten.

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Magnolia virginiana, mit Geranium macrorrhizum und Sedum bepflanzte Bodendecker (© K M)

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Welche Bäume und Sträucher eignen sich am besten dafür?

Tatsächlich lassen sich fast alle Bäume mehrstämmig ziehen. Doch am schönsten sind Arten, deren Rinde oder Aststellung wirklich spektakuläre Formen hervorbringen. Besonders gut treiben aus: Espen und Weiden, Esskastanien, Erlen, Ulmen, Ahorne, Maulbeerbäume und Linden.

Bemerkenswerte Rinden zeigen etwa Birken, Westliche Erdbeerbäume, Yoshino-Kirschen, Platanen, Acer griseum und Eukalypten…

Für eine besondere, dekorative oder bisweilen etwas gedrehte Wuchsform eignen sich Korkenzieher-Weide und Korb-Weide, Korkenzieher-Hasel, sommergrüne Magnolien, Amberbaum, Trompetenbaum und Blauglockenbaum, Judasbaum, Japanischer Schnurbaum, Hainbuche, Nothofagus antartica, Cercidiphyllum japonicum, Koelreuteria paniculata, Parrotie oder Ginkgo biloba

Auch einige Großsträucher eignen sich: Cornus mas, Felsenbirnen und Acer campestre

Vorsicht: Einige Bäume und Sträucher treiben nicht wieder aus und können daher nicht auf den Stock gesetzt werden. Dazu zählen Buchsbaum, Ginster, Zistrosen, Zaubernuss, Stechpalmen, Schlehen, Schattenglöckchen, Rosmarin und Akazien. Auch Apfel-, Birn-, Kirsch- und Pflaumenbäume vertragen keinen starken Rückschnitt bis zum Boden.

Die meisten Nadelgehölze eignen sich ebenfalls nicht für eine mehrstämmige Erziehung. Einige treiben jedoch gut aus, etwa Sequoia sempervirens, Taxodium, Metasequoia, Araucaria und die Eibe.

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Mehrstämmige Eibe im Parc Monceau und mehrstämmiger Lebensbaum im Jardin des Plantes in Nantes (© Gwenaëlle David)

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einen Baum zu einem Mehrstammbaum (Cépée) formen