Naturgarten anlegen?
Tipps und Ideen für einen naturnahen Wildgarten
Inhaltsverzeichnis
Der naturalistische Garten liegt im Trend und gewinnt immer mehr Anhänger. Inspiriert von amerikanischen Wiesen, setzt er auf Naturharmonie und Umweltschutz. So gelingt Ihr eigenes Gartenparadies!

Garten im Maximilianpark in Deutschland (Foto: Ester Westerveld)
Was ist ein eingebürgerter Garten?
Wenn der Name Gertrude Jekyll für die Erneuerung des englischen Gartens steht, wird Piet Oudolf mit dem Naturgarten verbunden. Warum? Weil er seit den 1990er-Jahren eine bestimmte Gartensicht revolutioniert hat. Doch schon lange vor der „Dutch Wave“ und Gilles Cléments Garten in Bewegung entwickelten andere die Idee eines neuen, freien und wilden Gartens. In den USA war Jens Jensen im 19. Jahrhundert ein Vorreiter, ebenso wie William Robinson in Großbritannien. Der Naturgarten ist daher ein neuer Gartenansatz, der keineswegs neu ist, sondern sich seit einigen Jahrzehnten, insbesondere in Europa, weiterentwickelt. Im Laufe der Jahre hat der Naturgarten an Beliebtheit gewonnen, vor allem durch den Aufschwung ökologischer Bewegungen und das wachsende Bewusstsein für die Bedeutung der Biodiversität.
Der Naturgarten zeichnet sich durch bestimmte charakteristische Merkmale aus:
Bewegung und offene Räume
Die Pflanzen werden danach ausgewählt, wie leicht sie sich im kleinsten Windhauch bewegen. Daher findet man im Naturgarten viele Stauden und Gräser. Die Räume werden bewusst so angelegt, dass der Horizont möglichst weit offen bleibt. Nichts unterbricht die Blickachse. In dieser erträumten Natur, deren Atmosphäre möglichst natürlich wirken soll und in der sich Lichtungen mit bepflanzten Wiesen abwechseln, hat Rasen keinen Platz – es sei denn in Form eines Steppenrasens. Stattdessen durchziehen breite, gemähte Wege den Garten. Der Gartenplan muss entgegen allen Erwartungen im Voraus gut durchdacht werden: Die scheinbare Unordnung und der „wilde“ Eindruck entstehen nicht zufällig. Wie bei einem klassischeren Garten ist ein Gesamtplan der Flächen entscheidend.
Großflächige Staudenpflanzungen und Gräser
Die großflächige Pflanzweise im Naturgarten lässt seine Grenzen verschwimmen: Meist ist kaum noch erkennbar, wo der Garten beginnt und endet. Die Pflanzungen sollen spontan wirken. Dabei wird auch mit unterschiedlichen Farben und Texturen gespielt. Bei Stauden ist eine lange Blütezeit besonders gefragt, um jede Jahreszeit zu verlängern. Gräser sorgen ihrerseits für Bewegung und wirken zugleich als feine Farbabstufung, indem sie die Leuchtkraft einzelner Staudenblüten abmildern.

Der Lurie Garden im Millennium Park in Chicago (Foto: John Leszczynski)
Nachbildung eines Biotops
Im Naturgarten gibt es mehrere besondere Bereiche, die teilweise die Natur nachahmen: den Wechsel zwischen einer trockenen Wiese und feuchten Zonen, eine wilde Schattenecke und idealerweise ein Gewässer als Rückzugsort für Libellen und Frösche. Von natürlichen Ökosystemen inspiriert, entsteht so ein Rückzugsort für Biodiversität, wobei zugleich auf Ästhetik und Funktionalität geachtet wird.
Wenig Pflegeaufwand
Heimische Pflanzen, die an Boden und Klima der Region angepasst sind, kommen ohne Bewässerung aus. Eine regelmäßige Mulchschicht hält die Feuchtigkeit in den bepflanzten Bereichen und hemmt Unkraut. Der Garten wird sehr schnell selbstständig. Auch wenn dieser Garten im Laufe der Jahre veränderlich ist, gilt er heute oft als Garten der Zukunft: Er begegnet aktuellen Umweltproblemen, indem er weniger Pestizide, Wasser und Pflege benötigt.
Ein später Schnitt zweimal im Jahr genügt, um eine ausgewogene Wiese zu erhalten; außerdem wird eine differenzierte Pflege praktiziert. Der Garten darf sich selbst entwickeln, und die Samen bleiben im Winter an den Pflanzen. Sie ernähren die Vögel und sorgen für einen dekorativen Akzent.
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10 typische Stauden für naturnahe GärtenFür welchen Garten?
Der naturalistische Stil lässt sich in verschiedenen Gartenarten umsetzen, wobei einige für diese großflächigen Pflanzungen besser geeignet sind. Wer einen Garten ohne Bewässerung anlegen möchte, findet im naturalistischen Garten eine Auswahl bestens geeigneter Pflanzen. Dank seiner Pflanzenauswahl, die sowohl frosthart als auch hitzebeständig ist, lässt sich dieser Garten überall im Land anlegen.
Der große Garten
Große Flächen entfalten mit einem naturalistischen Garten ihre ganze Schönheit und ihr Potenzial. Sie bieten meist weitläufige, sehr sonnige Bereiche, in denen die typische Flora einer natürlichen Wiese gedeihen kann.
Gärten mit mehreren Hektar Fläche sind besonders geeignet, da sie mit der großen verfügbaren Pflanzenvielfalt spielen können (siehe unten). Auch eine Gartenerweiterung, etwa durch den Kauf eines weiteren Grundstücks, lässt sich im naturalistischen Konzept gestalten, um neue Flächen leichter einzubeziehen. In einem großen Garten kann außerdem einfacher ein Wassergarten oder ein Feuchtgebiet integriert werden.

Der ebene Garten
Der ebene Garten profitiert besonders von einer Gestaltung im naturalistischen Stil: Er gewinnt an Volumen, da die Pflanzweise diesem oft als langweilig empfundenen Bereich viel Bewegung und Höhe verleiht. Ist der Garten mittelgroß, lassen ihn die weitläufigen naturalistischen Pflanzungen sogar größer wirken, weil sie den Blick in die Ferne lenken.

Der Landgarten
Dieser Garten passt ebenfalls hervorragend zum naturalistischen Stil. Der ländliche Garten folgt den Regeln eines naturalistischen Gartens – bei der Pflanzenwahl, beim für den Naturgarten charakteristischen lockeren Stil und durch seinen geringen Pflegeaufwand.
Der englische Garten
Der naturalistische Garten kann auch als natürlicherer Teil eines englischen Gartens gestaltet werden, dessen Beete auf Mixed Borders basieren. Die Fülle an Stauden und Gräsern wirkt dann wie eine einfache und natürliche Verbindung.

Die Pflanzenauswahl
Die Pflanzenpalette des Naturgartens lebt von einer grasartigen Optik aus Stauden und Gräsern. Ziel sind dekorative Szenen über weite Teile des Jahres und saisonale Effekte, bevorzugt mit lang anhaltender Blüte.
Robuste Pflanzen
Direkt aus den großen Prärien Amerikas stammend, sind die Pflanzen des Naturgartens winterharte, bienenfreundliche Stauden, die sich in trockenen wie feuchten Böden wohlfühlen. Dazu können weitere heimische Pflanzen Europas kommen, solange sie ihren wilden Charakter bewahren. Bevorzugt werden Wildarten, die der Biodiversität zugutekommen. Hier einige unverzichtbare Pflanzen:
- Sonnenhut und Rudbeckie, insbesondere Rudbeckia hirta und Rudbeckia fulgida
- Garbe
- Indianernessel
- Prachtscharte
- Grindkraut und Knautie
- Prachtkerze
- mehrjährige Eisenkräuter (V. bonariensis, V. hastata usw.)
- Purpur-Leinkraut
- sonnenartige Blüten: Sonnenbraut, Alant, Sonnenblume, Sonnenauge, Becherpflanze, Ochsenauge …
- Aster (Aster laevis, Aster novae-angliae …)
- Disteln, Kratzdistel und Mannstreu
- Wiesenknopf
→ Lesen Sie auch: 10 typische Stauden für Naturgärten

Sanguisorba officinalis, Rudbeckia hirta, Sedum spectabile, Ochsenauge, Mannstreu, Echinacea purpurea und Salvia pratensis
Hohe Stauden
Auch eine gewisse Vorstellung von Größe gehört zu diesem groß angelegten Garten: hohe, stattliche, ja überdimensionierte Pflanzen, die dennoch wild wirken.
Hier finden sich etwa der Große Schuppenkopf, Selinum wallichianum, zahlreiche gelb blühende Sonnengewächse wie die Becherpflanze, Arzneiehrenpreis, Wildfenchel, Lychnis chalcedonica, Goldkolben, Blutweiderich, Wiesenknopf, Bastardindigo und weitere.
→ Lesen Sie auch meine Auswahl in Hohe Stauden: unverzichtbare Riesen für den Garten.

Selinum wallichianum, Verbena bonariensis, Cephalaria gigantea, Silphium laciniatum und Foeniculum vulgare
Gräser
Sie sind im Naturgarten schlichtweg unverzichtbar! Sie fangen das Licht wunderbar ein, bleiben lange attraktiv, geben Struktur, tanzen im Wind und bieten kleinen Wildtieren im Winter Schutz. Die aufrecht wachsenden Gräser dienen den lockereren Stauden als natürliche Stütze.
Pflanzen Sie Blaugraues Präriegras, Reitgras, Perlgras, Besenried, Fallsamengras, Bartgras, Plattährengras, Blaugras, Federgras, Chinaschilf und Federborstengras … neben vielen weiteren attraktiven Ziergräsern.

Schizachyrium scoparium, Melica ciliata, Stipa pennata, Panicum virgatum ‚Dallas Blues‘, Molinia caeruela, Miscanthus nepalensis und Miscanthus sinensis
→ Lesen Sie auch: Naturgarten: 5 bemerkenswerte Wildpflanzen.
Bäume, Sträucher und Zwiebeln
Ergänzen Sie die Basis aus Gräsern und Stauden durch heimische Pflanzen höherer Schichten, um Strauchsteppen zu schaffen, die sich im Herbst prächtig färben, verwildernde Zwiebelpflanzen und einige zarte Einjährige:
Betula pendula, Essigbaum, Sorbus aucuparia, Sambucus nigra, Roter Hartriegel, Atlantische Hasenglöckchen, Schachblume, Braut, Kornblume und weitere.
Für feuchte Bereiche im Naturgarten
Kombinieren Sie die besten Pflanzen, die Bestäuber anlocken und das ganze Jahr über ein farbenfrohes Schauspiel bieten: Mädesüß, Blutweiderich, Kleinköpfiger Knöterich, Schaublatt, Gelbe Sumpf-Schwertlilie (Iris pseudacorus) und Sibirische Schwertlilie, Binse (Juncus effusus) und weitere.
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Die Dekorationselemente
Im naturnahen Garten müssen Sie keine teuren Anschaffungen tätigen. Die benötigten Elemente finden Sie direkt in der Natur – für eine ökologische und natürliche Garteneinrichtung. Verwenden Sie große Baumwurzelstöcke, bauen Sie Insektenhotels aus Tannenzapfen, Stroh und Holzbriketts, legen Sie Benjeshecken zur Abgrenzung einzelner Bereiche oder des Grundstücks an und lassen Sie Zonen mit aufgeschichtetem Holz als Unterschlupf für Insekten bestehen.
Holzzäune wirken besonders natürlich, etwa im Ranchstil oder als Pferdekoppel – möglichst aus Zweigen und Stämmen aus dem eigenen Garten. Auch Nistkästen und Futterstellen sind nützlich und können im Garten verteilt werden.
→ Lesen Sie auch Was tun mit alten Bäumen im Garten?; Ein Insektenhotel bauen; Wie legt man eine Benjeshecke an? und Ein Zweig- oder Totholzhaufen für die Gartenfauna.

Die Gartenmöbel
Die Möbel fügen sich buchstäblich in die weitläufigen Flächen ein: improvisierte Bänke aus alten Bäumen, aus stehen gebliebenen Wurzelstöcken gefertigte Sitze … Sie können auch einige Möbel mit Patina aufstellen, etwa alte, verrostete Gartenmöbel, oder schöne Adirondack-Sessel anschaffen. Diese ursprünglich aus Amerika stammenden Sessel passen perfekt in einen solchen Garten. Holz und Metall haben hier ebenfalls ihren Platz, solange Sie die Möbel sinnvoll verteilen, um die verschiedenen Blicke auf die Pflanzen oder ein Gewässer zu genießen.
→ Weitere Gestaltungsideen finden Sie unter Holz im Garten: Ideen und Inspirationen.

Die XXL-Dekoration
In diesen weitläufigen, offenen Bereichen können Sie sich sogar einige einzigartige Kreationen aus Zweigen erlauben: Skulpturen aus Silber-Weide oder sogar Tierfiguren. Sie sollten sparsam eingesetzt werden – ein oder zwei Stück genügen, um die möglichst symbiotisch gewünschte Inszenierung abzurunden.
→ Lesen Sie auch: Tierdeko im Garten; Lebende Silber-Weide flechten: Hecke, Hütte … und Korbmacherei: die Kunst, Pflanzen zu flechten.

Große organische Skulpturen scheinen aus der Natur emporzuwachsen …
Die Wege
Der naturnahe Garten liebt breite, frisch gemähte Wege, die üppige Beete zur Geltung bringen. Setzen Sie auch auf „sanfte“ Wege: Holzhäcksel aus dem eigenen Mulch für besonders wilde Bereiche oder das Unterholz sowie naturbelassene Materialien wie Platten aus regionalem Stein für geschwungene Wege.
Naturgärten als Inspiration
Am besten holt man sich die Inspiration für ein solches Projekt in besonders schönen, naturnah gestalteten Gärten. Davon gibt es weltweit immer mehr – der Trend macht es möglich. Hier einige der bemerkenswertesten Gärten in Frankreich und im nahen Ausland:
- Der Jardin Plume in der Normandie, einer der bekanntesten und prägendsten Gärten Frankreichs. Alexandra hat ihn für uns besucht!
- Der ebenfalls in der Normandie gelegene Jardin du Mesnil-Gaillard, den Jean-Christophe im Herbst besucht hat;
- Der Jardin de Berchigranges in den Vogesen, angelegt von Thierry und Monique Dronet. Mit seinen Teichen und natürlichen Wiesen ist dieser Garten ein echtes Refugium für die Biodiversität;
- Der Hermannshof in Weinheim: Pierre nimmt Sie mit auf einen Rundgang durch den Hermannshof im April
- Der Garten Hummelo, der Privatgarten von Piet Oudolf im Osten der Niederlande und eine echte Inspirationsquelle. Pierre hat ihn erneut für uns besucht – hier!
- In England: der Millennium Garden im Pensthorpe Natural Park, gestaltet von Piet Oudolf, sowie Bury Court in Surrey.
- Cambo Estate in Saint Andrews, stark von Piet Oudolf inspiriert und gilt als einer der schönsten Gärten Schottlands.
- Der Garten von Fernando Martos im Süden Spaniens.
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