Garten renaturieren?

Garten renaturieren?

Anders gärtnern lernen – mit der Natur

Inhaltsverzeichnis

Geändert der 10. August 2026  durch Gwenaëlle 8 min.

Gärten werden heute zunehmend wilder: Man spricht von „Rewilding“ oder bei Städten und großen Flächen von „Renaturierung“ – also von einer Rückkehr zur Natur. Warum? Weil wir in unseren Gärten wieder natürlichere Bedingungen schaffen und ökologische Lösungen umsetzen möchten. Das zeigt sich in der Auswahl und Anordnung der Pflanzen sowie im Erhalt von Bereichen, die mehr Biodiversität ermöglichen.

In Städten ist die Renaturierung vieler versiegelter Flächen mit künstlich veränderten Böden angesichts des Klimawandels bereits eine Priorität. Doch auch kleine Gärten können zu dieser Entwicklung beitragen. Sie können eine wildere Flora fördern, mehr Bäume pflanzen, Ökosysteme wiederherstellen und der Natur Raum geben – und so im Kleinen gegen den Klimawandel wirken. So werden Gärten zu neuen, umweltbewussteren Paradiesen.

Sehen wir uns an, wie Sie einen wilden, lebendigen, farbenfrohen, nützlichen und praktischen Garten gestalten!

Rewilding im Garten, Garten renaturieren, Renaturierung, welche Pflanzen für einen wilden Garten, Naturgarten gestalten

Ein wilder Garten – eine schöne Idee für mehr Biodiversität

Schwierigkeit

Wildpflanzen und heimische Arten pflanzen

Man sieht sie in urbanen Grünanlagen überall und zunehmend auch in Privatgärten: Wildpflanzen liegen im Trend! Der akkurat geplante, anspruchsvolle Garten wird seltener – außer bei speziellen Gartenformen wie dem Japanischen oder exotischen Garten. Und das ist keineswegs nur eine Modeerscheinung. Heute kombinieren wir häufiger Pflanzen mit wildem Charakter und heimische Arten mit besonders dekorativen Stauden und Sträuchern. Sie sorgen für Fülle und Natürlichkeit, haben viele Vorteile, benötigen wenig Pflege und sind zudem perfekt an ihre Umwelt angepasst.

Hier einige hübsche Wildblumen, die als gewöhnlich gelten und aus unseren Wäldern, Gräben oder Feldrainen stammen, sich aber wunderbar in einen Bauerngarten, englischen Garten oder Cottage-Garten einfügen, wenn man sie mit anderen Stauden oder Gräsern kombiniert: Fenchel, Malve, Fingerhut, Verbascum, Blutweiderich, Salvia pratensis, Weidenröschen, …

Erkennen Sie die Wildform am alleinstehenden lateinischen Namen, der keine Sortenbezeichnung enthält. So wählt man beispielsweise eher Verbascum thapsus (die echte Kleinblütige Königskerze) als eine Sorte wie Verbascum ‘White Domino’, die aus einer Hybridisierung hervorgegangen ist.

Heimische Pflanzen sind per Definition in einer bestimmten Region oder einem Land indigen. Dort wachsen sie spontan, wie etwa der Gewöhnliche Stechginster (Ulex europaeus), der im Westen Frankreichs weit verbreitet ist, oder der Azaroldorn in der Provence. Sie erweisen sich als besonders robust, sind wenig krankheitsanfällig und benötigen kaum Pflege, da sie perfekt an Boden und Klima sowie Luft- und Niederschlagsverhältnisse der Region angepasst sind.

Auch Obstgehölze gehören dazu und sollten wieder angepflanzt werden, wenn man sie in örtlichen spezialisierten Baumschulen findet. Wählen Sie dabei alte regionale Sorten wie den Apfel ‚Patte de loup‘ im Anjou oder die Aprikose ‚Muscat de Provence‘.

Zu den bevorzugten Bäumen und Sträuchern in vielen Regionen zählen: Acer campestre, Hasel, Ribes, Cornus mas, Weide, Weißdorn, Prunus spinosa, Hainbuche, Pfaffenhütchen, Wald-Geißschlinge (Lonicera periclymenum), Holunder, Hundsrose usw.

Hinweis: Die regionalen Biodiversitätsagenturen (ARB, Agences régionales de la biodiversité) stellen für jedes Département Listen oder interaktive Karten mit heimischen Gehölzen bereit. Informieren Sie sich gern über Ihre Region!

rewild jardin, reensauvager jardin, renaturation, jardin sauvage quelles plantes

Fingerhut, Feld-Ahorn, Wiesen-Salbei und Wald-Geißschlinge

→ Lesen Sie auch: Heimische Pflanzen: ein Überblick, Pflanzen wir heimische Arten, um Bestäuber anzulocken, Naturnaher Garten: 5 bemerkenswerte Wildpflanzen sowie unsere Rezension des Buchs Heimische Pflanzen für einen naturnahen Garten.

Der Natur freien Lauf lassen

In manchen Gartenbereichen darf die Natur ruhig wieder mehr Raum bekommen. Auf großen Flächen ist das natürlich einfacher: Dort lässt sich ein eigener Bereich festlegen, während der Gartenteil am Haus meist gepflegter gestaltet wird. Bei kleinen Gärten neigen Perfektionisten oft dazu, alles besonders ordentlich halten zu wollen.

Doch in jedem Garten lassen sich sich selbst ausbreitende Pflanzen ansiedeln, die je nach Bereich mehr oder weniger kontrolliert werden. Auch ungemähte Flächen rund um Bäume sind möglich und fördern den Wiesencharakter. Dieser naturnahe Garten erinnert an den Garten in Bewegung, der Gilles Clément am Herzen liegt. Seit Jahrzehnten beschreibt er ihn als einen Garten im ständigen Wandel, in dem der Gärtner nur wenig eingreift und sich die Strukturen fortlaufend verändern.

Die Natur macht vieles von selbst und kann sich auf verschiedene Weise frei entfalten:

  • Sich selbst ausbreitende Pflanzen und natürliche Aussaat: Dazu gehören Pflanzen, die sich selbst aussäen, indem Wind oder Vögel ihre Samen verbreiten! Sie sind unverzichtbar, wenn Sie Ihren Garten naturnäher gestalten möchten. Außerdem bieten sie stets eine prachtvolle Blüte und sind oft bienenfreundlich.
  • Die Einbürgerung: Manche Pflanzen, darunter viele botanische Zwiebelpflanzen und zahlreiche Bäume, können sich natürlich vermehren und einbürgern (Krokus, einige Tulpen, Schneeglöckchen, Alpenveilchen usw.).
  • Rhizomatöse Pflanzen: Auch Pflanzen mit rasch wachsenden, schönen Beständen sind hilfreich. Sie breiten sich über ihr ausläuferbildendes Wurzelsystem aus und eignen sich für große Flächen (Vorsicht jedoch vor invasiven Pflanzen!).

→ Lesen Sie auch: Pflanzen, die sich selbst aussäen, 6 Zwiebelpflanzen zur einfachen Einbürgerung im Garten und Invasive oder wuchernde Pflanze: Nicht alles verwechseln!

rewild jardin, reensauvager jardin, renaturation, jardin sauvage quelles plantes, jardin sauvage, jardin naturel composer amenager

Buschmalven und Krokusse vermehren sich leicht. Lilianes Garten im Limousin oben rechts: Die vorrückende Natur lässt die Grenzen verschwimmen (© Gwenaëlle David)

Späte Mahd und Aufforstung

Die Natur verabscheut das Vakuum, wie man weiß … Auch wir sollten eine Natur fördern, die sich den Raum zurückerobert: Das erspart uns Pflegeaufwand und lässt uns einmal mehr der Natur nacheifern, die sich dort ansiedelt, wohin der Wind sie trägt und wo sie ungehindert wachsen kann.

In diesem Sinne bieten späte oder gestalterische Mahden Lebensraum für eine vielfältige Mikro- und Bodenfauna sowie für die Rückkehr zahlreicher Schmetterlinge und Insekten. Dabei werden offene Flächen einmal im Jahr gemäht. Die erhaltenen Wildkräuter übernehmen eine Bodenarbeit, die das Bodenleben fördert und zur Bekämpfung verschiedener Schädlinge beiträgt. Auch ästhetisch ist diese Methode interessant: Der Rasenmäher zeichnet die freigelassenen Flächen wie mit einem Bleistift nach – oft 1 bis 3 m breite Streifen oder mehr oder weniger große Quadrate, je nach Größe des Gartens. Man spricht von einer differenzierten Pflege, die auf in Kommunen beobachteten Praktiken beruht und eine angepasste Behandlung der Flächen ermöglicht. Die offenen Bereiche werden dabei ein- bis zweimal jährlich gemäht.

Bäume zu pflanzen, ist eine weitere Möglichkeit, für eine dichte Vegetation und eine wirksame Wiederbewaldung zu sorgen. So lassen sich die immer häufigeren sommerlichen Überhitzungen, die globale Klimaerwärmung und die gestörten Bodenverhältnisse besser regulieren. Selbst das Pflanzen von Bäumen in einem einfachen Hain mindert die Auswirkungen von Wind und dadurch verstärkter Trockenheit und fügt den Garten zugleich harmonisch in die umgebende Landschaft ein.

Wir können uns am Wald orientieren und bestimmte Bereiche sich natürlich wiederbewalden lassen oder diesen Prozess unterstützen, indem wir von Hand heimische Gehölze aussäen oder wurzelnackte Pflanzen setzen. Bei diesen Methoden beherrscht der Mensch die Natur nicht mehr, sondern es entsteht ein gegenseitiger Nutzen – eine echte Win-win-Situation!

→ Lesen Sie auch: Blumenwiese oder bewachsene Fläche mähen, Einen Mikrowald anlegen und Wie legt man einen Waldgarten an?

rewild jardin, reensauvager jardin, renaturation, jardin sauvage quelles plantes, jardin sauvage, jardin naturel composer amenager

Zwei Beispiele für differenzierte Pflege: im Manoir de la Groye im Anjou und in einem Privatgarten (© Gwenaëlle David). Auch das Pflanzen von Bäumen und Sträuchern ist von großer Bedeutung.

Lesen Sie auch

Benjeshecke anlegen?

Biodiversität fördern

Die naturnahe Gartengestaltung setzt auch auf den sichtbaren Schutz der Biodiversität. Neben wilden, indigenen Pflanzen, deren Bedeutung wir zu Beginn dieses Artikels betont haben und die der heimischen Vogelwelt zugutekommen, sollte der Garten möglichst vielfältig gestaltet werden. Ziel ist, natürliche Lebenskreisläufe wiederherzustellen und nachzuahmen, was die Natur ohne menschliche Kontrolle bestens leistet:

  • Durch die Anlage von Blumenwiesen oder mesophilen Wiesen – sie erfordern einige Vorarbeiten – oder durch das Ansiedeln von Ackerwildkräutern (Klatsch-Mohn, Kornblume, Anthemis usw.)
  • Durch die Erhaltung oder Wiederherstellung von Lebensräumen und Rückzugsorten für kleine Wildtiere (Vögel, aber auch Fledermäuse, Marder, Reptilien …): Unterschlupf durch Holz- und Reisighaufen, Spalten in Mauern oder Stämmen, Steinschüttungen und alte Wurzelstöcke, die vor Ort verbleiben …
  • Durch das Aufstellen von Nistkästen und Futterstellen, Igelhäusern usw. im Garten
  • Durch die Anlage artenreicher Hecken, also aus mehreren Arten, um das Krankheitsrisiko zu senken. Sie dienen als Sichtschutz, Begrenzung oder Trennelement im Garten!
  • Durch Rückschnitt und Baumschnitt zum richtigen Zeitpunkt (mehr dazu in Oliviers Tipps im Artikel Hecken nicht zwischen dem 15. März und Ende Juli schneiden
  • Durch eine möglichst vielfältige Pflanzenauswahl und geschickte Kombinationen, um positive Wechselwirkungen zu fördern, besonders mit der kleinen Tierwelt im Garten.
  • Wenn Platz und Lust vorhanden sind, lockt und fördert die Anlage eines Feuchtgebiets wie Teich oder Tümpel oder sogar eines Bachlaufs eine spezielle Tierwelt.
rewild Garten, Garten renaturieren, Renaturierung, wilder Garten welche Pflanzen, wilder Garten, naturnahen Garten gestalten

Gefällter Stamm in einer blühenden Brache, Nistkästen, vielfältige Pflanzengemeinschaften: Biodiversität lässt sich auf vielen Wegen fördern …

→ Lesen Sie auch unseren Artikel Einen Naturteich im Garten anlegen und sehen Sie unser Video:

Bücher zur Inspiration

Der naturorientierte, verwilderte Garten ist in den letzten Jahren Thema zahlreicher Bücher. Hier eine Auswahl zum Wildgarten, seiner Flora und zur naturnahen Gartengestaltung:

Nicht zu vergessen sind Bestimmungsbücher: Diese handlichen Bücher helfen bei der Bestimmung von Pflanzen und machen mit den charakteristischen Pflanzen unserer Regionen vertraut. Ein solches Buch gehört in jede Bibliothek (Flora der Bretagne, Flora Nordfrankreichs und Belgiens …).

Kommentare

Dieses Formular ist durch reCAPTCHA geschützt – es gelten die Datenschutzbestimmungen und die Nutzungsbedingungen.

Wildgarten