Alte und regionale Feigenbaumsorten
Obstbäume pflanzen und erhalten
Inhaltsverzeichnis
Der Feigenbaum, lateinisch Ficus carica, ist weit mehr als ein Obstbaum. Als Wahrzeichen des Mittelmeerraums gehört er fest zum kulturellen und landwirtschaftlichen Erbe vieler französischer Regionen. Seit Jahrtausenden kultiviert, begleitet der Feigenbaum den Menschen und steht für Fruchtbarkeit, Fülle und Weisheit. Während heute viele moderne Sorten wegen ihres Ertrags und ihrer Transportfestigkeit den Markt bestimmen, gibt es noch eine große Vielfalt alter und regionaler Sorten, die wiederentdeckt und geschützt werden sollten.
Traditionelle Feigenbäume, die seit Jahrhunderten an das Klima ihrer Regionen angepasst sind, stellen einen wahren Reichtum dar. Sie bieten nicht nur einzigartige Aromen, sondern tragen auch zum Erhalt der Biodiversität und zum Schutz vor der Vereinheitlichung des Anbaus bei. Jede alte Sorte erzählt eine Geschichte, spiegelt ihr Terroir wider und verkörpert über Generationen überliefertes landwirtschaftliches Wissen.
Entdecken Sie diese alten Feigenbaumsorten, ihre Herkunft und Bedeutung sowie Initiativen zu ihrem Erhalt.

Feigenbaum Rouge de Bordeaux
Geschichte des Feigenbaums
Der Feigenbaum stammt aus einem großen Gebiet, das sich von Kleinasien bis zum östlichen Mittelmeerraum erstreckt und Regionen wie das alte Mesopotamien und Ägypten umfasst. Dieser Baum gehört zu den ersten vom Menschen domestizierten Pflanzen; archäologische Funde belegen, dass er bereits vor mehr als 11.000 Jahren kultiviert wurde – noch vor dem Getreideanbau. Feigenbäume wurden wegen ihrer süßen und nährstoffreichen Früchte angebaut, aber auch aufgrund ihrer religiösen und kulturellen Bedeutung in mehreren antiken Zivilisationen.
Im alten Ägypten galt die Feige als heilige Frucht und wurde häufig mit Bestattungsriten und Wohlstand in Verbindung gebracht. Im antiken Griechenland symbolisierte der Feigenbaum Fruchtbarkeit und Überfluss. Die Griechen verbreiteten seinen Anbau weit in ihren Gebieten. Die Römer übernahmen ihn später und trugen durch Handelswege und Eroberungen zu seiner Verbreitung in Europa bei.
Während der Römerzeit gelangte der Feigenbaum erstmals nach Frankreich, zunächst in die Mittelmeerregionen, wo er besonders günstige Klimabedingungen vorfand. Im Laufe der Jahrhunderte gewöhnte er sich auch an andere Regionen, unter anderem dank der Vielfalt der französischen Mikroklimata. Besonders im Süden, vor allem in der Provence, auf Korsika und im Languedoc-Roussillon, konnte sich der Baum jedoch prächtig entwickeln.
Je nach den besonderen klimatischen Bedingungen entstanden lokale Sorten. Das erklärt die große Sortenvielfalt dieser Regionen. In der Provence fand der Feigenbaum beispielsweise ein trockenes, sonniges Klima vor, das sich hervorragend für seinen Anbau eignet. So entstanden bekannte Sorten wie ‚Violette de Solliès‘.
Neben seiner landwirtschaftlichen Bedeutung spielte der Feigenbaum auch in den Traditionen und Kulturen der Regionen eine wichtige Rolle. In der Provence war es nicht ungewöhnlich, Feigenbäume in der Nähe von Häusern zu pflanzen, da man glaubte, sie schützten vor bösen Geistern und stünden für Gastfreundschaft. Auch in der regionalen Küche ist die Feige fest verankert. Sie wird frisch oder getrocknet, für herzhafte oder süße Gerichte und häufig als Beilage zu traditionellen Speisen wie Käse oder Schinken verwendet.
In der Folklore wird der Feigenbaum oft mit Geschichten über Wohlstand oder Weisheit in Verbindung gebracht. Auf Korsika, wo getrocknete Feigen lange Zeit eine wertvolle Ressource für ländliche Familien waren, gilt der Feigenbaum noch heute als Glücksbringer. Im Mittelalter glaubten manche Gemeinschaften, dass das Schlafen unter einem Feigenbaum prophetische Visionen bringen könne.
So ist die Geschichte des Feigenbaums in Frankreich eng mit der Entwicklung der ländlichen Gesellschaften und der Weitergabe landwirtschaftlicher Kenntnisse verbunden. Er hat sich an die unterschiedlichen Klimazonen und Regionen angepasst und dabei eine große Vielfalt entwickelt. Dadurch wurde er zu einem Symbol für den natürlichen und kulturellen Reichtum. Diese lange Geschichte, geprägt von Anpassung und Austausch, hat dazu beigetragen, dass zahlreiche alte Sorten bis heute erhalten geblieben sind.
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Einige traditionsreiche Sorten
- Feigenbaum ‚Violette de Solliès‚ (Provence): zweifellos eine der bekanntesten und beliebtesten Sorten Frankreichs. Die großen, abgeflachten Früchte haben eine dünne, schwarzviolette Schale und ein intensiv rotes, saftiges, süßes Fruchtfleisch. Ihr besonders reiches Aroma erinnert an Konfitüre, Honig und Erdbeeren. ‚Violette de Solliès‘ trägt die geschützte Ursprungsbezeichnung AOP, ein Qualitätssiegel, das ihre Erzeugung in dieser Region schützt.
- Feigenbaum ‚Noire de Caromb‘ (Vaucluse): trägt mittelgroße Früchte mit einer dunklen, fast schwarzen Schale, der sie ihren Namen verdankt, und sehr kräftig rotem Fruchtfleisch. Sie wird frisch und getrocknet verzehrt. Ihr Geschmack ist intensiv und süß, mit leicht karamelligen Noten im getrockneten Zustand. Sie ist fest in der lokalen Kultur verankert: Jedes Jahr feiert das Dorf Caromb die Feige mit Festen.
- Feigenbaum ‚Rouge de Bordeaux‘ oder ‚Pastilière‘: eine alte Sorte, die sich an kühlere Klimate anpasst und daher besonders für Mittel- und Nordfrankreich interessant ist. Ihre mittelgroßen Früchte haben eine dunkelviolette Schale und rotes, sehr süßes, zart schmelzendes Fruchtfleisch. Als frühe Sorte trägt sie bereits ab August reichlich Früchte.
- Feigenbaum ‚Grise de Saint-Jean‘: eine alte Sorte, die vor allem im Südwesten Frankreichs angebaut wird. Sie ist für ihre kleinen bis mittelgroßen Feigen mit dünner, graublauer Schale und rosafarbenem, mildem, saftigem Fruchtfleisch bekannt. Ihr feines, süßes Aroma macht sie zu einer beliebten Sorte für den Frischverzehr; sie eignet sich auch für Konfitüre oder zum Trocknen. Diese bifere Sorte liefert zwei Ernten.
- ‚Walddickblatt‘: eine aus Südfrankreich stammende Sorte mit goldgelben, süßen und saftigen Feigen, die sich ideal zum Frischverzehr eignen. Bifere Sorte mit schwachem Wuchs.
- ‚Longue d’Août‘: eine alte Sorte aus dem Südwesten mit länglichen, sehr süßen Früchten, die im Juli und dann erneut im August reichliche Ernten liefert.

Feigenbaum Longue d’Août
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Feigenbaum: richtige Sorte wählen?Die Rolle der Konservatorien
Botanische Konservatorien und lokale Vereine spielen eine wichtige Rolle beim Erhalt alter Feigenbaum-Sorten. Ihr Ziel ist es, diese Sorten zu bewahren, zu dokumentieren und manchmal wieder einzuführen sowie die Öffentlichkeit für ihre Bedeutung zu sensibilisieren.
Diese Einrichtungen widmen sich dem Schutz der pflanzlichen Biodiversität, einschließlich alter Feigenbäume. Sie pflegen lebende Sammlungen verschiedener Sorten, die oft aus bestimmten Regionen stammen. So bewahrt das Botanische Konservatorium von Porquerolles in der Provence zahlreiche mediterrane Sorten, darunter alte Feigenbaum-Sorten. Durch die Erforschung dieser Bäume können die Konservatorien die genetischen Besonderheiten jeder Sorte bestimmen und so ihre Vermehrung fördern.
In manchen Regionen setzen sich lokale Vereine, die häufig von Garten- und Landwirtschaftsbegeisterten unterstützt werden, für den Anbau alter Sorten ein. Sie organisieren Stecklingstausch, Pfropf-Workshops und Informationsveranstaltungen, um Hobbygärtner zum Anbau dieser Bäume im eigenen Garten zu ermutigen. Diese Initiativen fördern die Weitergabe von Wissen und tragen zum Erhalt traditioneller Feigenbaum-Sorten bei, die sonst in Vergessenheit geraten könnten.
Neben den Konservatorien spielen Gartenliebhaber und einige Landwirte eine wichtige Rolle bei der Weitergabe dieser Sorten. Indem sie alte Feigenbäume in ihren Gärten oder Obstgärten kultivieren, tragen sie zum Erhalt einer wertvollen genetischen Vielfalt bei. Einige Landwirte, insbesondere im ökologischen Landbau oder in der Permakultur, bevorzugen alte Sorten wegen ihrer Winterhärte und ihres geringen Bedarfs an Betriebsmitteln (Dünger, Pflanzenschutzmittel).

Feigenbaum Grise de la St Jean
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