Heilen mit Bäumen?
Beim Sammeln von Rinde, Knospen, Pflanzensaft und Kätzchen
Inhaltsverzeichnis
Seit Jahrhunderten ist die Natur eine unschätzbare Quelle für Heilung – mit Bäumen im Mittelpunkt. Die Baumtherapie, auch Dendrotherapie genannt, stammt aus verschiedenen Kulturen, besonders aus Asien, wo sie zur traditionellen chinesischen und ayurvedischen Medizin gehört. Heute wird sie weltweit beliebter, da die Bedeutung der Natur für unsere körperliche und geistige Gesundheit stärker ins Bewusstsein rückt.
Birkenkuren mit Pflanzensaft und Rindensud … Welche Heilbäume lindern Beschwerden mit ihren kräftigen Stämmen, Knospen, Pflanzensäften und Kätzchen? Ein Überblick bei einem Streifzug durch Wald und Garten!
Mit Knospen
Knospen, auch Gemmen genannt, gelten als wahre Energie- und Vitalitätsreserven. Ihre Eigenschaften bilden sogar die Grundlage eines Bereichs der Phytotherapie: der Gemmotherapie. Nicht nur frische Knospen, sondern auch junge Triebe und Feinwurzeln von Bäumen und Sträuchern werden zermahlen verwendet. Zu den interessantesten und im Garten oder in der Natur leicht zu findenden zählen:
- Knospen der Birke: Früher gegen Nierensteine eingesetzt, gelten sie als harntreibend und leberunterstützend sowie revitalisierend und entzündungshemmend. Für den Mazerat werden Moor-Birke oder Hänge-Birke verwendet; das Mazerat wird mit Wasser verdünnt.
- Knospen der Schwarzen Johannisbeere (Ribes nigrum): Sie sind für ihre entzündungshemmenden Eigenschaften und ihre immunstärkende Wirkung bekannt und können zudem das Wohlbefinden der Gelenke verbessern. Die Ernte erfolgt im Frühjahr; täglich werden 10 bis 15 Tropfen Mazerat eingenommen.
- Knospen des Feigenbaums (Ficus carica): Sie unterstützen die Verdauung und können helfen, Stress zu lindern. Die großen Knospen lassen sich im Frühjahr leicht ernten; täglich werden 10 Tropfen Mazerat eingenommen.
- Knospen der Wald-Kiefer (Pinus sylvestris): Sie werden zur Unterstützung der Atemwege und Lungengesundheit empfohlen. Die Ernte erfolgt im Frühjahr; häufig wird eine dreimonatige Kur durchgeführt (5 bis 15 Tropfen Mazerat täglich).
- Knospen der Eiche werden unter anderem gegen Müdigkeit eingesetzt.
- Knospen der Gewöhnlichen Rosskastanie werden bei Durchblutungsstörungen empfohlen…
Hinweis: Alle diese Knospen werden als Glycerinmazerate zubereitet. Dabei mazerieren frische Knospen in Wasser, 90-prozentigem Alkohol und Glycerin. So entsteht ein konzentrierter Wirkstoffextrakt.
→ Mehr dazu in unserem Artikel Gemmotherapie: die Lebenskraft der Knospen.

Knospen von Kiefer, Eiche und Schwarzer Johannisbeere
Lesen Sie auch
Birken: Pflanzung, Rückschnitt und PflegeMit Rinde
Die Rinden sind bekannt für ihren Reichtum an gesundheitsfördernden Wirkstoffen. Verwendet wird der Bast, eine Art innere Baumrinde, die den verarbeiteten Saft transportiert . Hier eine Liste der am häufigsten verwendeten Rinden:
– Birkenrinde (wieder die Birke, unser Alleskönner-Baum!): Sie wirkt harntreibend und regt außerdem die Verdauung an. Zudem gilt sie als fiebersenkend.
– Rinde der Silber-Weide (Salix alba): Sie wird seit Jahrtausenden wegen ihrer schmerzlindernden Eigenschaften verwendet und ist der Ursprung von Aspirin. Meist wird sie im Herbst gesammelt und mit 2 bis 5 g pro Teeaufguss verwendet.
– Rinde der Eiche (Quercus spp.): Der ehrwürdige, in vielen Kulturen heilige Baum wird seit jeher wegen seiner Rinde genutzt. Sie ist für zahlreiche Wirkungen bekannt, darunter adstringierende, antidurchfallartige und antiseptische Eigenschaften. Außerdem lindert sie Hautprobleme wie Ekzeme, Juckreiz und Hautverletzungen. Die Ernte erfolgt im Frühjahr, vorzugsweise an eher jungen Bäumen. Empfehlenswert sind die Trauben-Eiche (Quercus robur) oder die Weiß-Eiche (Quercus pubescens). Für einen Rindensud einige Minuten lang Rindenstücke in Wasser kochen und als Umschlag anwenden. Verwenden Sie 5 bis 10 g pro Sud.
– Rinde der Rüster (Ulmus spp.): Als Sud wird sie zur Linderung von Verdauungsbeschwerden oder als Hustenmittel verwendet. Zu Pulver und anschließend zu einer Paste verarbeitet, dient sie zur Herstellung von Umschlägen für oberflächliche Wunden oder Abszesse.
– Lindenrinde (Tilia spp.): Sie beruhigt die Nerven und fördert den Schlaf. Außerdem wirkt sie krampflösend und entwässernd auf Leber und Nieren. Die Ernte erfolgt im Frühjahr, meist von Tilia platyphyllos, Tilia argentea und Tilia cordata. Für einen Teeaufguss 2 bis 5 g verwenden.
Diese Rinden werden meist als Sud oder Aufguss zubereitet. Dazu löst man sie, ohne den Baum zu verletzen, von der Rinde ab, lässt sie trocknen, zerkleinert sie grob und verwendet sie anschließend als Aufguss.

Eichenrinde
Mit Pflanzensaft
Vor allem kennt man die Vorzüge von Birkensaft (mal wieder …): Er gilt als reich an Spurenelementen (Kupfer, Magnesium und Eisen) sowie an Antioxidantien und wird häufig als saisonale Kur zur Entgiftung des Körpers eingesetzt.
Die Gewinnung des Rohsafts erfolgt gegen Ende des Winters, von Mitte Februar bis Mitte März, wenn der Saft direkt nach den Frösten wieder aufsteigt und die Knospen noch nicht erschienen sind. Birkensaft wird etwa drei Wochen lang gewonnen, indem man ausgewachsene Exemplare von Betula pubescens oder der Hänge-Birke (Betula pendula, auch Trauer-Birke, Weiß-Birke oder Warzen-Birke genannt) anzapft. An Bäumen mit Südlage, die im Tagesverlauf starken Temperaturschwankungen ausgesetzt sind, tritt mehr Flüssigkeit aus. Sie ist leicht süßlich und opaleszierend.
Birkensaft ist nicht mit Birkenblättertee zu verwechseln, der durch das Aufkochen der Blätter gewonnen wird, oder mit Birkenzucker, der entsteht, indem man den Saft bis zur Sirupdicke einkocht.
Ahornsirup, der in Québec sehr bekannt ist, wird aus dem Saft des Acer saccharum (Echter Zucker-Ahorn) gewonnen, den man erhitzt, um eine ebenfalls reich an Antioxidantien (und Saccharose!) haltige Köstlichkeit herzustellen.

Lesen Sie auch
Weide, Salix: Pflanzen, Rückschnitt und PflegeMit Kätzchen
Die sogenannten Kätzchen tragenden Bäume bilden biegsame, hängende männliche Blütenstände, die als „Kätzchen“ bezeichnet werden und vor dem Laubaustrieb erscheinen. Am bekanntesten sind die Kätzchen der Hasel, doch auch Birken und Weiden tragen Kätzchen. Einige dieser Bäume besitzen heilende Eigenschaften:
– Die Birke (Betula spp.): Ihre Kätzchen wirken harntreibend und blutreinigend und helfen, Giftstoffe aus dem Körper auszuscheiden. Sie werden im Frühjahr gesammelt und für einen Tee in einer Menge von 2 bis 4 g verwendet.
– Die Gewöhnliche Hasel (Corylus avellana): Die Kätzchen besitzen adstringierende Eigenschaften und können bei Durchfall oder Verletzungen hilfreich sein. Sie werden am Ende des Winters gesammelt und für einen Tee in einer Menge von 2 bis 3 g verwendet.
– Die Weide (Salix spp.): Ihre Kätzchen werden wegen ihrer entzündungshemmenden Eigenschaften verwendet. Sie werden im Frühjahr gesammelt und für einen Tee in einer Menge von 3 bis 5 g verwendet.
Hinweis: Kätzchen werden in der Regel als Tee oder Mazerat verwendet.

Haselkätzchen
Waldtherapie und ayurvedische Medizin
Sylvotherapie stärkt mit Wald, Bäumen und Natur das Wohlbefinden. Auch Ayurveda nutzt Bäume wie Neem, Moringa und Kiefer für die Gesundheit.
Vorsicht bei der Wildsammlung!
Natur schützen: Pflanzensaft darf in Wäldern und öffentlichen Orten nicht gezapft werden – sonst droht Bußgeld. Mengen sind begrenzt. Sammeln Sie im Garten.
Warnhinweis
Die genannten medizinischen Anwendungen sind nicht alle durch seriöse wissenschaftliche Studien bestätigt. Die Vorteile von Bäumen werden hauptsächlich vorbeugend genutzt.
Selbstmedikation und alternative Heilmethoden sind auch mit natürlichen Produkten nicht risikofrei. Obwohl Bäume und Pflanzen viele gesundheitliche Vorteile bieten, ersetzen die Informationen in diesem Artikel keinesfalls den Rat einer medizinischen Fachkraft. Jeder Mensch ist einzigartig und kann unterschiedlich auf bestimmte Pflanzen reagieren. Insbesondere für Schwangere, Kinder und Menschen mit bestimmten Erkrankungen bestehen Gegenanzeigen. Außerdem können manche Pflanzen mit Medikamenten wechselwirken und unerwünschte Wirkungen verursachen. Die in diesem Artikel genannten Dosierungen dienen lediglich als Richtwerte. Sie müssen von einer qualifizierten Fachkraft (Phytotherapeut, Kräuterkundiger, Apotheker usw.) überprüft werden.
Es ist daher unbedingt erforderlich, einen Arzt, Apotheker oder Kräuterkundigen zu konsultieren, bevor Sie eine neue pflanzenbasierte Behandlung beginnen. Diese Fachleute können Ihnen helfen, die für Ihre Situation geeigneten Pflanzen, deren sichere Anwendung und die richtige Dosierung zu bestimmen.

Mehr erfahren ...
Für Rezepte mit heimischen Bäumen: Karine Greiners Les arbres nourriciers et médicinaux (Ulmer, 2019) sowie René A. Strassmanns Le livre des arbres et de la santé (Libr. de Médicis, 1996). Zur Waldtherapie: Qing Lis Die Kunst und Wissenschaft des Waldbadens (First, 2018). Auch lesenswert: Birken: Was Studien zeigen
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