Was ist Marzeszenz?

Was ist Marzeszenz?

Bäume, die dem Winter trotzen

Inhaltsverzeichnis

Geändert der 25. Januar 2026  durch Gwenaëlle 5 min.

Im Winter bleibt braunes Laub mancher Bäume und Sträucher haften. Warum? Und wie nutzen Sie die Schönheit marzeszenter Gehölze im Garten?

Schwierigkeit

Ein bisschen Botanik …

Das Wort „marcescent“ tauchte in Frankreich im 18. Jahrhundert auf. Etymologisch stammt es vom lateinischen „marcescere“, was „welken oder verwelken“ bedeutet. Es bezeichnet die oberirdischen Pflanzenteile, vor allem die Blätter, aber auch Kelche und Blütenkronen, die nach dem Absterben im Herbst, wenn sie trocken und welk geworden sind, an der Pflanze haften bleiben. Dieses trockene Laub bleibt bis zum Austrieb der neuen Blätter im folgenden Frühjahr an der Pflanze. Die neuen Blätter ersetzen die abgestorbenen, die nach und nach abfallen. Der Begriff „marcescent“ wird meist in diesem Sinn verwendet, bezeichnet aber auch den Blattkranz bestimmter Palmen, der unter den neuen Wedeln trocken bleibt und mehrere Jahre am Baum haften kann, ohne abzufallen.

Die Marzeszenz gilt tatsächlich als eine Form der Sommergrünheit. Man könnte daher von spät sommergrünen Bäumen sprechen: Die trockenen, braun bis rostbraun gefärbten Blätter bleiben den Winter über am Baum hängen und fallen schließlich ab – allerdings erst einige Monate nach den sommergrünen Bäumen, die ihr Laub bereits im Herbst verlieren. Dieses Merkmal kann vollständig oder teilweise sowie vorübergehend sein. Der Baum bleibt nur wenige Wochen ohne Blätter, bevor je nach Jahr der mehr oder weniger späte Austrieb einsetzt.

Die vertrockneten und abgestorbenen Pflanzenteile bleiben an einer vollkommen lebenden Pflanze, die lediglich in die vegetative Ruhephase eintritt. Das Phänomen der Marzeszenz beobachtet man vor allem bei jungen Bäumen und Sträuchern, insbesondere bei Eichen.

Biologisch betrachtet sind bei marzeszenten Bäumen die Enzyme und Hormone, die für den Abbau des Gewebes an der Basis des Blattstiels verantwortlich sind, weniger aktiv oder fehlen. Diese Enzyme, etwa Cellulase und Pektinase, sind zusammen mit der abnehmenden Tageslängefür den Prozess der Abszission verantwortlich. Dieser physiologische Vorgang löst den Blattfall aus, indem er ermöglicht, dass sich Blätter, Früchte oder Blüten von der Pflanze lösen. Aufgrund der inaktiven Abbauenzyme oder der langsameren Bildung der Trennzone (vor allem bei jungen Pflanzen) ist die Abszission nicht vollständig. Die marzeszenten Blätter bleiben daher auch nach dem Trocknen und Verfärben mit ihrem Blattstiel an der Verzweigung oder den Trieben haften.

Konkret ermöglicht dieses Phänomen dem Baum, seine künftigen Knospen und jungen Triebe im Winter besser zu schützen und bestimmte Nährstoffe aus den abgestorbenen Blättern wieder aufzunehmen, bevor diese im Frühjahr abfallen. Häufig wird dieser Prozess auch mit einer symbiotischen Beziehung in Verbindung gebracht, die der Baum mit Tieren wie Hirschen und anderen Pflanzenfressern eingehen könnte: Diese würden die wenig nährstoffreichen Blätter meiden, statt die Knospen oder die Rinde anzufressen. Nach Ansicht einiger Ökologen handelt es sich zudem um eine echte Überlebensstrategie gegen die Kälte.

Die Marzeszenz variiert je nach Klima und Temperaturen, darf aber nicht mit halbimmergrünem Laub verwechselt werden: Halbimmergrüne Pflanzen trocknen ihr Laub nicht ein. In milderem Klima behalten sie einfach ihr gesamtes oder einen Teil ihres Laubs, das sich häufig verfärbt und dadurch nahezu immergrün wirkt. Daher werden sie als halbimmergrün bezeichnet (zum Beispiel manche Rosen, Lonicera fragrantissima, strauchförmige Fuchsien und sommergrüne Pfaffenhütchen).

Olivier erklärt in Bildern die Unterschiede zwischen sommergrünem, immergrünem und marzeszentem Laub in seinem Video.

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marzeszente Hecke

Eine marzeszente Hecke im Garten: warme Farben und eine einzigartige Struktur!

Pflanzen mit marzeszenten Blättern

Wenn von Marzeszenz die Rede ist, betrifft dies vor allem Bäume und Sträucher, darunter drei wichtige bei uns verbreitete Arten (die alle zur selben Ordnung, den Fagales, gehören) aus den Wäldern Europas:

  • Die Rotbuche (Fagus sylvatica) und ihre zahlreichen Varianten (purpurfarben wie bei Fagus sylvatica ‚Atropurpurea‘, die weiß panaschierte und kleinwüchsige ‚Franken‚, die säulenförmige ‚Dawyck‚ usw.)
  • Die Hainbuche und die Hainbuche als Hecke (Carpinus betulus) und ihre Sorten (Carpinus ‚Fastigiata‘ mit eiförmiger Wuchsform, ‚Orange Retz‘ mit schwarzer Rinde, hängend wie bei Carpinus betulus ‚Pendula‘ usw.)
  • Zahlreiche sehr dekorative Eichen wie die Pyrenäen-Eiche (Quercus pyrenaïca), die Trauben-Eiche (Quercus petraea) und ihre Sorten, die Flaum-Eiche (Quercus pubescens), mehrere Stiel-Eichen (Quercus robur und zahlreiche Kultivare wie Quercus robur ‚Salicifolia‘ mit länglichen Blättern, Quercus robur ‚Pectinata‘, die prächtigen Quercus robur ‚Crimson Spire‘ und ‚Fastigiata Koster‘ mit säulenförmiger Wuchsform sowie die säulenförmige Quercus robur ‚Zeland fastigiata‘. Daneben gibt es weniger bekannte, bemerkenswerte Eichen wie Quercus petraea ‚Insecata‘ mit lacinierten Blättern, Quercus imbricaria (Lorbeerblättrige Eiche), Quercus alba ‚Longigemma‘, die Mazedonische Eiche (Quercus trojana), Quercus acutissima, einige Quercus dentata, Quercus falcata, Quercus lanuginosa, eine weitere Flaum-Eiche … Die Liste ist lang.
  • Bei manchen jungen Bäumen wie Esskastanien (Castanea sativa) und Weiden oder bei der Hopfenbuche (Ostrya carpinifolia) kann man ebenfalls von Marzeszenz sprechen. Das gilt bei mildem Klima auch für die Sumpfzypresse (Taxodium distichum), die Europäische Lärche und die Goldlärche.

Hinweis: Auch Früchte oder Blüten können beim Trocknen haften bleiben, ohne abzufallen, wie man es beim Blauglockenbaum, Silberblatt, der Karde, der Fetthenne und einigen Hortensien beobachten kann.

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Quercus imbricaria, Carpinus betulus (Sommerlaub), Früchte des Paulownia tomentosa, Quercus pyrenaica und Fagus sylvatica ‚Atropurpurea‘

Marzeszente Bäume im Garten nutzen?

Marzeszente Gehölze bleiben wegen ihrer honig- bis rostfarbenen Wirkung im Garten besonders dekorativ und unterscheiden sich mit ihrer ganz eigenen Textur deutlich von sommergrünen Bäumen und Sträuchern. Das ist in den Wintermonaten ein unbestreitbarer Charmevorteil. Eichen werden häufig als Solitär gepflanzt, um diese außergewöhnliche Eigenschaft zur Geltung zu bringen.

Für wandelbare Sichtschutzhecken

Dies ist eine der wichtigsten Verwendungsmöglichkeiten, denn solche blickdichten Hecken bieten das ganze Jahr über einen sehr guten Sichtschutz. Die Hainbuche ist für diese Funktion bekannt und wurde bereits ab dem 17. Jahrhundert erfolgreich in europäischen Gärten eingesetzt.

Man findet diese Hecken manchmal niedrig und akkurat geschnitten, als gepunktete Linie gestaltet wie im Garten von Stéphane Marie (im Jardin de la Maubrairie im Cotentin), oft aber auch höher in zahlreichen französischen Schlossgärten, wo sie mitunter als Vorhanghecke geschnitten werden. Ebenso passen sie in ländliche Gärten, in denen sie frei wachsen dürfen. Eine marzeszente Hecke lässt sich an nahezu jeden Gartenstil anpassen, und ihre Höhe kann je nach Bedarf reguliert werden.

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Für Labyrinthe

Wer ein Labyrinth im eigenen Garten anlegen möchte, greift häufig zu Hainbuchen und Hainbuchenhecken. Sie zählen zu den schönsten Gehölzen für dieses Vorhaben, denn wiederholter Rückschnitt fördert ihre Verzweigung. Dank der trockenen Blätter bleibt das Labyrinth den ganzen Winter über optisch dicht.

→ Weiterlesen: Ein Labyrinth im Garten anlegen.

Das Hainbuchenlabyrinth behält das ganze Jahr über seine klare Linienführung und Attraktivität

Für Formschnittkunst

Die Hainbuche – schon wieder sie! – verträgt Rückschnitt sehr gut und eignet sich daher ideal für Formschnittgehölze, die sich nach Belieben und der eigenen Inspiration zu figürlichen Kunstwerken gestalten lassen. In französischen Gärten sieht man sie häufig in Reihen mit wiederkehrenden Mustern.

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Rechts: Hainbuchen als Formschnittgehölze im Sommer und Winter.

Für grüne Bögen und Lauben

Die Hainbuche wird auch gern für Strukturen wie begrünte Bögen, Tunnel oder grüne Lauben verwendet – eine Art berankte Gartenpavillons, unter denen man sitzen kann.

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Ein schöner Hainbuchenbogen im Jardin des plantes d’Angers (© Gwenaëlle David Authier)

Für herbstliche Pflanzbilder

Marzeszente Bäume harmonieren leicht mit den warmen Farben der Gräser auf ihrem Höhepunkt sowie mit allen Sträuchern mit Herbstfärbung – von Gelb und Orange bis Rot.

In einem Wintergarten

Marzeszente Blätter lassen das Licht mit schöner Transparenz hindurchscheinen. An einem sonnigen Standort in einem Wintergarten ist die Wirkung besonders eindrucksvoll und während der kalten Jahreszeit geradezu magisch.

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Hainbuche (Carpinus betulus)