Die Vogelwelt, also die Gesamtheit der wild lebenden Vögel, ist heutzutage mit zahlreichen Problemen konfrontiert, die ihre Bestände jedes Jahr weiter dezimieren. Klimawandel, Pestizide, der Verlust von Lebensraum (weniger Nahrung und Nistplätze), Unfälle aller Art (an Fensterscheiben, mit Autos oder Windkraftanlagen), natürliche oder vom Menschen verursachte Prädation, der Rückschnitt von Hecken im Frühjahr und nun auch Krankheiten wie die Vogelgrippe. Genau genommen gibt es mehrere Formen der Vogelgrippe. Wir sehen uns diese Vogelgrippe-Erkrankungen und ihre Folgen für wild lebende Vögel genauer an.

Folgen der Vogelgrippe für die Vogelwelt und wild lebende Vögel
Ein am Ufer gestrandeter Kormoran – vermutlich ein Opfer der Vogelgrippe

Was ist die Vogelgrippe?

Die Vogelgrippe wird auch als Geflügelpest oder Aviäre Influenza bezeichnet, seltener sogar als Ebola des Huhns. Es handelt sich um eine Viruserkrankung, die durch Influenza-A-Viren verursacht wird und hauptsächlich Vögel befällt. Üblicherweise unterscheidet man zwei Hauptkategorien:

  • IAFP oder niedrigpathogene Viren: Diese Viren verursachen bei Geflügel nur wenige Symptome. Manche Vögel, etwa Enten, können sogar asymptomatische Träger sein.
  • IAHP oder hochpathogene Viren: Zu dieser Kategorie gehören die Subtypen H5, H7 und H9, etwa die Viren H5N1 und H7N9. Diese Viren können schwere Epidemien auslösen und mitunter tödlich verlaufen.

Die Krankheit wird durch direkten Kontakt zwischen wild lebenden oder gehaltenen Vögeln, über den Kot erkrankter Vögel sowie durch infizierte Materialien oder Gegenstände übertragen (Kadaver, Eier, Kleidung usw.). Bei wild lebenden Vögeln verläuft die Vogelgrippe normalerweise wenig virulent. Das ändert sich jedoch zunehmend. In einem industriellen Geflügelbetrieb kann sie den gesamten Bestand dahinraffen.

Folgen der Vogelgrippe für die Vogelwelt und wild lebende Vögel
Die verheerenden Folgen der Vogelgrippe zu Beginn der 2000er-Jahre sind vielen noch in Erinnerung

Und welche Gefahr besteht für den Menschen?

Die Vogelgrippe kann einige Säugetiere infizieren, darunter Schweine, Ratten, Mäuse und Wiesel. Im Fall des H5N1-Virus kann sie sogar den Menschen befallen. Die Fälle sind noch selten. Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) nimmt die Situation jedoch sehr ernst, zumal dieses Virus für den Menschen potenziell tödlich ist. Ein wirksamer Impfstoff gegen H5N1 ist seit 2005 verfügbar. Glücklicherweise wird das Virus derzeit nicht von Mensch zu Mensch übertragen, sondern nur bei längerem Kontakt mit Geflügel.

Allerdings sind Viren des Typs A genetisch instabil. Das bedeutet, dass sie schnell und häufig mutieren. Ein Subtyp der Influenza A könnte daher eines Tages für den Menschen problematisch werden und eine Pandemie auslösen.

Sind wild lebende Vögel gefährdet?

Alain Bougrain-Dubourg, Präsident der LPO (Vogelschutzliga), zufolge war 2022 weltweit das schlimmste Jahr seit dem Auftreten des H5N1-Virus im Jahr 1995. Fast 140.000.000 Nutzgeflügel starben an der Vogelgrippe oder mussten getötet werden. Auch die Zahlen bei der wild lebenden Vogelwelt sind erschreckend: Beispielsweise wurden in Peru 22.000 tote Seevögel gefunden. Seevögel scheinen besonders stark betroffen zu sein.

An den französischen und belgischen Küsten ist bei den Lariden eine beunruhigende Sterblichkeit zu beobachten. Zu dieser Vogelfamilie gehören Möwen, Seeschwalben und Großmöwen. Auch andere Arten sind besonders stark betroffen. So wurde das Virus erstmals beim Gänsegeier nachgewiesen. Außerdem ist eine Kolonie von Basstölpeln durch diese Influenza stark dezimiert worden.

Folgen der Vogelgrippe für die Vogelwelt und wild lebende Vögel
Seevögel haben besonders stark unter der Vogelgrippe gelitten

Welche Symptome treten bei der Vogelgrippe auf?

Die Symptome der Vogelgrippe bei Vögeln sind vielfältig: Zunächst zeigen sich ungewöhnliches Verhalten, Zittern und Koordinationsstörungen. Später können Schwellungen am Kopf sowie Teilnahmslosigkeit, Atembeschwerden und Durchfall auftreten. Schließlich verendet der infizierte Vogel. Im Hühnerstall sollten Sie bereits bei Appetitlosigkeit und einer sinkenden Eierproduktion aufmerksam werden. Dies sind wichtige Anzeichen, die Sie beobachten sollten.

Folgen der Vogelgrippe für die Vogelwelt und wild lebende Vögel
Ungewöhnliches Verhalten, Appetitlosigkeit … Beobachten Sie Ihren Hühnerstall jetzt besonders aufmerksam!

Was können Sie tun?

Naturschützer fordern seit Langem eine Verringerung der Größe und Anzahl industrieller Geflügelhaltungen. Ornithologen empfehlen außerdem, kleine lokale Geflügelhaltungen mit einheimischen Rassen zu bevorzugen. Diese Rassen sind widerstandsfähiger und tragen zu einer größeren genetischen Vielfalt bei.

Weitere Vorsichtsmaßnahmen sind die Haltung von Hausgeflügel in geschlossenen Ställen oder unter einem Schutznetz, strengere Sicherheitsvorkehrungen beim Transport von Geflügel, das Verbot von Geflügelmärkten und Brieftauben-Wettflügen sowie die Impfung von Vögeln in Zoos und von Tieren, die nicht eingesperrt werden können. Sind Vögel infiziert, bleibt leider nur ihre Tötung.

Wenn Sie im Garten wild lebende Vögel füttern, stellen Sie die Futterstelle nicht zu nahe an Ihren Hühnerstall. Reinigen Sie den Futterplatz und die Wasserstellen regelmäßig.

Heben Sie einen toten Vogel niemals ohne Handschuhe auf und verhindern Sie, dass Ihr Hund mit dem Kadaver in Kontakt kommt. Wenn Sie einen toten Vogel finden und Ihnen der Fund verdächtig erscheint, wenden Sie sich an das französische Amt für Biodiversität https://www.ofb.gouv.fr/. In Belgien erreichen Sie SOS Environnement Nature kostenlos unter der Nummer 1718.

Wichtiger Hinweis: Obwohl die Aufstallung von Geflügel zu den von der Regierung empfohlenen Maßnahmen gehört, weisen Vogelfachleute darauf hin, dass Freilandhaltungen nicht stigmatisiert werden sollten. Sie ermöglichen den Vögeln eine bessere Gesundheit, insbesondere durch weniger Stress, und damit eine deutlich höhere Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten wie die Vogelgrippe.

Wenn Sie mehr über die Vogelgrippe erfahren möchten oder weitere Fragen haben, finden Sie hier den Link zu einer FAQ zu diesem Thema auf der Website der LPO.

Folgen der Vogelgrippe für die Vogelwelt und wild lebende Vögel
Schützen Sie die Vögel, indem Sie Futterstellen und Vogeltränken regelmäßig reinigen – immer mit Handschuhen