Wollige Apfelblattlaus bekämpfen?
Blutläuse erkennen, vorbeugen und natürlich bekämpfen
Inhaltsverzeichnis
Weiße Wattefäden an Ihrem Apfelbaum? Es handelt sich um Blutläuse. Sie saugen Pflanzensaft, schwächen den Baum und gefährden die Ernte. Tipps zu Vorbeugung und natürlicher Behandlung.

Blutlaus am Kultur-Apfel erkennen: Symptome
Wie sieht die Apfelblutlaus aus?
Die Apfelblutlaus (Eriosoma lanigerum) ist ein kleines Insekt aus der Ordnung der Hemipteren, zu der auch Wanzen, Zikaden und Schildläuse gehören. Sie wird kaum 3 mm groß und ist an ihrem weißen, watteartigen, fadenförmigen Wachsmantel zu erkennen. Daher wird sie auch wollige Blutlaus genannt.
Die erwachsenen Tiere sind meist flügellos. Im Sommer erscheinen jedoch geflügelte Exemplare mit braunem Körper und dünnerem Wachsmantel.
Die Larve sieht dem erwachsenen Tier ähnlich, hat aber einen schwarzvioletten Körper und ist kleiner.
Der Schädling stammt vermutlich aus Nordamerika und wurde Ende des 18. Jahrhunderts versehentlich nach Europa eingeschleppt.
Lebenszyklus
Zu Beginn des Frühjahrs, ab März oder April, verlassen die ersten erwachsenen Apfelblutläuse ihre Winterquartiere, sobald die Temperaturen etwa über 7 °C steigen. Dann befallen sie Apfelbäume und manchmal auch andere Obstbäume und Sträucher, etwa Quitten oder Weißdorn. Ihre Aktivität dauert bis in den Herbst an, meist bis Oktober.
Die Fortpflanzung erfolgt durch Parthenogenese, das heißt, die Weibchen müssen nicht befruchtet werden. Sie bringen fast hundert Larven zur Welt, die sich wie die erwachsenen Tiere vom Pflanzensaft des Apfelbaums ernähren. Diesen saugen sie mit einem Stechrüssel aus der Rinde junger Zweige.
Im Frühjahr folgen mehrere Generationen von Weibchen aufeinander. Im Sommer erscheinen geflügelte Tiere, die die Kolonie auf benachbarte Apfelbäume verbreiten und vergrößern.
Die zuletzt geborenen Larven überwintern als Nymphen unter der Rinde oder in Rissen ihres Wirtsbaums.
Ein milder Winter senkt die natürliche Sterblichkeit der Larven und kann im Frühjahr zu einem schnelleren Befall führen.
Schäden durch die Apfelblutlaus
Die Schäden am Apfelbaum sind leicht zu erkennen. Zunächst bedecken lange, watteartige Kolonien Zweige, junge Triebe und Blüten des Baums.
Die Apfelblutlaus ernährt sich vom Pflanzensaft und befällt sowohl Stamm als auch Zweige, manchmal sogar die oberflächlichen Wurzeln. Anders als die mehlige Apfelblattlaus findet man sie jedoch nie auf den Blättern.
Nicht die Entnahme des Pflanzensafts beeinträchtigt die Gesundheit des Baums, sondern vielmehr der bei den Stichen injizierte giftige Speichel. Er schwächt den Baum und begünstigt die Übertragung von Viren.
Die Folgen eines Befalls mit Apfelblutläusen sind:
- verlangsamtes Wachstum des Baums
- Verformung der Blätter, die sich einrollen
- Rußtau auf Blättern und Früchten, eine Krankheit mit schwarzem, klebrigem Belag
Bei starkem und lang anhaltendem Befall kommt es außerdem zu:
- Verformungen der Rinde und Wucherungen
- Freiliegendem Holz und Rindenkrebs, was zu verformten Trieben, aufplatzenden Zweigen und einem gestörten Pflanzensafttransport führt. Die offenen Wunden begünstigen zudem weitere Krankheiten durch Pilze und Bakterien.
Auf Dauer kommt es neben den ästhetischen Schäden zu weniger Früchten und einem Absterben des Apfelbaums.

(Foto: Wikimedia Commons)
Natürliche Mittel gegen Blutläuse
Mechanische Bekämpfung
- Blattlauskolonien lassen sich mit Wasser entfernen, durch Sprühen oder mit einem Gartenschlauch. Sie können auch von Hand beseitigt werden, solange die Kolonie noch nicht zu groß ist.
- Ein am Stamm des Kultur-Apfels angebrachtes Leimband fängt Ameisen. Da es nicht selektiv wirkt, werden jedoch auch andere nützliche Insekten gefangen. Deshalb sollte es nur im Frühjahr und sparsam eingesetzt werden, um eine Ausbreitung der Apfelblutlaus zu verhindern.
- Als letzte Möglichkeit ein natürliches Insektizid auf Pyrethrumbasis oder ein Blattlausmittel auf Paraffinbasis verwenden, das im ökologischen Landbau einsetzbar ist. Sie können auch eine Lösung aus Schmierseife wählen und diese abends aufsprühen (1 l Wasser auf 4–5 Esslöffel Schmierseife).
Auch natürliche Mittel wirken nicht selektiv. Sie schädigen daher auch andere Insekten, darunter wichtige Bestäuber. Behandeln Sie deshalb möglichst nur befallene Bereiche und außerhalb der Blütezeit.
Außerdem können Sie nach dem Laubfall eine Winterbehandlung am Kultur-Apfel durchführen, meist im November bis Januar oder Februar. Das Mittel (Weißöl, Rapsöl) wird verdünnt und auf den gesamten Baum gesprüht, vom Stamm bis zu den Leitästen. Behandeln Sie dabei besonders die Ritzen, in denen sich Parasiten verstecken.
Sie können den Stamm auch mit Kalkbrühe streichen.
Die Behandlung erstickt alle überwinternden Entwicklungsstadien, Eier, Larven und erwachsene Tiere. Sie wird bei starkem Befall im vergangenen Jahr durchgeführt, jedoch nicht vorbeugend jedes Jahr.
Es ist auch möglich, den Stamm einfach mit einer Wurzelbürste abzureiben, um überwinternde Eier zu entfernen.

Abspritzen mit dem Schlauch und Anbringen von Baumleim gehören zu den Bekämpfungsmaßnahmen
Biologische Bekämpfung
Die biologische Bekämpfung dient dazu, einen Schädling mithilfe nützlicher lebender Organismen zu bekämpfen. Sie orientiert sich am natürlichen Gleichgewicht und an natürlichen Fressfeinden.
Bei Bedarf können Sie Nützlinge einsetzen, zum Beispiel Marienkäfer- oder Schwebfliegenlarven.
Für Einsteiger kann es jedoch schwierig sein, die passende Art für das Problem auszuwählen und sie richtig im Garten auszubringen. Daher ist es manchmal einfacher, ihre natürliche Ansiedlung im Garten zu fördern, um eine Ausbreitung der Schädlinge zu verhindern.
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Blutlaus vorbeugen: Maßnahmen
Es gibt mehrere natürliche Vorbeugemaßnahmen gegen die Blutlaus:
- Vermeiden Sie Sorten, die bekanntermaßen anfällig für Blattläuse sind, wie ‘Reine des Reinettes’, ‘Calville Blanc’, ‘Reinette du Canada’, ‘Belle de Boskoop’, und wählen Sie resistente Unterlagen
- Begrenzen Sie die Stickstoffgaben, da ein Überschuss den Pflanzensaft des Baums für Blattläuse attraktiver macht
- Pflanzen Sie in der Nähe von Apfelbäumen eine Mischung aus einjährigen Blumen gegen Blattläuse, die den Befall durch die Insekten begrenzen soll
- Bauen Sie Kräuter wie Thymian, Lavendel, Minze, Salbei oder Dill an, deren intensive Düfte ebenfalls abschreckend auf Blattläuse wirken
- Einige Gärtner verwenden Auszüge aus Brennnesseljauche, Farn, Melisse, Weißblühendem Beifuß oder Knoblauchaufgüsse
Die Biodiversität im Garten fördern
Die Blutlaus hat mehrere natürliche Feinde: Vögel, Marienkäfer, Florfliegen, Schwebfliegen und die Schlupfwespe Aphelinus mali … Ein biologisches Gleichgewicht hilft, diese Nützlinge im Garten anzusiedeln und dauerhaft zu halten.
Dazu können Sie Unterschlüpfe, Insektenhotels, Nistkästen, Futterstellen und Vogeltränken aufstellen (Meisen fressen gerne Blattläuse und deren Larven), aber auch Wirtspflanzen für die Nützlinge anbauen: Rainfarn-Büschelschön, Borretsch oder eine Brache mit Blumen, die Marienkäfer anlocken.
Fördern Sie schließlich die natürlichen Feinde der Ameisen, die Blattläuse zur Ernährung von deren Honigtau züchten, etwa Spinnen oder Eidechsen.

Bringen Sie mehr Biodiversität in Ihren Garten!
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