Waldgarten anlegen?

Waldgarten anlegen?

Permakultur, Selbstversorgung und Biodiversität

Inhaltsverzeichnis

Geändert der 8. Dezember 2025  durch Sophie 6 min.

Auch als essbarer Wald bekannt, folgt der Waldgarten den natürlichen Prinzipien und der Dynamik von Waldökosystemen. So entsteht ein nahrungsreicher, naturnaher Garten mit wenig Pflegeaufwand. Dieses Permakulturkonzept schafft angesichts des Klimawandels mehr Autonomie und Widerstandsfähigkeit und verleiht dem Garten eine neue Ästhetik.

Erfahren Sie, wie Sie einen biodiversen Waldgarten anlegen und einen nahrungsreichen Garten gestalten.

Schwierigkeit

Was ist ein Waldgarten?

Waldgarten: Pflanzen wachsen in mehreren Schichten, liefern Ernten bei wenig Pflege und schaffen Lebensraum für Tiere – ein Beitrag zum Klimaschutz.

Essbaren Wald anlegen: So geht's chez Ihnen?

Nehmen Sie sich zunächst Zeit, Ihren Garten, seinen Boden, Standort und die vorherrschenden Winde kennenzulernen. Überlegen Sie anschließend, welche Wünsche und Bedürfnisse Sie haben, was Sie ernten und somit verzehren möchten und in welchen Mengen. Auch auf kleiner Fläche lässt sich ein solcher Garten anlegen, etwa mit selbstfruchtbaren Pflanzen wie dem Mandelbaum, der den Vorteil hat, für Ernten nur eine einzige Pflanze zu benötigen, sowie mit Arten, die weniger groß werden.

Beginnen Sie auf einer freien Fläche, etwa einem Stück Garten oder einem bestehenden Nutzgarten, mit der Pflanzung der Bäume der oberen Schicht. Berücksichtigen Sie ihre Wuchsform bei voller Reife, setzen Sie sie jedoch weniger weit auseinander als in einem klassischen Obstgarten, da Schatten entstehen soll. Die vollständige Anlage des Gartens kann je nach Zeit und Budget nach und nach erfolgen, Schicht für Schicht oder Bereich für Bereich. Denken Sie an Bäume und Sträucher mit nackten Wurzeln, die günstiger im Kauf sind.

Informieren Sie sich über vorteilhafte Pflanzengemeinschaften, die in der Permakultur Gilden genannt werden. Dabei handelt es sich um Pflanzengemeinschaften, die miteinander interagieren und sich gegenseitig unterstützen, wodurch stabile und dauerhafte Ökosysteme entstehen. Sie gruppieren sich meist um eine Hauptpflanze, die höher wächst als die übrigen Pflanzen und von weiteren Gewächsen in einer sogenannten Pflanzengemeinschaft begleitet wird. Wählen Sie Gewächse mit gleichen Ansprüchen an Wasser und Boden, unterschiedlicher Wuchshöhe sowie mehr oder weniger tiefen und ausgebreiteten Wurzelsystemen, damit sie nicht miteinander konkurrieren.

Damit diese Pflanzengemeinschaften wirksam sind, sollten Sie Gewächse aus mindestens drei der folgenden Gruppen zusammenstellen:

  • strukturgebende Pflanzen über dem Boden: für Schatten und Windschutz sowie als natürliche Stützen
  • Stickstoff bindende Gewächse
  • Pflanzen, die Mineralstoffe aus tieferen Bodenschichten heraufholen
  • strukturgebende Pflanzen für den Boden, die ihn mit ihren Wurzeln lockern
  • attraktive Pflanzen wie bienenfreundliche Pflanzen und Bestäuberpflanzen oder Pflanzen, die zur Abwehr benachbarter Pflanzen Nützlinge anlocken
  • Pflanzen mit Abwehrwirkung gegen schädliche und unerwünschte Insekten
Waldgarten, essbarer Wald

Die Anlage eines Waldgartens sollte gut geplant sein. Es ist ein durchdachtes und zugleich faszinierendes Projekt!

Die Baumschicht im Waldgarten

Bäume spenden Schatten, schützen die unteren Etagen vor vorherrschenden Winden und mildern Hagel, Frost, Schnee und Starkregen. Die Zersetzung der Blätter ermöglicht es dem Boden, sich mit fruchtbarem, lebendigem Humus anzureichern. 

Um eine möglichst große Selbstversorgung mit Lebensmitteln zu erreichen, bevorzugt man Obstbäume, möglichst alte, regionale Sorten, die widerstandsfähiger und besser an das Klima der jeweiligen Region angepasst sind. Für diese Etage wählen Sie Ihre bevorzugten, an Region und Boden angepassten Obstbäume: Birnbäume, Kultur-Äpfel, Kirschbäume, Pflaumenbäume, Maulbeerbäume (Morus), Feigenbäume usw. Pflanzen Sie Bäume mit Schalenfrüchten, essbaren Beeren wie Zürgelbäumen sowie Linden, die wertvoll für Tees sind. Die Bäume haben nicht nur essbare und heilkräftige Blätter, liefern Nektar und Pollen und düngen den Waldgarten, sondern erzeugen auch Licht- und Schattenspiele und dienen Lianen und Kletterpflanzen als Rankhilfe.

Waldgarten, essbarer Wald

Apfelbaum, Pflaumenbaum und Linde

Strauchschicht im Waldgarten

Diese zweite Schicht besteht aus Sträuchern, die Halbschatten vertragen. Sie tragen essbare und schmackhafte, oft wenig bekannte Beeren, etwa die Felsenbirne, die Kornelkirsche (Cornus mas), die Herbst-Ölweide (Elaeagnus umbellata) die Schlehe (Prunus spinosa) und den Sanddorn (Hippophae rhamnoides), aber auch für Vögel bestimmte Früchte wie die des Zierapfels (Malus ‚Golden Hornet‚), dessen winzige Äpfel bei Vögeln sehr beliebt sind.

Diese Schicht kann auch Haselnüsse, Schwarze Holunder (Sambucus nigra), Aronien und Westliche Erdbeerbäume enthalten. Ölweiden (Elaeagnus), Ginster und Bastard Blasensträucher binden ebenfalls Stickstoff. Sie eignen sich besonders für magere Böden, die sie auf natürliche Weise anreichern: Pflanzen Sie sie zwischen Ihre essbaren Kulturen.

→ Lesen Sie auch 7 unverzichtbare Sträucher im Waldgarten.

Waldgarten, essbarer Wald

Cornus mas, Hasel und Sambucus nigra

Strauchschicht im Waldgarten

Diese Stufe umfasst kleine Sträucher und Beerensträucher wie Johannisbeere, Stachelbeere, Schwarze Johannisbeere, Himbeere, Brombeere und Blaue Heckenkirsche (Lonicera caerulea ssp. kamtchatica).

Zwischen diesen Pflanzen werden essbare Kletterpflanzen (Chinesischer Strahlengriffel, Weinrebe, Chayote, Beerentraube …) gepflanzt, die an Rankhilfen emporklettern oder Bäume erklimmen.

Waldgarten, essbarer Wald

Himbeere, Johannisbeere, Weinrebe und Schisandra sinensis

Die krautige Schicht im Waldgarten

Wie im Wald bleibt der Boden in diesem essbaren Garten stets bedeckt. Mulch und Humusaufbau spielen hier eine wichtige Rolle, doch auch Beerenobst und essbare Kräuter sollen angebaut werden. Natürlich denkt man an Erdbeeren, etwa die berühmte Wald-Erdbeere oder andere Sorten wie die Moschus-Erdbeere (Fragaria moschata), eine kleine Wald-Erdbeere, die besonders gut für kalte Klimazonen und schattige Standorte geeignet ist.

Auch andere essbare Pflanzen finden hier ihren Platz, darunter Wurzelgemüse, Gewürz- und Heilpflanzen sowie essbare Pilze. Sie werden entsprechend ihren Bedürfnissen und dem Standort Ihres Waldgartens angeordnet. Rhabarber und mehrjähriges Gemüse wie der Daubenton-Kohl, Zwiebel oder Knoblauchartiger Lauch, der Perlzwiebel-Lauch, Blut-Ampfer und Artischocke sind ebenfalls willkommen. Bärlauch (Allium ursinum), eine Staude des Unterholzes, verwildert hier leicht, ebenso die Süßdolde (Myrrhis odorata), Wald-Engelwurz und Gewöhnlicher Odermennig für Tees. Essbare Blütenpflanzen (Taglilie, Tulbaghie, Borretsch) runden Ihren Waldgarten geschmackvoll ab.

Waldgarten, essbarer Wald

Wald-Erdbeeren, Daubenton-Kohl, Myrrhis odorata und Borretsch

Wie pflegt man einen essbaren Wald?

Bei der Pflanzung ist dieses neu geschaffene Ökosystem naturgemäß noch unausgereift. In den ersten zwei bis drei Jahren sind daher Eingriffe wie Gießen, Unkrautjäten und Rückschnitt nötig. Danach werden Pflanzen und Gemeinschaft selbstständig. Bei Problemen wie Klimaextremen, Parasitenbefall oder Krankheiten entwickelt das System seine Widerstandskraft. Wählen Sie schon bei der Planung gegen Parasiten und etwa auch gegen Trockenheit resistente Arten – so sind deutlich weniger Eingriffe nötig.

Der Vorteil dieses Gartentyps zeigt sich später im Zeitgewinn: Sobald er sich nach einigen Jahren etabliert hat, braucht er nur noch sehr wenig Pflege – und Sie können Ihre Ernte in vollen Zügen genießen!

Waldgarten, essbarer Wald

Sobald die Pflanzen harmonisch zusammenwachsen, beschränken sich die Eingriffe des Gärtners fast ausschließlich auf die Ernte!

Mehr erfahren...

→ Das bei Ulmer erschienene Buch „La forêt-jardin“ von Martin CRAWFORD, Leiter des Agroforestery Research Trust, zeigt, wie Sie einen Waldgarten jeder Größe anlegen.

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Essbaren Wald gestalten